Bundeskanzler Olaf Scholz | picture alliance/dpa/Pool AFP/AP

Scholz vor US-Reise Mahnende Worte in Richtung Moskau

Stand: 06.02.2022 03:39 Uhr

Vor seiner US-Reise hat Kanzler Scholz Russland vor einem Einmarsch in die Ukraine gewarnt - und mit Konsequenzen gedroht. Nach Ansicht von CDU-Chef Merz hätte Scholz früher nach Washington reisen sollen.

Vor seiner Reise nach Washington hat Bundeskanzler Olaf Scholz angesichts der Ukraine-Krise auf den Austausch mit Deutschlands wichtigen Partnern hingewiesen. "Die enge Abstimmung unter den europäischen Partnern und mit den USA ist sehr wichtig", sagte der SPD-Politiker der "Bild am Sonntag".

"Das Ziel ist, eine einheitliche und geschlossene Botschaft in Richtung des Kreml zu transportieren: Eine Verletzung der Souveränität der Ukraine und der territorialen Integrität wird harte Konsequenzen für Russland mit sich bringen - politisch, wirtschaftlich und geostrategisch. Darin sind sich alle europäischen Verbündeten einig."

Treffen mit Biden am Montag

Nach Informationen der "Bild am Sonntag" hat der Kanzler am Freitag mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und auch mit dem britischen Premier Boris Johnson telefoniert. Scholz reist heute in die USA, am Montag ist ein Treffen mit US-Präsident Joe Biden geplant.

Macron, der am Samstag mit Johnson telefonierte, ist am Montag bei Kremlchef Wladimir Putin. Macron und der polnische Präsident Andrzej Duda wollen danach zu einem Gespräch über die Krise nach Berlin kommen. Scholz wird in der Woche danach im Kreml erwartet und auch in der Ukraine.

"Diese Reise kommt zu spät"

Nach Ansicht von CDU-Chef Friedrich Merz hätte Scholz schon früher in die Vereinigten Staaten reisen sollen. "Diese Reise kommt zu spät. Sie wäre schon vor Wochen notwendig gewesen und dann mit einer klaren Botschaft der wichtigsten europäischen Staaten im Gepäck", sagte er der "Bild am Sonntag". Jetzt wirke die Reise "wie der Besuch eines Bittstellers, der aus einer selbst verschuldeten Situation nicht mehr herauskommt und deshalb den großen Bruder in Washington um Hilfe bitten muss".

"Deutschland gefällt sich unter ihm als Kanzler offenbar in seiner Rolle als Außenseiter, als Nein-Sager und Verhinderer einer europäischen Strategie", kritisierte Merz. Die "Sprachlosigkeit" des Kanzlers mache ihn fassungslos. "Mitten in der größten Bedrohung von Frieden und Freiheit in Europa ist der Kanzler weitgehend abgetaucht. Das hätten alle seine Vorgänger anders gemacht."

Scholz ist heute zu Gast im Bericht aus Berlin (18:00 Uhr im Ersten). Das Interview mit dem Bundeskanzler wird am Nachmittag aufgezeichnet. Sie können es auch live sehen - um 16:20 Uhr bei tagesschau24 und tagesschau.de.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Februar 2022 um 09:00 Uhr.