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Virologe zur Corona-Pandemie "Es fehlen wichtige Daten"

Stand: 31.01.2022 13:25 Uhr

Die schlechte Datenlage in Deutschland erschwert laut dem Virologen Schmidt-Chanasit die Entscheidungen über Lockerungen. Man wisse nach wie vor nicht zuverlässig, wie viele Menschen weder geimpft noch genesen seien, sagte er auf tagesschau24.

Vor dem Hintergrund der Debatte um eine Lockerung der Corona-Maßnahmen in Deutschland hat der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit die schlechte Datenlage in Deutschland kritisiert. Um Lockerungsschritte gehen zu können, sei es wichtig, die Dynamik in der Pandemie zu beobachten. In einigen Bundesländern, etwa in Bremen, sehe man schon einen Bruch der Dynamik, was ein gutes Zeichen sei, sagte der Experte von Universität Hamburg im tagesschau24-Interview. Ebenso wichtig ist aber auch eine stabile Datenlage. "Hier drehen wir uns in Deutschland aber leider im Kreis. Die Datenqualität ist nicht besonders gut. Insofern fällt so eine weitgehende Entscheidung zu diesem Zeitpunkt noch sehr schwer."

So könne man etwa nicht verlässlich sagen, wie groß die Immunitätslücke momentan sei - also der Anteil von Menschen, die weder geimpft noch genesen seien. Ein hoher Anteil an Geimpften und Genesenen sei wichtig, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. "Genau hier fehlten aber wichtige Daten."

Gefährdete Gruppen schützen

Die PCR-Priorisierung beurteilte Schmidt-Chanasit als richtig. Da Omikron den Infektionsdruck soweit vergrößert habe, dass nun nicht mehr alle Infektionen diagnostiziert und nachverfolgt werden können, sei es wichtig, sich jetzt auf die besonders gefährdeten Gruppen zu konzentrieren.

Wissenschaftliche Daten zeigten zwar, dass Omikron im Vergleich zu Delta im Durchschnitt der Bevölkerung mildere Verläufe hervorruft. Das müsse man aber in Relation sehen: Für Menschen etwa mit einer Krebserkrankung oder mit einem supprimierten Immunsystem könne Omikron durchaus auch ernste Folgen haben. "Und je höher die Infektionsrate in der Bevölkerung ist, desto höher auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese besonders gefährdeten Menschen sich mit dem Coronavirus infizieren und sie vielleicht nicht so gut durch die Impfung geschützt sind. Deswegen haben wir nach wie vor strenge Maßnahmen in vielen Bereichen", erklärte der Virologe.

Masken und Tests in sensiblen Bereichen weiter wichtig

Die Verkürzung des Genesenenstatus auf drei Monate bewertet Schmidt-Chanasit mit Unverständnis. "Aus wissenschaftlicher Sicht fragen wir uns: Was ist das Ziel? Doch wohl die Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern. Damit kann man die Verkürzung des Genesenenstatus aber nicht begründen." Dies ginge nur in dem Fall, wenn man sagen würde, man wolle jegliche Infektionen verhindern. "Aber das war ja nicht das Ziel in Deutschland." So gelte es weiterhin, diese und andere Fragen im Bezug auf die Pandemie zu beantworten. Etwa auch, ob doppelt geimpfte und genesene noch einen Booster brauchen. "Im Grunde haben sie ja sogar schon den auf Omikron upgedateten Booster erhalten."

Der Virologe geht davon aus, dass gewisse Maßnahmen neben dem Impfen auch bei einer Entspannung der Lage in Zukunft wichtig sein werden: "Zum Beispiel Masken oder Tests in besonders gefährdeten Bereichen wie Alten- und Pflegeheimen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Januar 2022 um 11:00 Uhr.