Logos verschiedener sozialer Netzwerke | Bildquelle: dpa

Social Bots im Wahlkampf Nur die AfD will auf "Meinungsroboter" setzen

Stand: 22.10.2016 13:17 Uhr

Im US-Wahlkampf spielen Social Bots eine enorme Rolle - die "Meinungsroboter" veröffentlichen auf Twitter und anderen sozialen Netzwerken tausende Kommentare, um Zustimmung oder Ablehnung zu verstärken. In Deutschland will nur die AfD auf solche Bots setzen.

Welche Rolle sollen Social Bots im Bundestagswahlkampf spielen? Gar keine - das meinen zumindest Union, SPD, Grüne, Linkspartei und FDP. "Die SPD hat bislang keine Social Bots benutzt und wird dies auch in Zukunft nicht tun", sagte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley der Nachrichtenagentur Reuters. Der persönliche Eindruck sei viel wichtiger als solche von Computern erzeugte Kommentare. "Manipulation durch Social Bots lehnen wir ab", betonte auch der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner. Zuvor hatte sich bereits CDU-Generalsekretär Peter Tauber gegen einen Einsatz ausgesprochen.

Die Linkspartei ruft ebenso dazu auf, auf Social Bots im Wahlkampf zu verzichten. Die politischen Akteure stünden hier in der Verantwortung, sagte der für den Bundestagswahlkampf zuständige Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn gegenüber Reuters. "Der Einfluss von Social Media auf soziale Bewegungen birgt enorme Chancen, aber auch unkalkulierbare Gefahren." Social Bots könnten eine Gefahr für die Demokratie sein. "Sie konstruieren ein falsches Meinungsbild und manipulieren, wenn auch nur indirekt, die Sicht auf die Welt und wirken auf unsere Wahrnehmung ein."

Jeder dritte Pro-Trump-Tweet von Bot abgesetzt

Sogenannte "Bots" - abgeleitet von "robots" - werden derzeit im US-Präsidentschaftswahlkampf sowohl von Republikanern als auch Demokraten eingesetzt, um Stimmung zu machen. Bots vermitteln den Eindruck, als ob menschliche Nutzer hinter Kommentaren etwa bei Twitter oder Facebook stecken. In Wahrheit fluten Computer aber mit künstlich erzeugten Identitäten bestimmte Seiten von Politikern mit zustimmenden oder ablehnenden Kommentaren.

Nach einer Studie der Oxford University wurde nach der ersten TV-Debatte am 26. September mehr als jeder dritte Tweet (37,2 Prozent) in Unterstützung von Trump von einem Software-Roboter abgesetzt. Auch seine Widersacherin Hillary Clinton profitierte von Bots. Bei ihr lag der Bot-Anteil allerdings nur bei 22,3 Prozent. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich besorgt gezeigt, dass dieser Trend auch nach Deutschland schwappen könnte und bei einer Veranstaltung der Jungen Union einen Schulterschluss der Parteien angeregt, um gemeinsam gegen den Einsatz von Social Bots zu kämpfen.

AfD will Bots in Strategie einbeziehen

AfD-Politikerin Alice Weidel
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AfD-Politikerin Alice Weidel

In Deutschland will nur die AfD solche Meinungsroboter im Wahlkampf einsetzen. "Selbstverständlich werden wir Social Bots in unsere Strategie im Bundestagswahlkampf einbeziehen", sagte Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel dem "Spiegel". "Gerade für junge Parteien wie unsere sind Social-Media-Tools wichtige Instrumente, um unsere Positionen unter den Wählern zu verbreiten."

"Mit der Ankündigung entlarvt sich die AfD mal wieder selbst", kommentierte SPD-Generalsekretärin Barley diese Äußerungen. "Die AfD hat offenbar kein Vertrauen in die eigenen Inhalte - sonst müsste sie nicht auf die Manipulation der öffentlichen Meinung zurückgreifen." Wahrscheinlich setze die rechtspopulistische Partei diese von Computern erzeugten Nachrichten oder Kommentare längst ein, etwa um Hasskommentare zu versenden. Barly weiter: "Ich freue mich, dass alle demokratischen Parteien erklärt haben, solche Mittel nicht einsetzen zu wollen."

Desinformation als Ziel

Der kanadische Soziologe Phil Howard sagte dem Deutschlandfunk zu dem Phänomen, Bots würden längst nicht nur dazu eingesetzt, um eine Meinung oder einen Kandidaten besonders populär erscheinen zu lassen. Inzwischen sei eher gezielte Manipulation an der Tagesordnung: "Bots werden von Politikern nicht so sehr genutzt, um einen bestimmten Standpunkt zu verbreiten, sondern um die Leute zu verwirren."

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 07.Juni 2016 um 00:00 Uhr.

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