Bundespolizisten bei Razzia | dpa

Bundesweite Razzia Schlag gegen Schlepperbande

Stand: 19.01.2021 10:25 Uhr

Mehr als 400 Bundespolizisten sind in vier Bundesländern gegen eine internationale Schleuserbande vorgegangen. Der mutmaßliche Chef war in Österreich gefasst worden - nun sind auch Komplizen in Haft.

Sie sollen mehr als 100 Menschen vor allem aus Syrien illegal nach Deutschland gebracht haben: Jetzt haben Ermittler den Aktivitäten einer internationalen Bande von Menschenschmugglern ein Ende gemacht. Mehr als 400 Bundespolizisten haben seit dem frühen Morgen in Berlin, Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen elf Gebäude durchsucht, Beweismaterial sicher gestellt und fünf Verdächtige festgenommen. Zwei Haftbefehle konnten nicht vollstreckt werden. Zuvor hatten die Behörden in Österreich schon den mutmaßlichen Bandenchef festgenommen.

Kriminell und professionell

Die Staatsanwaltschaft in Kempten im Allgäu verdächtigt insgesamt 19 Beschuldigte zwischen 21 und 44 Jahren, seit mindestens April 2019 Menschen über die sogenannte Balkanroute gegen hohe Summen eingeschleust zu haben. Die mutmaßlich 140 Geflüchteten seien überwiegend aus Syrien. Dabei sollen sich die mutmaßlichen Täter in mindestens 23 Fällen des gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern schuldig gemacht haben.

Balkanroute

Die Balkanroute wurde seit 2018 von Zehntausenden Flüchtlingen genutzt. Sie fliehen vor Krieg und Armut aus dem Nahen Osten, Asien und Afrika nach Westeuropa.

Die Schleuser seien überaus planvoll und sehr professionell vorgegangen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie hätten sogenannte Scouts eingesetzt: Diese fuhren den Schleuserfahrzeugen voraus und meldeten Polizeikontrollen. Die Grenze hätten die Geflüchteten oftmals zu Fuß überquert. Der Bandenchef habe das Ganze über sein Smartphone aus sicherer Entfernung koordiniert.

Europäische Zusammenarbeit

Die Bundespolizei war der Bande auf die Spur gekommen, als sie im August 2019 einen Schleuserfahrer auf der Autobahn 7 bei Füssen nahe der Grenze zu Österreich festnahm. Zusammen mit Ermittlern von Europol und aus mehreren europäischen Ländern - unter anderen Österreich, Ungarn, der Slowakei und Belgien - konnte die Staatsanwaltschaft Kempten den mutmaßlichen Kopf der Bande im Dezember in Österreich ausfindig machen und festnehmen lassen. Sie strebt nach eigenen Angaben dessen Auslieferung an.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Januar 2021 um 10:00 Uhr.