Olaf Scholz mit dem portugiesischen Finanzminister Mario Centeno in Lissabon

Finanzminister auf Reisen Olaf Scholz will mehr

Stand: 02.03.2019 03:21 Uhr

Olaf Scholz will zeigen, dass er nicht nur ein verlässlicher Finanzminister ist, sondern auch Kanzler könnte. Dafür ist er häufiger international unterwegs. Angela Ulrich hat ihn in Portugal und Spanien begleitet.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Die gute Nachricht: Der Flieger von Scholz fliegt. Anders als die Flugzeuge von Regierungskollegen. Zuletzt war Außenminister Maas in Mali gestrandet, davor auch die Kanzlerin. Olaf Scholz sitzt vergnügt in einer der kleinsten Maschinen der Flugbereitschaft, in der "Global 5000". Sie hat gerade mal 13 Sitzplätze. An Bord sind nur drei Journalisten.

Die Pannen der Flugbereitschaft müssen aufhören, sagt der Bundesfinanzminister. Als Ex-Bürgermeister von Hamburg hat er gute Drähte zu Airbus. Noch in diesem Jahr wird die Regierung drei neue Maschinen ordern. "Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass man sich angewöhnt, rechtzeitig und lange vorher Flugzeuge zu bestellen, so dass immer ein ordentlicher Bestand da ist, wie das bei jeder Fluggesellschaft im Übrigen auch der Fall ist."

Olaf Scholz mit Portugals Premier Antonio Costa
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Portugals Ministerpräsident António Costa empfängt Olaf Scholz.

Planen und gestalten

Pannen und Unwägbarkeiten mag Scholz nicht. Er hat Sachen lieber im Griff. Plant. Gestaltet. Das gilt für die Eurozone genauso wie für die SPD und für Scholz als Finanzminister genauso wie für den Vizeparteichef und Vizekanzler.

In Lissabon, der ersten Station von Scholz' Reise, empfängt ihn Portugals Finanzminister Mário Centeno auf einer alten Festung. Dicke Mauern, gekreuzte Säbel hängen in den Gängen, im historischen Kellergewölbe ist es etwas klamm: "Willkommen Olaf", sagt Centeno - ein Ökonom, der auch Chef der Eurogruppe ist. Er ist ein wichtiger Gesprächspartner für Scholz, auch Sozialist.

Portugal hat sich etwas aus der Krise erholt: Es gibt mehr Jobs, die Wirtschaft wächst. "Das müssen wir erhalten", meint Scholz und lobt: "Das gelingt uns übrigens auch deshalb hier wie dort, in Portugal wie in Deutschland, weil wir in der Europäischen Union zusammen sind. Das muss gerade auch im Vorfeld von Europawahlen mal gelegentlich wieder gesagt werden!"

Deutsche Verantwortung

Olaf Scholz mit Spaniens Wirtschaftsministerin Nadia Maria Calvino Santamaria
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Olaf Scholz mit Spaniens Wirtschaftsministerin Nadia Calvino in Madrid

Sozialer Zusammenhalt gegen Vertrauensverlust: Das wiederholt Scholz auf dieser Reise immer wieder. In Lissabon ist es sein Antrittsbesuch als Finanzminister. Aber er hat sich auch einen Termin beim sozialistischen Premier António Costa besorgt. Danach, in Madrid, trifft Scholz Wirtschaftsministerin Nadia Calvino. "Wir haben eine exzellente Beziehung", sagt die frühere Brüsseler Beamtin.

Scholz lächelt neben ihr, aber er weiß auch, wie genau Portugal und Spanien derzeit auf Berlin blicken, wie sich die deutsche Konjunktur hält. "Wenn Deutschland hustet, werden wir krank", sagen sie immer wieder auf dieser Reise. Vertrauen aufbauen will Scholz in der EU angesichts des Brexit-Chaos. Aber der Vizekanzler hat genauso die Genossen zuhause im Blick.

Scholz' Botschaft

Es läuft derzeit nicht schlecht für die SPD mit ihren sozialen Versprechungen. "Vertraut uns, dass wir beides können - zuverlässig regieren und Visionen für die Zukunft haben" ist Scholz' Botschaft: "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Bürgerinnen und Bürger erwarten, dass eine seriöse Partei, fortschrittlich und progressiv, die gleichzeitig vernünftig ist, gebraucht wird. Das ist es, was die SPD bietet."

Vernünftig. Bei diesem Wort fällt vielen sehr schnell Scholz ein. Leidenschaftlich? Da weniger. Braucht es das aber doch, wenn man Kanzler-Ambitionen hat? Scholz zieht im kleinen Flieger die Stirn kraus. Das ist nicht sein Thema. Auch nicht, ob er "the brain", das Gehirn hinter dem Zukunftskonzept der SPD ist: "Die SPD hat einen ziemlich großen 'brain' aus ein paar hunderttausend Mitgliedern. Das ist unsere Stärke."

Sich international zeigen, das macht Scholz derzeit häufig. Für manche, wie für einen Journalisten in Portugal, offenbar aber noch nicht genug: "Ich musste seinen Namen nachschlagen. Richtig bekannt beim Volk ist er hier nicht."

Olaf Scholz in Portugal und Spanien - Test in Kanzler-Tauglichkeit?
Angela Ulrich, ARD Madrid
02.03.2019 09:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. März 2019 um 07:07 Uhr.

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