Horst Seehofer | Bildquelle: FILIP SINGER/EPA-EFE/REX/Shutter

Seehofer vor Islamkonferenz Einflussnahme in Moscheen beenden

Stand: 27.11.2018 11:54 Uhr

Innenminister Seehofer will die ausländische Einflussnahme auf Moscheen in Deutschland beenden. Muslimische Gemeinden sollten Finanzierung und Imam-Ausbildung selbst in die Hand nehmen, schreibt er in einem Gastbeitrag.

Am Mittwoch beginnt die vierte Auflage der Deutschen Islamkonferenz unter dem Vorsitz von Bundesinnenminister Horst Seehofer. In einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen" legte er vorab die Beendung ausländischer Einflussnahmen auf die Moscheen in Deutschland als inhaltlichen Schwerpunkt fest.

Ihm gehe es "darum, ausländische Einflussnahme dadurch zu ersetzen, dass Deutschlands Muslime nicht nur Organisation und Finanzierung ihrer Gemeinden selbst in die Hand nehmen, sondern auch die Imam-Ausbildung an ihre Bedürfnisse anpassen", schrieb er. Moscheen müssten sich so organisieren, dass sie "den Anforderungen des Religionsverfassungsrechts für eine Kooperation mit dem Staat genügen".

Eine weitere Kernfrage sei, wie sich der muslimische Glaube und die "mit ihm verknüpften Überzeugungen und Bräuche" im Alltag mit der deutschen Kultur und Gesellschaft in Einklang bringen ließen. Die deutschen Muslime seien auch gefordert, Wertefragen zwischen sich und den muslimischen Zuwanderern zu klären, die 2015 und 2016 nach Deutschland gekommen sind.

Zentralrat der Muslime für deutsche Imame

Anders als die Kirchen sind muslimische Gemeinden in Deutschland in der Regel nicht als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt, was ihnen den Einzug von Steuern ermöglichte. Fehlende finanzielle Mittel gleichen sie häufig durch Bezüge aus dem Ausland aus.

Wegen der politischen Entwicklung in der Türkei und der Debatte um die Ditib-Moschee in Köln sehen viele den Einfluss ausländischer Staaten durch Geldmittel und die Entsendung von Imamen aber kritisch.

Der Wunsch nach Imamen aus Deutschland wird auch von den Verbänden mitgetragen: "Ich will lang- und mittelfristig auch keine Imame aus dem Ausland mehr", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mayzek.

Er schlug ein "duales Modell" als Übergangsregelung vor: Religionslehrer sollten zu 50 Prozent in einer Schule islamischen Religionsunterricht geben, zu den anderen 50 Prozent in einer Gemeinde als Imame arbeiten. Die Finanzierung solle getrennt erfolgen.

An deutschen Universitäten werden seit einigen Jahren auch islamische Theologen ausgebildet, deren Anstellung als Imam aber in vielen Fällen noch an der fehlenden praktischen Ausbildung scheitert. Mayzek sprach sich für eine Ausbildung nach dem Vorbild christlicher Pfarrer aus: "Dafür brauchen wir gute und verbindliche Standards", sagte er.

Grundsatzrede zur Eröffnung der Konferenz

Die Deutsche Islamkonferenz wurde 2006 vom damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ins Leben gerufen. Sie soll als Forum für einen Dialog zwischen dem Staat und den Muslimen in Deutschland dienen.

Seehofer hat für die am Mittwoch beginnende vierte Auflage der Konferenz Vertreter der Islamverbände und muslimische Einzelpersonen eingeladen. Er wird die Veranstaltung mit einer Grundsatzrede eröffnen.

Die Probleme der Islamkonferenz
Ulrich Pick, SWR
27.11.2018 13:52 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. November 2018 um 12:15 Uhr.

Darstellung: