Die Sea-Watch-Kapitänin verlässt das Rettungsschiff | Bildquelle: AFP

Nach Festnahme von Kapitänin Spendenaktion für "Sea-Watch"

Stand: 30.06.2019 05:05 Uhr

Die Festnahme von "Sea-Watch"-Kapitänin Rackete hat in Deutschland für Empörung gesorgt. Auch die Moderatoren Böhmermann und Heufer-Umlauf solidarisierten sich mit den Seenotrettern und riefen zu Spenden auf.

Nach der Festnahme von Kapitänin Carola Rackete haben die Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf zu Spenden für die Seenotretter von "Sea-Watch" aufgerufen. In einem in der Nacht zu Sonntag auf Youtube geposteten Video zeigten sich die beiden erschüttert von den Geschehnissen auf der italienischen Insel Lampedusa.

"Mit den Ereignissen der letzten Tagen hat diese unmenschliche, kaltblütige und skrupellose Politik einen neuen Tiefpunkt erreicht", sagte Böhmermann. Wer Menschenleben rette, sei kein Verbrecher, betonten beide. Wie die meisten könnten auch sie nicht persönlich vor Ort im Mittelmeer helfen. "Darum möchten wir spenden und gemeinsam mit Euch Geld sammeln."

Geld für mögliche Rechtskosten

Bereits am frühen Sonntagmorgen waren mehr als 145.000 Euro eingegangen.

Für den Fall, dass die italienischen Behörden Rackete strafrechtlich verfolgen würden, "werden wir, wie im letzten Jahr, Geld für die anfallenden Rechtskosten und Ausgaben der Lebensretter sammeln und spenden". Die Aktion soll bis Ende Juli laufen.

Unerlaubt in Hafen eingelaufen

Das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" hatte in der Nacht zu Samstag nach mehr als zwei Wochen auf offener See mit 40 Migranten unerlaubt im Hafen der italienischen Insel Lampedusa angelegt. Die Kapitänin wurde festgenommen, das Schiff beschlagnahmt. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, sich einem Kriegsschiff widersetzt und Beihilfe zur illegalen Einwanderung geleistet zu haben. Die "Sea-Watch 3" wurde von Polizei und Zollbehörden beschlagnahmt. Rackete droht eine Geldstrafe, im schlimmsten Fall Haft.

In Deutschland wurde der Fall empört aufgenommen. Bundesaußenminister Heiko Maas kritisierte die Festnahme Racketes scharf. "Seenotrettung darf nicht kriminalisiert werden", schrieb er auf Twitter. Vor dem Hintergrund, dass Menschenleben zu retten eine "humanitäre Verpflichtung" sei, müsse die italienische Justiz die Vorwürfe nun schnell klären.

Auch Grüne und die Evangelischen Kirche in Deutschland fanden scharfe Worte. Die Aktion zeige "die Ruchlosigkeit der italienischen Regierung" und offenbare das Dilemma der europäischen Flüchtlingspolitik, so Grünen-Chef Robert Habeck. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sprach von einer Schande für Europa.

Italiens Innenminister Matteo Salvini fährt in der Einwanderungspolitik eine harte Linie. | Bildquelle: REUTERS
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Italiens Innenminister Matteo Salvini fährt in der Einwanderungspolitik eine harte Linie.

"Das sind Verbrecher"

Beim Einlaufen in den Hafen von Lampedusa war die "Sea-Watch 3" mit einem Boot der Finanzpolizei kollidiert. Der italienische Innenminister Matteo Salvini wertete diesen Vorfall als Beweis dafür, dass es sich bei den Seenotrettern um "Kriminelle" handelt. "Sie haben die Maske abgelegt: Das sind Verbrecher", sagte er.

Die jüngste Odyssee der "Sea-Watch 3" hatte am 12. Juni begonnen, als die Seenotretter vor Libyen die Bootsflüchtlinge an Bord nahmen. Fünf europäische Länder, darunter Deutschland, hatten am Freitag zugesagt, Flüchtlinge von Bord des Schiffes aufzunehmen. Dennoch hatte die italienische Regierung weiterhin keine Genehmigung zum Anlegen erteilt und erklärt, auf "gesicherte Garantien" zu warten.

Deutsche Kapitänin der "Sea-Watch 3" in Italien festgenommen
tagesschau 20:00 Uhr, 29.06.2019, Kaja Rieth, ARD Rom

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Juni 2019 um 20:00 Uhr.

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