Bundeswehr-Soldaten üben mit dem G36-Gewehr | picture alliance / dpa

Ex-Soldaten festgenommen Mission: Als Söldner in den Jemen

Stand: 20.10.2021 17:34 Uhr

Zwei Ex-Bundeswehrsoldaten sollen versucht haben, eine Söldnertruppe aufzustellen, um in den Bürgerkrieg im Jemen einzugreifen. Nun wurden sie festgenommen.

Von Michael Götschenberg und Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperten, und Pune Djalilehvand, ARD-Politmagazin Kontraste

In den frühen Morgenstunden haben Beamte der Spezialeinheit GSG 9 die zwei Ex-Soldaten Arend-Adolf G. und Achim A. in ihren Wohnungen in München und in der Nähe von Lenzkirch in Baden-Württemberg festgenommen. Der Vorwurf: Die beiden Männer sollen versucht haben eine Söldnertruppe aufzustellen um in einen kriegerischen Konflikt einzugreifen. Vorausgegangen waren umfangreiche Ermittlungen durch das Bundeskriminalamt.

Michael Götschenberg ARD-Hauptstadtstudio
Holger Schmidt

Alles begann mit einem Hinweis an den Militärischen Abschirmdienst der Bundeswehr (MAD). Ein Mann hatte dem MAD gemeldet, dass ihn zwei Männer angesprochen hätten und für die Söldnertruppe gewinnen wollten. Aus dem Hinweis wurde ein Ermittlungsverfahren für den Generalbundesanwalt.

Die Bundesanwaltschaft wirft den beiden 52 und 60 Jahre alten Beschuldigten G. und A. vor, dass sie eine 100 bis 150 Mann starke Söldnertruppe aufstellen wollten. Mit dieser Truppe wollten sie den Ermittlungen zufolge in den Bürgerkrieg im Jemen eingreifen. Offenbar hatten sie die Vorstellung, zur Befriedung des Landes beitragen zu können und Friedensverhandlungen zwischen den Huthi-Rebellen und der jemenitischen Regierung erzwingen zu können. Das Geschäftsmodell sah nach Erkenntnissen der Ermittler außerdem vor, danach auch in anderen Konflikten militärisch einzugreifen.

Geld sollte aus Saudi-Arabien kommen

Um ihre Pläne zu verwirklichen, sollen die beiden Beschuldigten bereits Kontakt zu mindestens sieben ehemaligen Bundeswehr-Angehörigen oder früheren Polizisten aufgenommen haben, um sie für ihre Truppe anzuwerben. Ihnen sollen sie pro Monat 40.000 Euro Sold in Aussicht gestellt haben. Für die Anwerbung war nach Überzeugung der Ermittler G. zuständig.

Bei vier Personen wurden in diesem Zusammenhang heute Morgen Durchsuchungen durchgeführt, allerdings werden sie in dem Verfahren nicht als Beschuldigte geführt. Von der Verwirklichung ihrer Geschäftsidee schienen die beiden Beschuldigten jedoch noch weit entfernt gewesen zu sein. Auch deshalb, weil die Finanzierung nicht gewährleistet war. Die beiden Männer hatten offenbar kaum eigenes Geld und gingen wohl auch keiner geregelten Tätigkeit nach.

Allerdings soll A. wiederholt und hartnäckig über einen längeren Zeitraum Kontakt zu Regierungsvertretern in Saudi-Arabien aufgenommen haben - mit dem Ziel, sie für eine Finanzierung der Pläne zu gewinnen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Die Anfragen an Saudi-Arabien blieben demnach unbeantwortet.

Umstrittenes Sicherheitsunternehmen Asgaard

Die Ermittler gehen dennoch davon aus, dass die beiden Männer über die nötigen Fähigkeiten verfügten, die Pläne in die Tat umzusetzen. Beide hatten eine militärische Ausbildung bei der Bundeswehr. Nach Informationen von ARD-Hauptstadtstudio, SWR und dem ARD-Politikmagazin Kontraste war A. bis 1999 als Ausbilder bei den Fallschirmjägern in Altenstadt tätig, G. bis 1983 bei den Jägern und danach bis 2009 wiederholt bei Wehrübungen dabei.

Darüber hinaus waren die beiden Beschuldigten zwischenzeitlich für das private Sicherheitsunternehmen Asgaard tätig. Über Asgaard hatte Kontraste mehrfach berichtet und die mutmaßlich rechtsradikale Gesinnung einiger Mitarbeiter öffentlich gemacht.

Gegenüber Kontraste bestätigte A. im September 2020, dass er seit 2008 im Irak tätig gewesen sei und dort als Einsatzleiter für Asgaard gearbeitet habe. Er behauptete, er sei mit verschiedenen Botschaften und auch mit Geheimdiensten wie der CIA vernetzt. Ein Video, das Kontraste vorliegt, zeigt Achim A. und Arend-Adolf G. mit weiteren spezial-ausgebildeten Kräften von Asgaard im Irak. Es ist Abend, sie sitzen um einen Tisch herum und singen das Kretalied - ein Falschimjägerlied aus der NS-Zeit.

"Brutstätte terroristischer Gewalt"

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner beschäftigt sich seit Jahren mit Asgaard und warnt vor der Gefahr, die aus der Szene ausgehe. Sie fordert, die Militär- und Sicherheitsfirmen stärker in den Blick zu nehmen:

Wir haben es mit einer Brutstätte terroristischer Gewalt zu tun. Der Fall zeigt deutlich, welche Bedrohung von diesem Milieu ausgeht, das Konservative, Extreme Rechte und Söldner verbindet. Dass diese Firmen nun nach Jahren erst in den Fokus des GBA geraten, liegt sicherlich auch an den Verbindungen zentraler Personen in Bundeswehr und Sicherheitspolitik.

Vorwurf: Gründung einer terroristischen Vereinigung

Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen einen leitenden Angestellten der Firma, der eine Morddrohung gegen Renner ausgesprochen haben soll, was er jedoch bestreitet. Einen Zusammenhang zu den Ermittlungen rund um die Pläne zur Aufstellung einer Söldnertruppe sehen die Ermittler nach Informationen von ARD-Hauptstadtstudio, SWR und Kontraste bisher nicht.

Da es um die Anwerbung von Personen mit dem Ziel geht, in einem Bürgerkriegsgebiet Menschen zu töten, wirft die Bundesanwaltschaft den Beschuldigten vor, den Versuch unternommen zu haben, eine terroristische Vereinigung zu gründen. Dabei ging es aber nicht darum, Anschläge in Deutschland zu verüben - und die mögliche geplante Söldnertruppe entspricht auch sonst nicht unbedingt dem Bild der klassischen Terrorvereinigung, mit der sich der Generalbundesanwalt üblicherweise beschäftigt. Doch juristisch geht es für die Ermittler um den gleichen Straftatbestand.

Achim A. Mitglied im CSU-Arbeitskreis

Achim A. war zuletzt als Sicherheitsberater tätig. Er ist CSU-Mitglied und teilte Kontraste mit, er sei Funktionsträger im Bezirksvorstand des Arbeitskreises Außen-und Sicherheitspolitik (ASP). Der ASP ist laut CSU mit rund 4000 Mitgliedern einer der größten Arbeitskreise der Partei. Er versteht sich als "Impulsgeber und Sprachrohr der CSU in allen Fragen der Außen-, Sicherheits-, Europa- und Entwicklungspolitik". Arend-Adolf G. soll zuletzt aushilfsweise als Kraftfahrer gearbeitet haben.

Beide wurden am Nachmittag dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt, der den Haftbefehl in Vollzug setzte.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 20. Oktober 2021 um 22:15 Uhr.