Jugendliche wollen auf die Klimakrise aufmerksam machen | Bildquelle: dpa

Shell-Jugendstudie Größte Angst vor Umweltzerstörung

Stand: 15.10.2019 12:56 Uhr

Auch wenn die Mehrheit der jungen Generation positiv in die Zukunft blickt - das Thema Umweltzerstörung treibt viele von ihnen um. Die neue Shell-Jugendstudie zeigt zudem: Viele sind empfänglich für rechtspopulistische Positionen.

Die Mehrheit der jungen Menschen in Deutschland blickt eher positiv in die Zukunft - das ist eine Erkenntnis der jüngsten Shell-Jugendstudie. Dennoch bestimmen auch Ängste die junge Generation. Dabei ist die Furcht vor Umweltzerstörung das zentrale Thema. 71 Prozent der 12- bis 25-Jährigen gaben in der Befragung an, die Verschmutzung der Umwelt mache ihnen Angst. Bei der Befragung im Jahr 2015 hatte noch die Furcht vor Terroranschlägen vorn gelegen. Der jüngsten Befragung zufolge sorgen sich darum heute noch zwei Drittel der jungen Menschen. Die Angst vor dem Klimawandel landet auf Platz drei (65 Prozent).

Den hohen Stellenwert des Themas Umwelt- und Klimaschutz zeigt sich auch bei der Frage nach Werten: Im Vergleich zum Jahr 2002 hat laut Autoren besonders der Wert "umweltbewusstes Leben" an Bedeutung gewonnen. Während diesen 2002 insgesamt 60 Prozent für wichtig hielten, waren es in der aktuellen Befragung 71 Prozent.

Freunde, Partner und Familie wichtig

Zu den wichtigsten Werten gehören für die überwältigende Mehrheit der jungen Menschen nach wie vor gute Freunde, eine vertrauensvolle Partnerschaft und ein gutes Familienleben. Ein hoher Lebensstandard und die Durchsetzung eigener Bedürfnisse verlören dagegen vergleichsweise stark an Bedeutung. Insgesamt stehen laut Autoren idealistische, eher sinnstiftende Wertorientierungen bei jungen Menschen wieder höher im Kurs.

Die Studie mit dem Untertitel "Eine Generation meldet sich zu Wort" kommt darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass sich das seit Anfang der 2000er-Jahre gestiegene Interesse an Politik stabilisiert hat. Es engagieren sich demnach aber vor allem die Jugendlichen stärker, die bereits politisch interessiert und gut ausgebildet sind. Dies treffe insbesondere auf Bewegungen wie "Fridays for Future" zu. Zudem habe die Mehrheit Vertrauen in die Demokratie.

Das Thema Gerechtigkeit sieht die Mehrheit der jungen Generation positiv: 59 Prozent finden demnach, dass es in Deutschland insgesamt gerecht zugehe. Das gilt für West- und Ostdeutschland gleichermaßen.

Empfänglicher für politischen Populismus

"Junge Menschen wissen, dass Entscheidungen von heute die Zukunft beeinflussen und sie wollen daran beteiligt sein. Sie fordern zu Recht, dass ihnen nicht nur zugehört wird, sondern dass ihre Forderungen auch Folgen haben", sagte die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey zu den Studienergebnissen. Als Alarmsignal wertete sie aber, dass sich mehr als zwei Drittel der jungen Menschen nicht mehr von Politikerinnen und Politikern vertreten fühlen. Sie sehe dieses Ergebnis als einen Auftrag an die Politik, sagte sie.

Die Umfrage legt aber auch offen, dass bestimmte rechtspopulistisch orientierte Aussagen bei Jugendlichen auf Zustimmung stoßen. So pflichten mehr als zwei Drittel der Aussage bei, dass man nichts Negatives über Ausländer sagen darf, ohne als Rassist zu gelten. Neun Prozent der Befragten stimmen sogar rechtspopulistischen Positionen insgesamt zu.

"Es ist Zeit zu handeln"

Der Studienleiter Mathias Albert von der Universität Bielefeld fasst die Erkenntnisse der Studie insgesamt so zusammen:

"Bereits im Jahr 2015 hatten viele Jugendliche ein größeres Engagement für politische und gesellschaftliche Themen gezeigt. Dieses Engagement verstärken sie inzwischen durch ein zunehmendes Umwelt- und Klimabewusstsein. Obwohl die Jugendlichen optimistisch in ihre persönliche und die gesellschaftliche Zukunft blicken, sehen sie doch, dass es Zeit ist, zu handeln."

Die Botschaft der Jugend an ältere Generationen sei: "Wir bleiben zuversichtlich, aber hört auf uns, und achtet jetzt auf unsere Zukunft!"

Für die Shell-Jugendstudie werden seit 1953 alle drei bis fünf Jahre junge Menschen zu ihren Einstellungen befragt. An der aktuellen Umfrage wurden 2572 Jugendliche im Alter von zwölf bis 25 Jahre befragt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Oktober 2019 um 14:00 Uhr.

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