Ein Wildschwein durchs Nachtsichtgerät gesehen | Bildquelle: Christine Schneider /BR

Was tun gegen Schweinepest? Jäger streiten über Maßnahmen gegen Seuche

Stand: 24.03.2018 03:27 Uhr

In Osteuropa breitet sich die afrikanische Schweinepest aus. Deutschland blieb bislang verschont, aber auch hierzulande wird bereits hitzig darüber diskutiert, was man tun kann.

Von Christine Schneider, BR

Stefan Scherbel ist Jäger im Frankenwald im Landkreis Kronach. Wenn er abends auf Wildsaujagd geht, spannt er ein Nachtsichtgerät auf sein Gewehr, vor das Zielfernrohr. Seit einem Jahr schießt Scherbel mit einer Ausnahmegenehmigung des Landratsamtes. Sein Fazit: "Ich habe mehr Sicherheit, ich sehe besser, was ich schieße. Seitdem wir die Nachtzieltechnik nutzen, haben wir keine einzige Nachsuche gehabt. Das Wild ist verendet im Schussknall. Es fällt auf der Stelle um. Das ist waidgerechter."

Über Jägerkreise hinaus wird diese Nachtsichttechnik derzeit diskutiert, weil sie eine Möglichkeit ist, der afrikanischen Schweinepest Herr zu werden. Die Tierseuche, die unter anderem von Wildschweinen übertragen wird, grassiert bis jetzt in Osteuropa, aber die Landwirte hierzulande fürchten bereits um ihr Vieh - und ihr Einkommen. Daher beraten Politik, Jäger und Bauern über präventive Maßnahmen.

Jäger mit Nachtsichtgerät | Bildquelle: Christine Schneider / BR
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Jäger mit Nachtsichtgerät: Die Technik ist in Deutschland nur in Ausnahmefällen erlaubt

Umstrittene Waffentechnik

Mehr Schweine zu schießen - wie unlängst vom Bauernverband gefordert - wäre so eine präventive Möglichkeit. Und da kommt Stefan Scherbels Nachtsichtgerät ins Spiel: Denn ohne die Technik ist in der Morgen- und Abenddämmerung oder bei Mondlicht längst nicht jeder Treffer tödlich.

Einen Haken aber hat die Technik: Bis zu 10.000 Euro kosten Nachtsichtgeräte. Vielen Jägern ist das zu teuer. Und der Bayerische Jagdverband lehnt Nachtsichtgeräte grundsätzlich ab, weil die nächtliche Jagd nicht waidgerecht sei. Bejage man die Tiere rund um die Uhr, degradiere man sie zu Ungeziefer, das man ausrotten müsse.

Nachtzielgeräte sind laut Waffengesetz in Deutschland ohnehin für die Jagd verboten. Doch der Vollzug des Waffengesetzes ist nach Artikel 83 des Grundgesetzes Angelegenheit der Länder. In Bayern gibt es Ausnahmeregelungen - im Gegensatz zu anderen Bundesländern wie Niedersachsen oder Thüringen. Doch auch in Bayern sind die Regelungen regional begrenzt.

Wildschweinrudel | Bildquelle: dpa
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Sorgen für hitzige Debatten: Wildschweine können die afrikanische Schweinepest übertragen.

Was nützen andere Methoden?

Auch andere Methoden, der Wildschweinplage Herr zu werden, sind unter Jägern umstritten. So lehnen manche Jäger eine Aufhebung der Schonzeiten kategorisch ab. Denn ein Muttertier zu schießen und dann die Frischlinge verhungern zu lassen, verstoße gegen das Tierschutzgesetz.

Auch die Aufstellung von sogenannten Saufängen ist umstritten. Die Wildschweine werden in diese Fallen gelockt und dann erschossen. Für die Tiere bedeutet das nach Ansicht der Kritiker Panik und Stress. Befürworter dagegen betonen, es gäbe unzählige wissenschaftliche Untersuchungen, dass ein Saufang genauso tierschutzgerecht sei wie jede Drück- und Treibjagd.

Helfen Zäune?

In Tschechien, wo die Schweinepest bereits ausgebrochen ist, hat man Sperrgebiete errichtet und diese mit Elektrozäunen abgesichert. Innerhalb dieser Gebiete lässt man die infizierten Wildschweine verenden und hofft, die Seuche damit einzudämmen. In Polen will man einen Zaun zu Weißrussland bauen, um Wildschweine abzuhalten. Und auch Dänemark hat angekündigt, an der Grenze zu Schleswig-Holstein einen Zaun zu errichten. Obwohl von Deutschland bisher gar keine Gefahr ausgeht.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. März 2018 um 06:38 Uhr.

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