Ein Junge sitzt auf einem Ball und hält sich die Hände vor das Gesicht | Bildquelle: Alliance

Sexuelle Gewalt An Schulen fehlt der Schutz

Stand: 04.09.2019 16:52 Uhr

In Deutschland muss mehr getan werden, um Kinder vor sexueller Gewalt zu schützen. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Rörig, nennt vor allem die Situation an Schulen problematisch.

Von Isabel Reifenrath, ARD-Studio Berlin

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert, dass mehr für den Schutz für Kinder vor sexueller Gewalt getan werden muss. Er hat den Abschlussbericht des Deutschen Jugendinstituts zur Umsetzung von Schutzkonzepten in Schulen, Heimen und Kitas vorgestellt.

So haben 22 Prozent der Kitas umfassende Schutzkonzepte, damit doppelt so viele wie noch vor sechs Jahren - auch Heime und Internate sind gut aufgestellt. Sorgen machen Rörig aber die Schulen. Nur 13 Prozent der Schulen in Deutschland haben ein Konzept, wie sie auf sexuelle Gewalt reagieren. Rörig fordert deshalb:

"Es ist so wichtig, dass betroffene Schülerinnen und Schüler in ihrer Schule vertrauensvolle Ansprechpersonen finden und Lehrerinnen und Lehrer wissen, was sie bei Vermutung und Verdacht auch tatsächlich tun können."

Sexueller Missbrauch von Kindern: Studie sieht mangelnden Schutz an Schulen
tagesschau 16:00 Uhr, 04.09.2019, Hanni Hüsch, ARD Berlin

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Zunehmende Gewalt unter Kindern

In jeder Schulklasse seien ein bis zwei Kinder von sexueller Gewalt betroffen - am häufigsten kommen die Täter aus dem Familienumfeld. Was aber auch zunehme, sei sexuelle Gewalt, die die Kinder sich gegenseitig antun. Fotos aus dem Internet oder Selfies werden in den Klassen per Smartphone verschickt. Auch Übergriffe nehmen zu. Der Missbrauchsbeauftragte fordert deshalb die Landesregierungen auf, aktiv zu werden:

"Ich plädiere dafür, dass die Schulgesetze reformiert werden und dass in die Schulgesetze hineingeschrieben wird, dass Schulen verpflichtet sind, Schutzkonzepte gegen sexuelle Gewalt einzuführen."

Dreistellige Millionensumme für Prävention nötig

Er sprach sich auch dafür aus, dass sich die Länder selbst verpflichten, den Schulen dafür zusätzliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Jedes Bundesland hat sein eigenes Schulgesetz, deshalb sind die Länder zuständig. Rörig geht davon aus, dass eine dreistellige Millionensumme nötig wäre, um wirklich umfassend gegen sexuelle Gewalt vorzugehen. Zusätzliche Polizisten und die technische Ausstattung, die zur Aufklärung nötig sind, seien da noch gar nicht eingerechnet.

Die Experten des Jugendinstituts raten allen Einrichtungen, auch kirchlichen, sich mit sexueller Gewalt auseinanderzusetzen. Mitarbeiter zu schulen, Ansprechpartner zu schaffen, Verhaltensregeln aufzuschreiben und auch Hilfsangebote zu machen. Sabine Walper ist die Forschungsdirektorin des Jugendinstituts. Sie sagt, was die Einrichtungen brauchen: Netzwerke, aber auch Vorgaben, Verbindlichkeiten des Gesetzgebers und Trägers.

Verunsicherung bei Schulen

Problematisch sei die personelle und finanzielle Ausstattung in vielen Einrichtungen. Gerade in Schulen seien auch oft die Reaktionen der Eltern ein Problem. Sie hätten oft Angst, dass Präventionsmaßnahmen nur eingeführt werden, wenn es bereits sexuelle Übergriffe gegeben hat. Die Schulen seien deshalb verunsichert.

Nur aktiv zu werden, wenn schon etwas passiert ist, sei aber falsch, sagt der Missbrauchsbeauftragte Rörig. Wie unbequem er mit seinen Forderungen sei, wisse er. Von allein und zum Minimaltarif werde es aber keinen Schutz vor sexueller Gewalt geben.

Prävention von sexueller Gewalt in Deutschland mangelhaft
Isabel Reifenrath, ARD Berlin
04.09.2019 15:15 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 04. September 2019 um 16:12 Uhr.

Korrespondentin

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Isabel Reifenrath, HR

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