SPD-Politiker Martin Schulz | Bildquelle: dpa

Schulz blickt zurück "Ich war ein glückloser Parteiführer"

Stand: 24.03.2018 17:18 Uhr

"Ich habe dumme Fehler gemacht", sagt der frühere SPD-Chef Schulz in einem neuen Buch. Er habe den Schwenk zur Großen Koalition anfangs nicht gewollt - und sei dann zum Sündenbock gemacht worden.

Der ehemalige SPD-Chef Martin Schulz hat rückblickend schwere Fehler in den Monaten nach der Bundestagswahl eingeräumt. Zugleich sehe er sich jedoch als "Sündenbock für alles, was die Partei seit Jahren falsch gemacht hat", sagte der frühere Kanzlerkandidat dem "Spiegel"-Autor Markus Feldenkirchen laut einem Vorabdruck von dessen in Kürze erscheinendem Buch "Die Schulz-Story".

"Ich bin nicht politisch gescheitert"

"Ich war ein glückloser Parteiführer", sagte Schulz. "Ich glaube, ich bin nicht politisch gescheitert, aber sicher teilweise an den Strukturen der Partei zerschellt." Parteiintern habe es eine Strategie der langsamen Zermürbung gegeben. "Ich habe dumme Fehler gemacht und mich damit auch meinen Gegnern ausgeliefert", sagte Schulz.

Als zentrales Element seines Scheiterns wertete er den Schwenk von der Entscheidung des Wahlabends, in die Opposition zu gehen, hin zum Eintritt in die Große Koalition - einschließlich seines Entschlusses, das Amt des Außenministers zu beanspruchen. Er selbst hatte nach der Wahl ausdrücklich erklärt: "In eine Regierung von Angela Merkel werde ich nicht eintreten." Seiner Darstellung zufolge sagte er das für seine Partei, um als Vorsitzender keinen Zweifel an der Entscheidung der SPD gegen eine Neuauflage der Großen Koalition aufkommen zu lassen.

"Da hätte ich zurücktreten müssen"

"Ich habe das falsch eingeschätzt mit dieser Glaubwürdigkeitslücke. Komplett falsch eingeschätzt", sagte Schulz nun. Er selbst habe den späteren "Schwenk" zunächst nicht gewollt, sagte Schulz. Als die Sondierungen von Union, Grünen und FDP scheiterten, appellierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aber an die SPD, die den Gang in die Opposition noch einmal zu überdenken. "Wenn der Bundespräsident dich zu sich zitiert, kannst Du ja nicht Nein sagen oder zurücktreten", sagte Schulz. Seine Disziplin sei ihm zum Verhängnis geworden. "Da hätte ich zurücktreten müssen", meint er rückblickend, "zu dem Zeitpunkt hätte ich gehen müssen".

Merkel, Schulz und Seehofer | Bildquelle: dpa
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Schulz setzte gegenüber CDU-Chefin Merkel und CSU-Chef Seehofer wichtige Punkte in den Koalitionsverhandlungen mit durch - scheiterte dann aber am parteiinternen Widerstand gegen seinen Wunsch, das Amt des Außenministers zu übernehmen.

Als die SPD sich dann für Koalitionsverhandlungen und später für die Koalition mit CDU und CSU entschied, beanspruchte Schulz das Außenministerium für sich und teilte Amtsinhaber Sigmar Gabriel in einem Gespräch diesen Entschluss mit. In der Partei regte sich innerhalb kurzer Zeit so heftiger Protest gegen Schulz' Entscheidung, dass er nicht nur seine Ambitionen auf das Auswärtige Amt begraben musste, sondern auch als SPD-Chef zurücktrat.

"Ob ich jemals wieder fit werde, weiß ich nicht"

"Die ganze Empörung über meinen Wunsch, Außenminister zu werden, lag wahrscheinlich daran, dass viele an der Parteibasis in mir einen untypischen Politiker gesehen haben und dann eben schockiert waren, dass ich einen typischen Politikerschritt mache." Jedem anderen wäre das seiner Meinung nach vermutlich verziehen worden. "Mir nicht." Das habe er falsch eingeschätzt - auch weil er es mit Blick auf die Kehrtwende "für unlogisch gehalten habe, dass eine Partei einen Schritt macht, aber ihr Parteivorsitzender den Schritt nicht mitmachen darf".

Schulz macht in seinen Aussagen auch deutlich, wie kräftezehrend das Jahr als SPD-Chef und Kanzlerkandidat für ihn war. Er sei unfassbar müde. "Ob ich jemals wieder fit werde, weiß ich nicht. Ich glaube, ich brauche ein halbes Jahr, um wieder zu Kräften zu kommen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. März 2018 um 13:00 Uhr.

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