Offenbar Pistolen an Kasachstan geliefert Neuer Ärger für SIG Sauer

Stand: 18.07.2014 19:02 Uhr

Der deutsche Waffenhersteller SIG Sauer hat offenbar ausländischen Kunden aktiv angeboten, deutsche Exportauflagen zu umgehen, um mit ihnen Geschäfte abzuwickeln. Darauf deuten interne Unterlagen und E-Mails des in Eckernförde ansässigen Unternehmens nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hin.

Konkret geht es um die Lieferung von Pistolen des Typs P 226 und P 228 an die Präsidentengarde Kasachstans. Dieses Geschäft aus den Jahren 2009 und 2010 war von den für die Kontrolle von Rüstungsexporten zuständigen deutschen Behörden zunächst mündlich und dann auch schriftlich nicht genehmigt worden.

Umweg über die USA

Eine SIG Sauer P226, die von US-Behörden in einem Kriminalfall beschlagnahmt wurde. (Archiv)
galerie

Sollten P 226 über Umwege nach Kasachstan geliefert werden? Eine von US-Behörden in einem Kriminalfall beschlagnahmt wurde. (Archiv)

Bereits nach der mündlichen Ablehnung hat ein SIG-Sauer-Mitarbeiter dem kasachischen Kunden per E-Mail vom 10. Januar 2010 angeboten, die Lieferung mit einer Exportlizenz der USA abzuwickeln. Dieses Vorgehen wird in der Mitteilung als unproblematisch bezeichnet und könne innerhalb von 45 bis 60 Tagen abgewickelt werden.

Anschließend sollen die Waffen dann aus Eckernförde in die USA verschickt worden sein, damit sie von dort weiter nach Kasachstan versandt werden konnten. Den deutschen Behörden soll SIG Sauer gesagt haben, die Waffen würden auf dem US-Zivilmarkt verbleiben. In dem Fall ermittelt die Kieler Staatsanwaltschaft.

Waffen für Kolumbien

Im Januar 2014 ließ die Staatsanwaltschaft bereits die Geschäftsräume von SIG Sauer in Eckernförde durchsuchen. Der Pistolenhersteller ist derzeit wegen eines zweiten Waffen-Exports in Erklärungsnot. Dabei geht es, wie NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatten, um die Ausfuhr von Waffen - ebenfalls über die USA - nach Kolumbien.

Auch in diesem Fall ermittelt inzwischen die Kieler Staatsanwaltschaft. Anfang dieser Woche durchsuchte sie Firmengebäude und die Privatwohnungen der Eigentümer. SIG Sauer möchte sich mit Verweis auf beide laufende Verfahren nicht äußern. Auf Anfrage teilte man mit, man kooperiere mit den Behörden.

Darstellung: