Ampullen des russischen Impfstoffs Sputnik V | REUTERS

Russischer Corona-Impfstoff Rufe nach Sputnik V aus Bayern und Thüringen

Stand: 27.03.2021 09:40 Uhr

Die Regierungschefs aus Bayern und Thüringen fordern, eine mögliche Bestellung des russischen Impfstoffs Sputnik V vorzubereiten. Vorbehalte und "westdeutsche ideologische Befindlichkeiten" finde er albern, sagte Ramelow.

Aus den Ländern werden Forderungen laut, im Kampf gegen die Corona-Pandemie auch auf den russischen Impfstoff Sputnik V zu setzen. Es müsse "so schnell wie möglich über die Zulassung von Sputnik V entschieden werden", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in einem Interview mit der "Passauer Neuen Presse" und dem "Donaukurier". "Und wir sollten aus den schlechten Erfahrungen bei der ersten Bestellung gelernt haben", so der CSU-Politiker.

"Deshalb sollte die EU diesmal zügig alle nötigen Verträge abschließen, um so viel Impfstoff wie möglich zu bekommen." Die Corona-Pandemie werde schließlich nur durch Impfen besiegt, sagte Söder.

Ramelow: "ideologische Befindlichkeiten"

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) beklagte in einem Interview mit der "Welt" die Vorbehalte in Westdeutschland gegen den russischen Corona-Impfstoff. "Ich kämpfe nicht für Sputnik V, nur weil er aus Russland käme, sondern ich bin der Meinung, dass wir alle Impfstoffe kaufen sollten, die wir kaufen können", sagte Ramelow. "Mit Parteipolitik oder einer mir unterstellten Nähe zu Moskau hat das nichts zu tun." Er registriere "westdeutsche ideologische Befindlichkeiten in dieser Frage, die ich albern finde". Sputnik V müsse wie alle anderen Impfstoffe auch geprüft werden, sagte Ramelow.

"Den Rahmenvertrag aber hätte man längst abschließen können. Das sollte nun bald geschehen." Kanzlerin Angela Merkel habe ihm versichert, dass die Gespräche dazu angelaufen seien. Sputnik V könnte laut Ramelow im bayerischen Illertissen bei Augsburg vom russischen Konzern R-Pharm geprüft und produziert werden.

Bislang vier EU-weite Zulassungen

Dass die EU-Länder sich bei ihrem Gipfel nicht zu einem Exportstopp für in Europa produzierten Corona-Impfstoff durchringen konnten, stieß bei Söder auf Kritik. "Die EU sendet leider ein falsches Signal", sagte der bayerische Regierungschef der "Passauer Neuen Presse" und dem "Donaukurier". Es sei "den Menschen schwer zu vermitteln, dass wir in Europa echte Probleme beim Impffortschritt haben, aber bei den Impfstoffen weltweit am exportfreudigsten sind". Dadurch fehlten "dringend nötige Kapazitäten für den eigenen Kontinent", sagte Söder.

Exportkontrollen seien nur ein erster Schritt, "ehrlicher und besser" wäre aus seiner Sicht, jetzt einen Exportstopp zu verhängen, so Söder. Bislang haben die Corona-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson eine EU-weite Zulassung erhalten. Zu Sputnik V hat die EU-Arzneimittelbehörde EMA ein sogenanntes rollierendes Verfahren zur Zulassung gestartet.

Spahn für Erwerb von Sputnik V

Nachdem Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian Russland vorgeworfen hatte, Sputnik V als "Mittel der Propaganda" zu missbrauchen, signalisierte die Bundesregierung erneut ihre grundsätzliche Bereitschaft, das russische Vakzin nach einer Zulassung durch die EMA einzusetzen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte sich in der vergangenen Woche dafür ausgesprochen, rasch Vereinbarungen zu treffen, um den russischen Corona-Impfstoff zu erwerben. Er könne sich "vorstellen, dass wir Verträge zügig abschließen", sagte Spahn. Sein Ministerium sei "in engem Austausch" mit den russischen Stellen, dabei gehe es auch um eine vorvertragliche Absichtserklärung.

Nationaler Alleingang möglich

Einen nationalen Alleingang wollte Spahn notfalls nicht ausschließen. Bei dem möglichen Erwerb von Sputnik V wolle Deutschland nicht unbedingt auf eine Entscheidung auf EU-Ebene warten. "Ich bin tatsächlich sehr dafür, dass wenn die Europäische Union dann nichts macht, wir das auch national machen", sagte er.

Ähnlich hatte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel geäußert und sich für den Einsatz des russischen Impfstoffs Sputnik V ausgesprochen, wenn dieser eine Zulassung für Deutschland erhalte. Sollte die EU keine Bestellungen aufgeben - wofür es keine Anzeichen gebe - werde dies Deutschland auch allein tun, sagte Merkel.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. März 2021 um 09:00 Uhr.

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