Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch | dpa

K-Frage der Union "Das unwürdige Theater muss enden"

Stand: 12.04.2021 20:24 Uhr

Die offene Kanzlerkandidaturfrage der Union sorgt bei den anderen Parteien für Unverständnis. CDU und CSU sollten sich lieber um die Pandemiebekämpfung kümmern, meint Linkenfraktionschef Bartsch.

In der Union ist die Frage nach dem Kanzlerkandidaten auch gut fünf Monate vor der Bundestagswahl noch offen. Sowohl CSU-Chef Markus Söder als auch der CDU-Vorsitzende Armin Laschet haben von ihrem jeweiligen Parteipräsidium den Rücken gestärkt bekommen. Beim Koalitionspartner und den Oppositionsparteien sorgt der Machtkampf vor allem für Unverständnis.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil bezeichnete das Ringen der Union um die Kanzlerkandidatur als "egoistisch". "Während ihrer öffentlichen Raufereien um die Kanzlerkandidatur gerät für Laschet und Söder die Pandemiebekämpfung völlig in den Hintergrund", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". "Der offene Machtkampf lähmt CDU und CSU." Das Verhalten werde Deutschland in der schwierigen Lage nicht gerecht.

Bartsch: Union überreif für Opposition

Linkenfraktionschef Dietmar Bartsch forderte CDU und CSU auf, das Schauspiel um Personalfragen einzustellen, und sagt dem künftigen Kanzlerkandidaten der Union eine Niederlage voraus. "Das unwürdige Theater 'Personalpolitik der Union' muss enden", sagte Bartsch dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (RND). "Die Pandemiepolitik darf nicht länger Spielball der Machtpolitik von CDU und CSU sein." Die Union sei überreif für die Opposition. "Wer auch immer kandidiert, wird Oppositionsführer werden oder Ministerpräsident bleiben", so Bartsch.

Auch FDP-Generalsekretär Volker Wissing rief die Union beim RND dazu auf, ihre personellen Fragen schnellstmöglich zu klären "und sich endlich auf die Bekämpfung der Corona-Pandemie zu konzentrieren".

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck zeigte sich indes gelassen. "Wir brauchen eine handlungsfähige konservative Partei in Deutschland", sagte er. "Deshalb haben wir kein Interesse am Versinken der Union in ihren eigenen Querelen." Wer Kanzlerkandidat bei der Union werde, habe keinen Einfluss auf die Entscheidung der Grünen, die ihre Kanzlerkandidatin oder ihren Kanzlerkandidaten kommende Woche verkünden wollen. Die Entscheidung der Union sei deren Baustelle.

Klöckner will schnelle Entscheidung

Auch in den eigenen Reihen wird auf eine schnelle Entscheidung gepocht. "Wir müssen jetzt entscheiden", sagte Julia Klöckner, stellvertretende Vorsitzende der CDU. Für alles andere gebe es weder bei den Mitgliedern noch bei der Bevölkerung Verständnis. Thomas Strobl, ebenfalls stellvertretender Vorsitzender, zeigte sich diplomatisch: "Es ist doch schön, dass wir mit Armin Laschet und Markus Söder zwei so erfolgreiche Ministerpräsidenten in der Union haben." Beide hätten gezeigt, dass sie Wahlen in der Mitte gewinnen könnten, beide führten sehr erfolgreich ein großes Land.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. April 2021 um 13:02 Uhr.