Ein Kantinenmitarbeiter füllt einen Teller auf | Bildquelle: dpa

Verpflegung in der Schule Gesünder für ein paar Cent mehr?

Stand: 06.11.2018 14:14 Uhr

Lecker soll Schulessen sein. Und für Ernährungsministerin Klöckner auch gesund. Das gehe mit nur ein paar Cent mehr. Sie stützt sich auf eine Studie, die auch zeigt: Bei den Kantinen kommt es auf die Größe an.

Bis zu 4500 Essen landen in den Kantinen von ländlichen Schulträgern durchschnittlich mittags auf dem Tisch. In Großstädten kommen die Träger sogar auf bis zu fast 23.500 Mahlzeiten - pro Tag. Das ergab eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Bundesernährungsministerin Julia Klöckner und Gesundheitsminister Jens Spahn nahmen die Erhebung zum Anlass, um sich für ein gesünderes Essensangebot in den Schulen auszusprechen. Und das muss laut den CDU-Politikern auch gar nicht teuer sein - nur vier Cent mehr pro Essen würden reichen.

Klöckner pochte auf die "Investition in die Gesundheit unserer Kinder" und forderte: "Wenn nur ein einstelliger Cent-Betrag den Unterschied macht, dann darf es keine Ausreden mehr geben." Darum wolle der Bund die Verpflegung in Schulen ab dem kommenden Jahr stärker fördern - mit zwei Millionen Euro pro Jahr, laut Klöckner doppelt soviel wie bisher.

Julia Klöckner | Bildquelle: dpa
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Bundesernährungsministerin Julia Klöckner fordert Investitionen für gesünderes Schulessen.

Mittagessen kostet im Durchschnitt 3,50 Euro

Derzeit subventionieren die Kommunen die Versorgung der Schüler nach Angaben der DGE mit bis zu 1,2 Milliarden Euro. Die Verpflegung werde damit im bundesweiten Durchschnitt finanziell zur Hälfte von den Kommunen getragen, wobei die Studie pro Mahlzeit einen durchschnittlichen Preis von 3,50 Euro veranschlagt.

Das Angebot in den Schulkantinen soll aus Sicht der DGE mehrere Standards erfüllen: Getreide, Kartoffeln, Gemüse und Salat sollen täglich auf dem Speiseplan stehen, mindestens einmal pro Woche zudem Fisch und maximal zweimal pro Woche Fleisch oder Wurst.

Für die aktuelle Studie wurden bundesweit rund 1000 Essensanbieter sowie mehr als 480 Schulträger angefragt, laut DGE gaben jedoch nur 126 Anbieter Auskunft zu Lieferkosten und Leistungsumfang. Der Großteil der befragten Schulträger waren öffentlich. Insgesamt waren die befragten Träger bundesweit für fast 8200 Schulen zuständig, darunter rund 200 Ganztagsschulen.

Je größer, desto günstiger

In der Studie stellt sich auch heraus, dass die Größe der Kantine eine große Rolle spielt, was den Preis des Essens betrifft. Je größer die Kantine, desto günstiger können die Mahlzeiten angeboten werden. Die DGE legte ihrer Erhebung nicht nur die Kosten für den Einkauf der Lebensmittel zugrunde, sondern für den gesamten Betrieb einer Schulkantine - also auch für Personal, Betriebskosten und für die Wartung der technischen Ausstattung.

Hierbei spiegelt sich die Kantinengröße in vor allem zwei Faktoren wider: Der Preis für das Schulessen und auch die Qualität der Mahlzeiten kann dadurch beeinflusst werden. Vor allem die Personalkosten schlagen als hoher Ausgabenposten zu Buche. Nur knapp 29 Prozent der Schulträger bekommen etwa das Personal an der Essensausgabe durch die Kommunen gestellt, knapp ein Drittel der Träger zumindest in einem Teil der betriebenen Kantinen. Rund 38 Prozent der Schulträger finanzieren das Personal selbst. Auch die Betriebskosten schultern mehr als die Hälfte der Träger selbst.

Um die Kosten auszugleichen, müssen gerade kleine Kantinen den Preis dementsprechend anpassen: Müssen weniger als 100 Kinder versorgt werden, kostet eine Mahlzeit laut DGE im Durchschnitt bis zu 7,46 Euro - ohne staatlichen Zuschuss. Besuchen mehr als 600 Kinder oder Jugendliche zur Mittagszeit die Kantine liegt der Preis durchschnittlich nur bei 3,57 Euro.

Schüler essen in einer Kantine | Bildquelle: dpa
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Je mehr Schüler in der Kantine essen, desto günstiger kann das Essen sein.

Kaum Bio in kleinen Kantinen

Und auch im Einkauf müssen kleine Kantinen kalkulieren. So greifen Schulträger, die Kantinen mit bis zu 100 Mahlzeiten betreiben, beim Wareneinkauf kaum auf Bio-Lebensmittel zurück. Insgesamt gaben knapp 56 Prozent aller Träger bundesweit an, auch Bio einzukaufen. Im Durchschnitt liegt der Anteil an Bio-Lebensmitteln beim Schulessen bei 18 Prozent. Denn Bio kostet: Nach Berechnung der DGE könnten die Ausgaben für den Wareneinkauf um mehr als 80 Prozent ansteigen, wenn ein Schulträger sein komplett dafür angesetztes Budget für Bio-Produkte ausgibt.

Trotzdem rät die DGE zu mehr Bio beim Schulessen. Und hier kommt die Cent-Rechnung zum Tragen, die auch Klöckner und Spahn anführen. Eine Quote von 20 Prozent Bioanteil in Kantinen würde die Preise für das Essen nur minimal in die Höhe treiben - im einstelligen Cent-Bericht, errechnet auch die Studie. Zudem schlägt die DGE die bessere Vernetzung von Schulen vor, gerade im ländlichen Raum und mit kleineren Kantinen, um eventuell einen gemeinschaftlichen Betrieb zu ermöglichen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. November 2018 um 14:35 Uhr.

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