Olaf Scholz  | dpa

Partei nominiert Finanzminister Scholz wird SPD-Kanzlerkandidat

Stand: 10.08.2020 12:03 Uhr

Bei der Wahl zum Parteichef war Olaf Scholz noch gescheitert. Nun geht er für die SPD bei der Bundestagswahl 2021 ins Rennen. "Olaf hat den Kanzler-Wumms", sagte die Parteispitze über den intern umstrittenen Finanzminister.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz wird für die SPD als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf ziehen. Auf Vorschlag der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans hätten ihn Präsidium und Vorstand nominiert, teilte Scholz bei Twitter mit. Er freue sich auf einen tollen, fairen und erfolgreichen Wahlkampf. "Olaf hat den Kanzler-Wumms" erklärte Esken per Twitter.

Parteispitze bittet um Unterstützung

Zusammen mit ihrem Co-Vorsitzenden Walter-Borjans richtete sie sich auch besänftigend an den Scholz-kritischen linken Parteiflügel. "Wir wissen, dass diese Entscheidung für einige eine unerwartete Wendung darstellt", erklärten die Parteichefs. "Wir bitten um Vertrauen in unseren Weg. Wir sind entschieden, diesen Weg gemeinsam zu gehen." Esken und Walter-Borjans galten lange als Gegner von Scholz, setzten sich im vergangenen Jahr bei der Wahl des Parteivorsitzenden auch gegen ihn durch. Seitdem habe es einen "engen Schulterschluss" gegeben.

In einem Brief an die Parteimitglieder, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, schrieben sie: "Deutschland braucht einen Kanzler, der entschlossen ist und erfahren. Mutig auch in Krisen, sie kraftvoll überwinden kann. Mit Respekt vor jeder und jedem Einzelnen. Und mit einem klaren Bild von einer guten und gerechten Zukunft für alle." Scholz verkörpere all das.

"Richtig Bock auf Wahlkampf"

Der Finanzminister ist bei der Bevölkerung Umfragen zufolge der beliebteste SPD-Politiker und hatte sich in der Corona-Krise mit beherztem Handeln profiliert. Zuletzt hatten sich vor allem Mitglieder der Bundestagsfraktion und andere SPD-Minister für ihn als Kanzlerkandidaten ausgesprochen. Im jüngsten DeutschlandTrend kam die SPD allerdings nur auf 15 Prozent und lag damit hinter der Union und den Grünen.

"Wir sind bereit und ich hab' richtig Bock auf Wahlkampf", betonte Generalsekretär Lars Klingbeil nach der Nominierung. Auch Fraktionschef Rolf Mützenich zeigte sich erfreut: Scholz habe bewiesen, dass "er unser Land auch in schwierigen Zeiten führen kann".

"Strategie erscheint noch rätselhaft"

Andere Parteien äußerten sich zunächst vorsichtig zu der Personalie. "Die SPD macht es spannend. Gestern Koalitionsangebot an die Linke und grünes Licht für Kanzler Habeck - heute wird mit Olaf Scholz ein Kanzlerkandidat aus dem eher rechten Spektrum der Partei benannt", schrieb FDP-Chef Christian Lindner auf Twitter. "Respektabel ist er, aber die Strategie erscheint noch rätselhaft."

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch betonte, Ziel müsse eine Mehrheit jenseits der Union sein - mit entsprechendem Programm "gern auch mit Olaf Scholz". SPD und Linke haben sich bereits offen für ein rot-rot-grünes oder auch grün-rot-rotes Bündnis gezeigt, die Grünen äußern sich dazu derzeit aber nicht - und halten sich somit auch die Option Schwarz-Grün offen.

Wie passt Scholz zur Linkspartei?

Warum die SPD Scholz bereits jetzt nominierte, folge einem "Masterplan", berichtet Thomas Kreutzmann aus dem ARD-Hauptstadtstudio. Der sehe vor, lange vor der Union in den Startlöchern für die Wahl 2021 zu stehen. "Bei Umfragen zieht Scholz." Daran ändere auch seine hanseatisch unterkühlte Art nichts.

Und wie sieht es aus mit der Ausrichtung der Partei? Würde Scholz einen Linksschwenk der SPD mittragen? Kreutzmann hält das für denkbar. Scholz sei ein eher linker Sozialdemokrat. Das habe er in Hamburg als Erster Bürgermeister nachgewiesen. Deshalb sei eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei auch mit einem Spitzenkandidaten Scholz möglich.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. August 2020 um 11:00 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Moderation 10.08.2020 • 16:34 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Alle wesentlichen Argumente sind genannt. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir beschlossen die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation