Die Kapitänin der "Sea-Watch 3", Carola Rackete | Bildquelle: AP

"Sea-Watch 3" in Lampedusa Eine Festnahme, die entzweit

Stand: 30.06.2019 21:50 Uhr

Die Festnahme der "Sea-Watch-3"-Kapitänin Rackete sorgt für Spannungen zwischen Rom und Berlin. Bundespräsident Steinmeier kritisierte Italien. Erneut werden Rufe nach einer europäischen Lösung laut.

Die Festnahme der "Sea-Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete in Italien hat in Deutschland Empörung hervorgerufen. Der 31-Jährigen drohen in Italien bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Rackete war in der Nacht zum Samstag festgenommen worden, nachdem sie ihr Schiff mit 40 Migranten an Bord trotz des Verbots der italienischen Behörden in den Hafen der Mittelmeerinsel Lampedusa gesteuert hatte.

Kapitänin Carola Rackete verlässt von italienischen Polizisten eskortiert die "Sea-Watch 3". | Bildquelle: REUTERS
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Die Kapitänin Carola Rackete verteidigte ihre Entscheidung: Ihr Ziel sei es gewesen, erschöpfte und verzweifelte Menschen an Land zu bringen.

Müller appelliert an EU-Gipfelteilnehmer

Bundesinnenminister Horst Seehofer pochte bei der Aufnahme der 40 Bootsflüchtlinge an Bord der "Sea Watch 3" auf eine "gemeinsame europäische Lösung". Das sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. 

Sein Parteikollege und Entwicklungsminister Gerd Müller sagte, er erwarte vom derzeit in Brüssel stattfindenden EU-Gipfel eine "klare Positionierung zur sofortigen Freilassung" Racketes. Darüber hinaus forderte er den "Beschluss einer neuen europäischen Sofortregelung zur Seenotrettung im Mittelmeer".

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sagte im Bericht aus Berlin der ARD, für ihn sei klar, "dass wir diejenigen, die sich einsetzen für Menschen, die auf der Flucht sind, die humanitär helfen wollen, dass wir die unterstützen". Dennoch dürften keine falsche Anreize gesetzt werden, "dass Menschen sich auf den Weg machen aufs Mittelmeer".

Deutsche Kapitänin der "Sea-Watch 3" in Italien festgenommen
tagesschau 20:00 Uhr, 29.06.2019, Kaja Rieth, ARD Rom

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Bedford-Strohm: "Schande für Europa"

Zuvor hatten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundesaußenminister Heiko Maas Kritik das Vorgehen der italienischen Behörden heftig kritisiert. "Wer Menschenleben rettet, kann nicht Verbrecher sein", sagte Steinmeier im ZDF.

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärte, die Festnahme mache ihn "traurig und zornig" und sprach von einer "Schande für Europa".

Grünen-Chef Robert Habeck sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), der eigentliche Skandal seien "das Ertrinken im Mittelmeer, die fehlenden legalen Fluchtwege und ein fehlender Verteilmechanismus in Europa".

Die Linke-Fraktion im Bundestag sieht Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Maas in der Pflicht, sich für Racketes Freilassung einzusetzen. "Nicht jene, die Menschen retten, handeln illegal, sondern die Regierungen der EU, die sie ertrinken lassen", sagte Stefan Liebich der Zeitung "Welt".

Italiens Innenminister Matteo Salvini fährt in der Einwanderungspolitik eine harte Linie. | Bildquelle: REUTERS
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"Verbrecherische Kapitänin festgenommen, Piratenschiff beschlagnahmt, Höchststrafe für die ausländische Nichtregierungsorganisation", schrieb Salvini.

Salvini weist Kritik zurück

Der italienische Innenminister Matteo Salvini von der rechtsradikalen Lega wies die Kritik zurück. "Italien akzeptiert Belehrungen von niemandem", schrieb er bei Twitter. "Verbrecherische Kapitänin festgenommen, Piratenschiff beschlagnahmt, Höchststrafe für die ausländische Nichtregierungsorganisation", kommentierte er weiter. 

Als das in den Hafen von Lampedusa einlief, hatte ein italienisches Polizei-Schnellboot vergeblich versucht, dies zu verhindern. Wäre das Boot nicht ausgewichen, wäre es von der "Sea-Watch 3" "zerstört" worden, sagte ein Polizist. Salvini nannte das Manöver "eine kriegerische Handlung". 

Rackete verteidigte ihr Vorgehen. Es sei "kein Akt der Gewalt, sondern nur des Ungehorsams" in einer verzweifelten Situation gewesen. Sie habe das Polizeiboot sicher nicht rammen wollen. "Ich hatte nicht die Absicht, irgendjemanden in Gefahr zu bringen", sagte sie nach Angaben ihres Anwaltes.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Juni 2019 um 20:00 Uhr. Zudem berichtete über dieses Thema NDR Info am 30. Juni 2019 um 02:00 Uhr und 21:00 Uhr in den Nachrichten sowie der Bericht aus Berlin um 18:30 Uhr.

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