Dreyer, Schwesig, Schäfer-Gümbel Diese Drei sollen es vorerst richten

Stand: 03.06.2019 16:50 Uhr

Ein Hesse kurz vor dem Rückzug aus der Politik, eine bekennende Feministin aus der Pfalz und eine durchsetzungsstarke Brandenburgerin - das ist das Trio, das die SPD übergangsweise aus dem Chaos führen soll. Drei Kurzporträts:

Malu Dreyer

Die Sozialdemokratie war Malu Dreyer nicht in die Wiege gelegt. Der Vater der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin war Schulleiter und überzeugter CDU-Anhänger. Bei der Geburt in Neustadt an der Weinstraße erhielt sie den Namen Marie-Luise, was in der Pfalz traditionell zu Malu verkürzt wird.

Malu Dreyer | Bildquelle: FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX
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Malu Dreyer führt seit 2016 die Mainzer Ampel-Koalition mit Grünen und FDP.

Nach einem Jura-Studium in Mainz wurde sie Staatsanwältin, Bürgermeisterin von Bad Kreuznach, Sozialdezernentin von Mainz und 2002 Sozialministerin. Als der damalige Ministerpräsident Kurt Beck nach 18 Jahren Amtszeit in Bedrängnis geriet, bestimmte er Dreyer 2013 zur Nachfolgerin: Sie wurde erste weibliche Regierungschefin von Rheinland-Pfalz.

Dreyers größter Erfolg war im März 2016 die Bestätigung in der Landtagswahl gegen die CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner. Mit FDP und Grünen führt Dreyer eine betont harmonisch agierende Ampelregierung. Der bekennenden Katholikin und Feministin sind neben sozialer Gerechtigkeit auch Gesundheitsthemen ein Anliegen. Mit ihrer Krankheit Multiple Sklerose geht die 58-Jährige offen um. "MS bestimmt nicht mein Leben", sagt sie. Seit der Wahl zur stellvertretenden SPD-Vorsitzenden ist Dreyer häufig in Berlin.

Thorsten Schäfer-Gümbel

Hessens Partei- und Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel gilt als zäh, prinzipientreu und konsequent. Der 49-Jährige schaffte es als politischer No-Name, den zerstritten Landesverband nach dem Fiasko um seine Vorgängerin Andrea Ypsilanti zusammenzuschweißen. Ypsilanti war 2008 mit dem Vorhaben gescheitert, sich trotz gegenteiligen Versprechens mit Hilfe der Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen.

Thorsten Schäfer-Gümbel | Bildquelle: dpa
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Große politische Erfolge blieben Thorsten Schäfer-Gümbel verwehrt.

Politisch kommt Schäfer-Gümbel, den alle nur TSG nennen, aus dem linken Flügel der SPD. Er wurde in einem Arbeiterhaushalt groß: Sein Vater fuhr Lastwagen, die Mutter arbeitete als Putzhilfe. Als einziges der vier Kinder machte er Abitur und studierte Politologie. Mit 33 Jahren zog Schäfer-Gümbel in den hessischen Landtag ein, wurde Berufspolitiker und stieg auf Bundesebene zum Vize-Parteichef auf.

Dreimal versuchte Schäfer-Gümbel, Regierungschef von Hessen zu werden - ohne Erfolg. Nun macht er den den Weg für einen Nachfolger frei. Zum 1. Oktober wechselt Schäfer-Gümbel als Arbeitsdirektor zur Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Dafür legt der hochgewachsene Gießener im Herbst alle politischen Ämter nieder.

Manuela Schwesig

Manuela Schwesig ist beides: eine politische Spätzünderin und eine Schnellstarterin. Schwesig wurde 1974 in Frankfurt (Oder) geboren. Im Land Brandenburg verlebte sie auch ihre Kindheit, legte das Abitur ab und absolvierte ihr Studium zur Diplom-Finanzwirtin. Erst mit 29 Jahren trat sie in die SPD ein, nur sechs Jahre später - 2009 - war die Finanzbeamtin, damals Sozialministerin in Mecklenburg-Vorpommern, bereits als eine Hoffnungsträgerin der Ost-SPD zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden aufgestiegen. 2013 wechselte sie als Familienministerin der Großen Koalition nach Berlin.

Manuela Schwesig
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Manuela Schwesig gilt als Hoffnungsträgerin der SPD - insbesondere im Osten.

Schwesig gilt als diszipliniert, durchsetzungsstark und ehrgeizig, kommt dabei aber nicht verbissen rüber. Ein weiteres Merkmal Schwesigs: Sie versucht, mit verständlicher Sprache Politik zu erklären. "Für mich ist es wichtig, dass Ergebnisse bei den Menschen ankommen und die die Menschen auch verstehen", sagt die 45-Jährige.

2017 kehrte die zweifache Mutter zurück in die Landespolitik. In Mecklenburg-Vorpommern übernahm sie vom erkrankten Erwin Sellering auf dessen Wunsch das Amt der Ministerpräsidentin. Doch auch in ihrer neuen Funktion bleibt sie bundespolitisch aktiv und tritt dabei vorrangig als Fürsprecherin für die Interessen der Ostdeutschen in Erscheinung. Schwesig ist noch immer eine Hoffnungsträgerin der SPD, nun aber der gesamten krisengeschüttelten Partei.

Mit Informationen von Dagmar Pepping, ARD-Hauptstadtstudio / dpa

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Juni 2019 um 17:00 Uhr.

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