Grundschulklasse | Bildquelle: dpa

Pläne für Schulen Ministerin sieht Regelbetrieb skeptisch

Stand: 21.06.2020 11:40 Uhr

Die Kultusminister wollen eine Rückkehr in den normalen Schulbetrieb nach den Ferien. Auch die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten sind dafür. Doch Bildungsministerin Karliczek hat Zweifel.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hält die vollständige Rückkehr zu einem normalen Schulbetrieb nach den Sommerferien noch längst nicht für gesichert. "Das Virus ist nicht weg, und wir müssen immer wieder damit rechnen, dass Schulen geschlossen werden müssen, wenn sich dort jemand infiziert hat", sagte die CDU-Politikerin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Wie fragil die Situation sei, zeige sich gerade in Nordrhein-Westfalen. "Wir müssen weiter mit Umsicht handeln."

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Bildungsministerin Karliczek hält die Situation an den Schulen für fragil.

"Homeschooling hat klare Grenzen"

Am Donnerstag hatten die Kultusminister der Länder beschlossen, dass die Schulen nach den Sommerferien wieder vollständig öffnen und in den Regelbetrieb zurückkehren sollen. Sie streben dabei auch eine Aufhebung der Abstandsregel an - sofern es das Infektionsgeschehen zulasse. Zuvor hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder ihre Zustimmung für eine Rückkehr in den Schulregelbetrieb gegeben.

Karlizcek sagte nun, sie hoffe sehr, dass das Infektionsgeschehen diese Entwicklung zulasse. Die vergangenen Wochen hätten gezeigt, wie wichtig der regelmäßige und persönliche Kontakt zwischen Schülern und Lehrern sei. Homeschooling habe "ganz klare Grenzen". Der Präsenzunterricht behalte seine Bedeutung. "Aber Schule und Unterricht werden insgesamt digitaler."

Lehrer kritisieren Schulöffnungen

Zuvor hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) den Beschluss der Kultusminister kritisiert. Auf das Abstandsgebot zu verzichten, sei der falsche Weg, sagte die Gewerkschaftsvorsitzende Marlis Tepe. "Solange die Abstandsregeln - aus guten Gründen - in der Gesellschaft eingehalten werden müssen, muss dies auch in der Schule gelten."

Auch der Lehrerverband hatte den Schritt als "voreilig" kritisiert. "Da machen die Kultusminister den zweiten Schritt vor dem ersten", sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, der "Augsburger Allgemeinen". Man hätte zunächst "ganz klar verantwortbare Bedingungen schaffen" und danach erst die Rückkehr zum Regelbetrieb ankündigen müssen, sagte Meidinger.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juni 2020 um 08:00 Uhr.

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