Schüler sitzen in einem Klassenraum, während die Lehrerin etwas an die Tafel schreibt. | dpa

Bildungspolitik Schüler und Kinder zuletzt

Stand: 30.05.2021 02:15 Uhr

Nach dem Impfgipfel ist erneut klar geworden: Kinder und Jugendliche stehen trotz aller Bekundungen der Politik nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Sowohl beim Impfen, auch beim Thema Bildung gibt es noch viel zu tun. 

Von Moritz Rödle, ARD-Hauptstadtstudio

Die Schule an der Jungfernheide in Berlin. Wie in der Hauptstadt üblich, läuft der Unterricht auch hier immer noch im sogenannten Wechselmodell. Nur die Hälfte der Schülerinnen und Schüler kommt zur Schule, der Rest lernt zu Hause. Wöchentlich wird gewechselt.

Moritz Rödle ARD-Hauptstadtstudio

In einer siebten Klasse lässt sich beobachten, was das bedeutet. Von den 20 Schülerinnen und Schülern, die normalerweise zur Klasse gehören, sind heute zehn anwesend. In dem kleinen Klassenraum hat man trotzdem nicht das Gefühl, dass irgendjemand fehlt. Im Unterricht tragen die Schülerinnen und Schüler Maske. Manche stört das mehr, manche weniger.

Im Gespräch wird klar: Die Kinder haben sich mit der Situation arrangiert, glücklich sind sie damit aber nicht. Zu Hause lernen sei wie Hausaufgaben machen, erzählt Fin aus der ersten Reihe. Das sei ja nicht wirklich Schule, dafür brauche es doch Lehrer, die da seien und Neues beibrächten.

Sorgen um Noten und die Zukunft

Man merkt, dass die Schülerinnen und Schüler sich unfair behandelt fühlen. Die 13-jährige Jördis sagt, sie verstehe nicht, warum jeder mit einem Corona-Test in eine Kneipe dürfte, sie aber nicht immer in die Schule könne, obwohl alle negativ getestet seien. Fast alle Schülerinnen und Schüler berichten hier, dass sie sich Sorgen um ihre Zeugnisnoten machen und damit auch um ihre eigene Zukunft.

Und diese Sorge ist wohl nicht ganz unberechtigt. Der Bildungsforscher Klaus Hurrelmann sagt, rund ein Drittel der Schülerinnen und Schüler in Deutschland hätten unter den schulischen Einschränkungen während Corona so gelitten, dass sie beispielsweise Lerndefizite aufgebaut hätten. Dafür gebe es unterschiedliche Gründe. "Da fehlten die häuslichen Bedingungen, teilweise auch der schulische Kontext, die Struktur des Tages ist weggefallen. Damit sind diese Kinder nicht zurechtgekommen", erklärt Hurrelmann.

Zweifellos gebe es aber auch Gewinner. Ein Teil der Schülerinnen und Schüler habe sich beim Alleinlernen besser entwickelt als in der Schule. Um die Defizite der anderen auszugleichen, schlägt der Bildungsforscher vor, sich an der Impfkampagne zu orientieren. Es brauche bei den Aufholbemühungen eine Priorisierung. Schulen, die schon vor Corona bekannterweise größere Probleme hatten, bräuchten jetzt noch mehr Aufmerksamkeit. Zum Beispiel durch Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter.

Gemeinschaftsgefühl stärken - Schule positiv besetzen

Eine von ihnen ist Vivien Dahlem. Sie arbeitet an einer Schule im Saarland. Man müsse den Unterricht wieder positiv besetzen, um aus dem Corona-Tal herauszukommen sagt sie. In Saarbrücken versuche sie, jederzeit Freiräume zu schaffen, um mit den Kindern auch schöne Dinge zu erleben. "Raus gehen, auch mal frische Luft schnappen und den Kindern zeigen, wie man sinnvolle Tagesstrukturen erarbeiten und auch durchhalten und umsetzen kann."

Ähnlich sieht das auch die Schulleiterin der Schule an der Jungfernheide in Berlin. Sie sagt, sie würde sich wünschen, dass die Schülerinnen und Schüler nach den Ferien erstmal eine gemeinsame Klassenfahrt machen könnten. Das stärke das Gemeinschaftsgefühl. Die Mittel dafür sollten idealerweise vom Bund kommen.

Dieses Geld gibt es zwar, aber nur begrenzt. Zwei Milliarden Euro stehen aus dem sogenannten Corona-Aufholpaket zur Verfügung. Das reicht aber wohl gerade mal für die erste Monate. Aus den Ländern kommen schon die ersten Forderungen nach weiteren Mitteln.

Die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot sagt dem ARD-Hauptstadtstudio: "Wir werden nicht über die Ferien oder über das kommende Schuljahr hinweg alle Probleme, die sich in den letzten Monaten aufgestaut haben, erledigen können. Das heißt, das Geld muss jetzt zum einen schnell fließen, aber wir brauchen direkt unmittelbar danach auch einen Dialog mit dem Bund, wie wir viele dieser Programmansätze, die wir hier im Land umsetzen, auch dauerhaft finanzieren können."

Dieses und weitere Themen sehen Sie im Bericht aus Berlin um 18:15 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 30. Mai 2021 um 18:50 Uhr im "Bericht aus Berlin".