Schwangere hält sich den Bauch | picture alliance / dpa

Schwere Covid-Erkrankungen am UKE Ärzte plädieren für Impfung von Schwangeren

Stand: 03.05.2021 11:28 Uhr

"Das ist ein neues Phänomen": Am Hamburger Universitätsklinikum häufen sich die Fälle schwer erkrankter schwangerer Corona-Patientinnen. Mediziner fordern deshalb, Schwangere gegen das Virus zu impfen.

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) versorgen Intensivmediziner zunehmend an Covid-19 erkrankte Schwangere. Allein in den vergangenen zwei Wochen habe es fünf solcher Fälle gegeben, sagte der Direktor der Klinik für Intensivmedizin am UKE, Stefan Kluge, der Nachrichtenagentur dpa.

In diesem Jahr habe es bereits sieben solcher Fälle am UKE gegeben. Im gesamten Vorjahr musste dort nur eine schwer an Covid-19 erkrankte Schwangere versorgt werden, so Kluge. Mit zunehmender Virusverbreitung bei jüngeren Menschen und Kindern häuften sich auch solche, an sich seltenen Verläufe.

Schwangere mit höherem Risiko für schweren Verlauf

"Diese Fälle sind besonders dramatisch. Wir sollten in Deutschland unbedingt auch Schwangere impfen." Das sei auch die Einschätzung im Kollegenkreis. Schwangere hätten ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf, wenn sie sich mit Sars-CoV-2 infizieren. Bei ihnen sei das Immunsystem generell etwas herabgesetzt und die Sauerstoffaufnahme reduziert.

"Wir sehen diese Fälle nun häufiger, das ist ein neues Phänomen", sagte Kluge. Das liege auch an der Variante B.1.1.7, die deutlich ansteckender ist und im Verdacht steht, schwerere Krankheitsverläufe zu verursachen: "Deutschlandweit haben wir mittlerweile viel mehr Infektionen bei Jüngeren unter 50 Jahren, auch bei Kindern."

Bisher keine Impfempfehlung der STIKO

Ein Teil der Frauen habe sich wahrscheinlich bei den eigenen Kindern angesteckt, so Kluge. Meist sei die ganze Familie positiv. Die betroffenen Patientinnen seien Frauen um die 30, die im Regelfall keinerlei Vorerkrankungen hätten. "Diese Frauen stehen mitten im Leben. Für die behandelnden Teams sind diese Fälle sehr belastend", sagte der Intensivmediziner. Die Frauen seien meistens im dritten Trimester der Schwangerschaft. Teils stünden Ärzte und Pflegekräfte vor der Frage, ob und wann das Kind entbunden werden müsse. Auch die Gabe von Medikamenten sei bei Schwangeren natürlich ein heikles Thema.

Eine Impfung gegen Covid-19 wird Schwangeren in Deutschland bislang nicht generell empfohlen. Bei Vorerkrankungen etwa ist es aber möglich, "nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung", wie es in der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) heißt.

Kluge: "Das Risiko ist nicht Null, aber der Nutzen ist größer"

Nach Kluges Einschätzung werden Schwangere hierzulande aber bisher kaum geimpft, auch aus Angst vor etwaigen Folgen. Kluge betonte: "Das Risiko der Impfung ist nicht Null, aber der Nutzen ist größer." Er appellierte an Schwangere, die Verhaltensregeln zum Schutz vor einer Ansteckung besonders strikt einzuhalten und eine Impfung gemeinsam mit dem Arzt in Erwägung zu ziehen, der Partner solle möglichst ebenfalls geimpft sein.

In mehreren anderen Ländern werden mRNA-Impfstoffe bei Schwangeren eingesetzt und die Impfung empfohlen. Beim Grippeschutz gehören Schwangere zu den Gruppen, bei denen die STIKO die Impfung empfiehlt.

Eine Impfung aller Schwangeren wäre "äußerst sinnvoll", erklärte auch der Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, Christian Albring, vor einigen Tagen. "Daten aus den USA und Großbritannien lassen erwarten, dass auch die STIKO, in absehbarer Zeit die Impfung Schwangerer propagieren wird." Bei den erkrankten Schwangeren zeige sich ein Anstieg von Tot- und Frühgeburten und eine erhöhte Rate an Kaiserschnitten. "Eine von 25 erkrankten Schwangeren muss intensivmedizinisch behandelt werden. Wird hier eine Beatmung notwendig, so liegt die Sterblichkeit bei zwei Prozent", so Albring.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Mai 2021 um 09:05 Uhr in den Nachrichten.