Blick auf die Ruine des Schwimmbads ins Duisburg | Bildquelle: WDR

Petiton für Schwimmbäder Auf dem Trockenen

Stand: 09.12.2019 02:47 Uhr

Der Unterhalt von Schwimmbädern ist teuer, 1400 wurden seit dem Jahr 2000 geschlossen - nach Ansicht der DLRG mit dramatischen Folgen. Zehntausende Bürger protestieren - nun befasst sich ein Bundestagsausschuss damit.

Von Michael Heussen, WDR

Im Rettungsboot fuhr der DLRG-Präsident Achim Haag Ende September über die Spree zum Bundestag, um Unterschriftenlisten zu überreichen. Mehr als 120.000 Bürger hatten sich eingetragen, denn sie alle sorgen sich um den Zustand der Schwimmbäder in Deutschland. An diesem Montag haben sie ihr Zwischenziel erreicht: Der Petitionsausschuss des Bundestags beschäftigt sich in öffentlicher Anhörung mit dem Thema.

Der Petitionsausschuss des Bundestags

Jeder kann sich nach Artikel 17 des Grundgesetzes mit einer Bitte oder Beschwerde an den Deutschen Bundestag wenden. Diese landet dann beim Petitionsausschuss, der die Petitionen prüft und berät.
Die Forderung der DLRG zur Aufstellung eines bundesweiten Masterplans zur Rettung der Schwimmbäder ist laut Tagesordnung eine Stunde lang Thema in dem Ausschuss. Dabei wird das Anliegen der Petition kurz dargestellt und die Ausschussmitglieder dürfen Nachfragen stellen.

Die Zahlen sprechen für sich: Seit 2000 sind durchschnittlich pro Jahr knapp 80 Hallen- und Freibäder geschlossen worden. Im Januar 2000 gab es bundesweit noch 7800 Schwimmbäder. Ende 2018 waren es nur noch 6400 - ein Minus von 1400 Bädern in 18 Jahren.

Bundespetitionsausschuss berät über Rettung der Schwimmbäder
tagesschau 12:00 Uhr, 09.12.2019, Kerstin Palzer, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Gewaltiger Investitionsrückstand

Die Gründe sind von Ort zu Ort unterschiedlich, aber eins haben fast alle Schließungen gemeinsam: Es fehlt an Geld. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beziffert den Investitionsrückstand der Kommunen auf rund 138 Milliarden Euro. Schulgebäude und Straßen sind die größten Einzelposten. Der Erhalt von Schwimmbädern hat da für viele Städte und Gemeinden keine Priorität - es wird sein gelassen, was nicht unbedingt notwendig ist.

So entstand der Sanierungsstau. Viele Bäder wurden in den 1960er-Jahren gebaut. Die Installationen sind heute oft marode, entsprechen nicht modernen hygienischen und energetischen Vorgaben. Die Bäderallianz Deutschland, in der neben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) die Sport- und Betreiberverbände zusammengeschlossen sind, schätzt den kurzfristigen Investitionsbedarf auf 4,5 Milliarden Euro, langfristig seien 14 bis 15 Milliarden notwendig.

Blick auf die Ruine des Schwimmbads ins Duisburg | Bildquelle: WDR
galerie

Der Unterhalt für Schwimmbäder ist teuer, für Renovierungen fehlt den Kommunen oft das Geld. In Duisburg ist von diesem Schwimmbad nur noch eine Ruine übrig.

Ein "Goldener Plan" soll her

Die DLRG fordert daher einen "Goldenen Plan" wie Ende der 1950er-Jahre in Westdeutschland. Damals waren sich Bund, Länder und Kommunen einig, dass es im Hinblick auf Olympische Spiele an Sportstätten, insbesondere an Schwimmbädern, mangelte. Anfang der 1990er-Jahre gab es wieder einen "Goldenen Plan", diesmal für Sportstätten in Ostdeutschland. Solch einen Plan fordert die DLRG nun wieder von der Politik. "Wir dürfen die Kommunen dabei nicht allein lassen", sagt Achim Wiese, Sprecher der DLRG.

Das bekräftigt auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg: "Ich erwarte, dass sich Bund und Länder auf ein Investitionsprogramm für Schwimmbäder einigen und die Kommunen diese Mittel dann auch problemlos abrufen können." Schwimmen dürfe nicht zum Luxus werden.

Schwimmen sollen alle lernen können

Und eine Privatisierung sei keine Alternative: "Schwimmbäder sind Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge. Natürlich können sie auch als Privater ein Schwimmbad betreiben, aber sie machen nur Verlust. Auf jede Karte legen wir etwa zehn Euro drauf. Das heißt, ein normales Schwimmbad kann man nicht mit Gewinn bewirtschaften. Und deswegen ist das auch eine öffentliche Aufgabe."

Bislang hat der Haushaltsausschuss des Bundestags erst 110 Millionen Euro für Schwimmbadsanierungen bewilligt. Die DLRG hofft mit ihrer Petition zu erreichen, dass die Summe deutlich aufgestockt wird und wieder eine ähnliche Bau- und Instandsetzungswelle durchs Land geht wie vor 30 und vor 60 Jahren - damit bald wieder mehr Kinder, Jugendliche und Erwachsene sicher schwimmen lernen können.

Blick von oben in ein großes Schwimmbad mit schwimmenden Menschen bei sommerlichem Wetter.
galerie

Damit die verbleibenden 6400 Schwimmbäder - wie hier in Großröhrsdorf (Sachsen) - alle erhalten bleiben können, sind Milliardeninvestitionen nötig.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 09. Dezember 2019 um 05:39 Uhr im ARD-Morgenmagazin.

Darstellung: