Zwei Wildschweine in einem Wald in Bayern | dpa

Fälle im Westen Polens Die Schweinepest kommt näher

Stand: 03.01.2020 15:39 Uhr

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich weiter aus. In Polen wurden acht tote Tiere gefunden - in einem Fall nur 21 Kilometer von Deutschland entfernt. Damit rückt die Seuche näher.

Von Birgit Schmeitzner, ARD-Hauptstadtstudio

Mit Sorge sieht das Bundeslandwirtschaftsministerium, dass die Schweinepest näher an Deutschland heranrückt. Das Friedrich-Löffler-Institut spricht inzwischen von einem "hohen Risiko", dass Wildschweine von Polen aus nach Deutschland kommen und die Schweinepest einschleppen. Nach Angaben des Ministeriums war ein positiv getesteter Kadaver nur 21 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt gefunden worden.

Birgit Schmeitzner ARD-Hauptstadtstudio

Als Vorsichtsmaßnahme werden bereits mobile Elektrozäune installiert. In Brandenburg ist man damit nach Angaben eines Sprechers des Landkreises Spree-Neiße fast fertig. Das ostdeutsche Bundesland hat außerdem die Jagd auf Wildschweine verstärkt. Bundesweit ist zudem die Jagd mit Nachtsichtgeräten mittlerweile erlaubt.

Unachtsamkeit als Risikofaktor

Die größte Gefahr bei der Verbreitung der Tierseuche geht vom Menschen aus. Er kann zum Beispiel mit dem Auto über große Strecken hinweg kontaminierte Wurst- und Fleischwaren transportieren. Schon ein achtlos weggeworfenes Wurstbrot an einem Rastplatz kann somit zu einer Gefahr werden.

Vor Jahren begann deswegen eine Aufklärungskampagne: An Autobahnen und Landstraßen im grenznahen Bereich zu Polen und Tschechien wurden Schilder aufgestellt. In mehreren Sprachen werden Reisende, Fernfahrer und Erntehelfer aufgefordert, Speisereste nur in verschlossene Müllbehälter zu werfen und so zu verhindern, dass ein Wildschwein an die Reste herankommt und sich infizieren kann. Dazu kommen Handzettel und Broschüren, die an Raststätten und in Zügen verteilt wurden.

Warnung vor Schweinepest | dpa

Warnung vor der Schweinepest auf einem Autobahnparkplatz in Mecklenburg-Vorpommern Bild: dpa

Keine Therapiemöglichkeit

Die Afrikanische Schweinepest ASP ist eine schwere Virusinfektion. Es gibt weder Impfung noch Therapie, infizierte Haus- und Wildschweine verenden in der Regel. Das Virus ist widerstandsfähig und lange ansteckend. In Rohwurst, Schinken und Gefrierfleisch kann sich der Erreger Monate bis sogar Jahre halten. Für Menschen stellt das Virus keine Gefahr dar.

Ein Ausbruch der Schweinepest hierzulande hätte gravierende wirtschaftliche Folgen. Drittländer wie China würden in einem solchen Fall ihre Schweinefleisch-Importe stoppen, weil Deutschland dann nicht mehr den Status "seuchenfrei" hätte. Auf Höfen mit ASP müssten die Hausschweine gekeult, also getötet werden. Dafür bekämen die Hofbesitzer eine Entschädigung von der Tierseuchenkasse. Anders sähe es allerdings für Schweinebauern aus, deren Betrieb lediglich im vorgeschriebenen Sperrbezirk liegt. Sie könnten ihre schlachtreifen Tiere nicht verkaufen und bekämen auch kein Geld von der Tierseuchenkasse.

Der Weg der Schweinepest

Die Tierseuche wurde aus Afrika eingeschleppt und breitet sich seit einigen Jahren über Russland und das Baltikum in Richtung Westeuropa aus. Tschechien hatte im Sommer 2017 einige Fälle, gilt aber seit gut einem Jahr wieder als ASP-frei. Im Dreiländereck Frankreich-Luxemburg-Belgien wurden im Herbst 2018 infizierte Wildschweine gefunden, den belgischen Behörden gelang es aber bisher, ein Ausbreiten zu verhindern.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Januar 2020 um 14:38 Uhr.

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KOMMENTARE

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spetzki 03.01.2020 • 22:43 Uhr

@ tettigonia: Na deswegen doch Nachtsichtgeräte

Wenn man nachtaktive Wildschweine in Zukunft effektiver durch die nächtliche Ansitzjagd dezimieren kann braucht es weniger Bewegungsjagden. Die Jägerschaft schürt gar nichts. Jäger gibt es viel zu wenige, die haben keine Lobby. Was glauben Sie warum denen alle paar Jahre neue sinnlose Waffengesetzverschärfungen vor den Latz geknallt werden? Die Landwirtschaftlobby ist mächtig. Und dort sorgt man sich um den Fleisch-Export. Die Jäger wollen schon lange Nachtsichtgeräte, denn vor allem durch den verstärkten Maisanbau steigen die Wildschweinbestände vielerorts seit Jahren stark an. Da hat sich politisch gar nichts bewegt! Das interessierte keinen. Aber kaum spricht die Bauernlobby, schon ist die Politik begierig drauf zu wissen, was denn die Jägersleut alles brauchen könnten für eine effektivere Sauenjagd. Außerdem: Bei Drückjagden schont man die Leitbache, um die Rotte eben nicht zu sprengen. Und - generelle Seuchenregel: Je höher die Wilddichte desto effektiver die Ausbreitung.