Polizisten stehen hinter einer Absperrung | REUTERS

Zwei Todesopfer "Amoklage" nach Schüssen in Halle

Stand: 09.10.2019 14:36 Uhr

In Halle (Saale) sind zwei Menschen erschossen worden. Die Stadt spricht von einer "Amoklage". Der Angriff fand in einem Viertel statt, in dem auch eine Synagoge steht. Die Polizei meldet eine Festnahme.

Die Stadt Halle (Saale) spricht nach den tödlichen Schüssen von einer "Amoklage". Oberbürgermeister Bernd Wiegand habe den Stab für Außergewöhnliche Ereignisse einberufen. Alle Rettungskräfte der Feuerwehr seien in Alarmbereitschaft versetzt worden. Unter der Nummer 115 wurde ein Bürgertelefon geschaltet.

In der Stadt waren zur Mittagszeit zwei Menschen auf einer Straße im Paulusviertel nördlich der Innenstadt erschossen worden. Das Paulusviertel und der Hauptbahnhof wurden abgesperrt.

Der Generalbundesanwalt übernahm die Ermittlungen.

Eindringen in Synagoge beabsichtigt?

Zu den Hintergründen machten die Behörden noch keine Angaben. In dem Viertel befindet sich auch eine Synagoge und der jüdische Friedhof. Der "Spiegel" zitiert den Gemeindevorsitzenden Max Privorotzki, die Verdächtigen hätten in das Gotteshaus eindringen wollen. Dort hätten sich bis zu 80 Personen aufgehalten. Die Sicherheitsvorkehrungen am Eingang hätten "dem Angriff standgehalten". Heute ist Jom Kippur, der wichtigste jüdische Feiertag.

Ein Augenzeuge berichtete unter anderem dem MDR, ein Täter habe mit Waffengewalt versucht, auf den jüdischen Friedhof zu kommen. Er habe dabei ein Mädchen erschossen.

Polizei meldet Festnahme

Die mutmaßlichen Täter flüchteten mit einem Auto. Nach ihnen wird gefahndet. Inzwischen berichtet die Polizei von einer Festnahme.

Die Polizei wurde kurz nach 12 Uhr alarmiert. Sie rief die Menschen dazu auf, in ihren Wohnungen zu bleiben oder sichere Orte aufzusuchen.

Augenzeugen berichteten von einem Täter, der einen Kampfanzug und eine Maschinenpistole getragen haben soll. Demnach gab es auch eine Explosion auf einem Friedhof.

Schüsse auch in Landsberg bei Halle

Auch in Landsberg, das etwa 15 Kilometer östlich von Halle liegt, sind Schüsse gefallen. Das bestätigte die Polizei, ohne nähere Angaben zu machen.

Anwohner werden dort ebenfalls aufgefordert, Gebäude und Wohnungen nicht zu verlassen.

Seibert: "Schreckliche Nachrichten"

Die Bundesregierung äußerte sich bestürzt. Regierungssprecher Steffen Seibert sprach von "schrecklichen Nachrichten". Dass es zwei Tote gebe, sei "entsetzlich". Er hoffe sehr, "dass die Polizei den Täter oder die Täter möglichst schnell fasse und kein weiterer Mensch in Gefahr komme. Es sei nun ganz wichtig, dass die Bevölkerung den Anweisungen der Polizei folge. Seibert betonte, dass er noch keine Informationen zu den Hintergründen habe.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums äußerte sich ähnlich: Zur Motivlage seien "derzeit keine seriöse Angaben" möglich.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Oktober 2019 um 14:00 Uhr.