"Alan Kurdi", Archivbild | Bildquelle: FABIAN HEINZ/SEA-EYE HANDOUT/EPA

Nach Attacke von Nizza Sea-Eye erstattet Anzeige gegen AfD-Politiker

Stand: 01.11.2020 11:41 Uhr

Der AfD-Politiker Pazderski hatte angedeutet, die Hilfsorganisation Sea-Eye trage eine Mitverantwortung an der Terrorattacke von Nizza. Die Seenotretter sprechen von Hetze und erstatteten Anzeige.

Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye hat bei der Polizei Strafanzeige gegen den AfD-Politiker Georg Pazderski erstattet. Anlass sei eine Mitteilung des Berliner Politikers auf Facebook, teilte die Organisation mit Sitz in Regensburg mit. Dort hatte Pazderski angedeutet, dass die Besatzung des Rettungsschiffes "Alan Kurdi" eine Mitverantwortung für den Tod der Terroropfer von Nizza trage.

Pazderski verbreite "die Unwahrheit, um die Trauer und Betroffenheit der Menschen zu missbrauchen und sie gegen Seenotretter aufzuhetzen", erklärte Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye. Der AfD-Politiker habe sich auf Facebook auf angebliche Recherchen bezogen und ein Bild mit der Schlagzeile "Deutsche 'Alan Kurdi' brachte Nizza-Attentäter nach Europa" veröffentlicht, ohne konkrete Quellen für seine Behauptung zu benennen. 

Attentäter nicht an Bord

Der Attentäter von Nizza sei nicht an Bord der "Alan Kurdi" nach Frankreich gelangt, betonte Sea-Eye. Seit der Erklärung Pazderskis auf Facebook erreichten den Verein jedoch verstärkt Anschuldigungen, Beleidigungen und schwere Vorwürfe.

Auch Italiens Innenministerin Luciana Lamorgese hatte erklärt, dass der Mann "im Rahmen einer eigenständigen Landung" auf der italienischen Insel Lampedusa angekommen sei, in einem kleinen Boot zusammen mit etwa 20 Landsleuten - ohne von der Küstenwache oder einer Nicht-Regierungsorganisation aufgegriffen worden zu sein.

Ermittlungen laufen noch

Bei dem mutmaßlichen Attentäter von Nizza soll es sich nach Angaben der Ermittler um einen 21-jährigen Tunesier handeln. Nach derzeitigem Erkenntnisstand traf er erst einen oder zwei Tage vor der Tat in Frankreich ein. Er hatte am Donnerstag in der Basilika Notre-Dame im südfranzösischen Nizza zunächst einen Mann und eine Frau getötet; eine verletzte Frau konnte in eine Bar flüchten, erlag dort aber ihren Verletzungen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. November 2020 um 12:40 Uhr.

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