Stühle stehen in einer Schule auf den Tischen. | Bildquelle: dpa

Rektorenmangel in Deutschland Schulleiter dringend gesucht

Stand: 15.12.2019 13:45 Uhr

In Deutschland werden Schulleiter händeringend gesucht. Laut einer Umfrage sind an mehr als 1000 öffentlichen Schulen die Rektorenposten unbesetzt. Betroffen sind vor allem Grundschulen.

Viele Schulleiterposten an deutschen Schulen sind frei, aber keiner will sie. Bundesweit sind an mehr als 1000 öffentlichen Schulen die Rektorenposten vakant. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den Bildungsministerien zahlreicher Länder. Betroffen sind vor allem Grundschulen. Wo die Rektoren fehlen, werden in der Regel Lehrkräfte kommissarisch als Chefs eingesetzt.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen waren laut der Statistik des Schulministeriums Anfang August 457 Schulleiterposten nicht besetzt, davon allein an 250 an Grundschulen. Das ist etwa jede zehnte Grundschule. Hinzu kommen 482 vakante Konrektorenstellen.

In ländlichen Regionen schwieriger

In Niedersachsen sind demnach an mehr als 170 von etwa 2800 Schulen die Rektorenposten verwaist - allein 98 davon an Grundschulen. "Es ist insbesondere an kleineren Schulen in ländlichen Regionen schwieriger, Schulleitungsstellen zu besetzen", sagt Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD).

In Baden-Württemberg waren Mitte November landesweit fast 250 Schulleiterstellen vakant - davon mehr als 150 an Grundschulen. In 84 Fällen liefen laut Kultusministerium allerdings die Besetzungsverfahren. In der Hauptstadt Berlin sind 35 Schulen ohne Leiter - Tendenz steigend.

Grundschule | Bildquelle: dpa
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Besonders in Grundschulen sind viele Schulleiterposten nicht besetzt.

Angespannt ist die Lage auch im Osten Deutschlands. In Sachsen wurden zur Jahresmitte laut Kultusministerium 94 Schulen kommissarisch geleitet, davon 62 Grundschulen. In Sachsen-Anhalt haben laut Bildungsministerium neun Prozent aller Schulen keine Leitung. In Brandenburg haben es besonders Schulen fern von Berlin mit Neubesetzungen schwer.Teilweise müssten Stellen mehrfach ausgeschrieben werden, weil keine Bewerbungen vorlägen, hieß es im Bildungsministerium in Potsdam.

In Bayern ist Schulleiter-Mangel kein Thema

In Bayern ist Schulleitermangel nach Darstellung des Kultusministeriums dagegen kaum ein Thema. Weniger als ein Prozent der Leiterstellen seien dort unbesetzt.

Einen Grund für den Mangel an Rekoren sieht Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) in der Bezahlung: Gerade in Grundschulen sei diese gegenüber normalen Lehrern nicht besonders attraktiv. Auch die Zeit für Verwaltungsarbeit reiche oft nicht aus. "Das größte Problem für die Schulleiter ist aber im Moment der Lehrermangel", sagt Beckmann. Viele wünschten sich ein Team, zumindest einen Konrektor, mit dem sie die Arbeit teilen könnten.

Anforderungen "enorm gewachsen"

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, spricht von einem deutlichen Rückgang an Bewerbern. "Schulleitung in Zeiten von Lehrermangel ist noch mal ein deutlich undankbareres Geschäft geworden." Auch das Prestige sei nicht mehr so hoch wie einst. Die Anforderungen seien dagegen "enorm gewachsen".

Auch er sieht das Finanzielle als Problem: Der Job sei deshalb oft "nicht so interessant". An Schulen liege manchmal nur eine Gehaltsstufe zwischen Lehrer- und Rektorengehalt, was vielleicht 500 Euro brutto ausmache. Außerdem werde die Schülerschaft schwieriger und die Eltern seien "anspruchsvoller geworden", sagt Meidinger.

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