Verkehrsminister Andreas Scheuer steht vor einem Bus | Bildquelle: dpa

Neue Werbekampagne Kampf um die Rückkehr der Fahrgäste

Stand: 19.08.2020 18:32 Uhr

Wegen Corona ist die Nutzung des ÖPNV massiv eingebrochen. Jetzt wollen Bund, Länder und Verkehrsunternehmen Kunden und Vertrauen zurückgewinnen. Maskenmuffeln könnten künftig bundesweit einheitliche Strafen drohen.

Von Kai Clement, ARD-Hauptstadtstudio

Hätte das Saarland eine U-Bahn, dann würde sie bis Berlin reichen - könnte man jedenfalls meinen, wenn man Anke Rehlinger zuhört, Verkehrsministerin des Saarlandes und Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz der Länder: "Ich bin mit der U-Bahn von Saarbrücken - nicht ganz - von Berlin-Mitte bis hierher zum Gleisdreieck gefahren", sagte sie bei der Vorstellung der neuen Kampagne "BesserWeiter".

Eigentlich will die SPD-Politikerin, die sich versprochen hatte, ja nur deutlich machen: Sie weiß, wie es ist, im Öffentlichen Nahverkehr unterwegs zu sein: "Ich habe niemanden bei mir in der U-Bahn gesehen, der keine Maske anhatte." Trotz dieser guten Erfahrung: Das kleine bisschen Stoff sorgt weiter für Debatten. Rehlinger steht in einer Berliner Halle vor einem Bus aus dem Landkreis Oder-Spree. Darauf die Bilder der neuen Werbeaktion unter dem Motto: Mit Maske kommen wir besser weiter.

Anke Rehlinger, Verkehrsministerin des Saarlandes | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/Shutterstoc
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Die saarländische Verkehrsministerin Rehlinger stellt die Kampagne "BesserWeiter" vor. Wegen der Corona-Krise liegen die Fahrgastzahlen im ÖPNV nur noch bei 60 Prozent des Vorjahresniveaus.

500 Euro Strafe in Berlin - null Euro in Hamburg

"Mit einer emotionalen Kampagne Vertrauen zurückzugewinnen", beschreibt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer das Ziel der Aktion: Kunden zurückgewinnen. Im Zentrum der Kampagne steht die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen. "Es geht darum, die Wenigen davon zu überzeugen - nicht nur mit der Kampagne, sondern auch, wenn es nicht mehr anders geht, mit Sanktionen -, dass sie nicht zulasten der Vielen und der Allgemeinheit unterwegs sein dürfen."

Die Sanktionen, also die Bußgelder, sind in Deutschland aber sehr unterschiedlich. Im Fernverkehr entstehe so für Kontrolleure die absurde Lage, wissen zu müssen, welches Bundesland man gerade durchfahre, sagte Scheuer. Bis zu 500 Euro sind es in Berlin, null Euro sind es derzeit noch in Hamburg (ab dem kommenden Montag 40 Euro). Schon am Morgen hatte Scheuer sich im ARD-Morgenmagazin für einheitliche Bußgelder ausgesprochen. Spürbar solle der Betrag sein, sagte er nun, nannte aber keine Summe.

Am Donnerstag ist ohnehin eine Schalte von Bund und Ländern angesetzt. Eigentlich soll es um den Ärger bei der neuen Straßenverkehrsordnung gehen, jetzt wird die Tagesordnung um einheitliche Bußgelder für Maskenmuffel ergänzt. "Ich werde meine Staatssekretärin beauftragen, das mit den Kolleginnen und Kollegen der Verkehrs- und Innenressorts nochmal anzusprechen", kündigte Scheuer an.

Weniger Fahrgäste - mehr Aufwand

Beim Werben um das Kundenvertrauen geht es aber nicht nur um die Maske. Das zweite große Thema sei die Reinigung, erklärt Jörg Sandvoß, der mit der DB Regio die Nahverkehrssparte der Bahn leitet. "Wir haben allein bei uns 1400 Leute, die nichts anderes machen, als dreimal täglich die Züge zu reinigen."

Weniger Fahrgäste, mehr Aufwand: Und um den Betrieb trotz alledem zu gewährleisten, kündigte der Bund vor einer Weile eine Finanzspritze von 2,5 Milliarden Euro an, die inzwischen von der EU-Kommission genehmigt wurde. Schließlich sei das Angebot Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge, sagt Rehlinger.

Burkhard Jung vom Deutschen Städtetag erinnert daran, dass es auch noch um viel mehr geht als die Corona-Pandemie: "Wir werden die Verkehrswende in Deutschland mit Sicherheit nicht schaffen, wenn wir jetzt alle wieder aufs Auto umsteigen."

Imagekampagne "Besser Weiter": Werben für den ÖPNV in Pandemie-Zeiten
Kai Clement, ARD Berlin
19.08.2020 16:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. August 2020 um 11:49 Uhr.

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Kai Clement, WDR

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