Kampagne des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI)  | Bildquelle: BMVI

Halbnackte Models Kritik an Scheuers Helm-Kampagne

Stand: 25.03.2019 16:58 Uhr

Halbnackte Models, die für das Tragen von Fahrradhelmen werben - an dieser Kampagne des Verkehrsministeriums gibt es Kritik von allen Seiten. Ressortchef Scheuer findet die Aktion dagegen hervorragend.

Von Andrea Müller, ARD-Hauptstadtstudio

"Looks like shit" steht auf den Plakaten, doch wirklich schlecht sieht darauf niemand aus. Gut gebaute Frauen und Männer mit Sixpack räkeln sich im Bett und tragen dabei Fahrradhelme. "But saves my life" - rettet aber Leben, heißt es dort weiter.

Das Verkehrsministerium und der Verkehrssicherheitsrat hatten in Zusammenarbeit mit der Fernsehsendung "Germany's Next Topmodel" eine 400.000 Euro teure Plakataktion konzipiert. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer steht trotz aller Kritik zu der Kampagne. Mit den Bildern solle eine "schwer erreichbare Zielgruppe angesprochen werden", nämlich die der 17- bis 30-Jährigen, sagte eine Sprecherin. Man wolle "aufrütteln und polarisieren". Scheuer selbst erklärte: "Ich bin sehr zufrieden mit der Kampagne, und ich weiß, dass viele noch mit uns diskutieren wollen."

Kritik von der Opposition - und vom Koalitionspartner

Das stimmt, Familienministerin Franziska Giffey zum Beispiel hat noch Gesprächsbedarf. Sie hat auf Facebook gleich einen Gegenvorschlag veröffentlicht. Giffey mit rotem Fahrrad, roter Jacke, schwarzem Rock. Ihr Sprecher erklärte dazu: "Lieber Andreas Scheuer: mit Helm, das geht auch angezogen."

Die Familienministerin ließ erklären, das Motiv, das ihr CSU-Verkehrskollege Scheuer ab morgen bundesweit auf die Plakatwände kleben will, passe ihr ganz und gar nicht. Die Begründung sei nachzulesen im Koalitionsvertrag Seite 25: "Sexismus begegnet uns täglich und überall - in Medien und Kultur, in der Werbung, am Arbeitsplatz und in der Politik. Sexismus würdigt Menschen aufgrund ihres Geschlechts herab. In einer offenen, modernen und gleichberechtigten Gesellschaft hat Sexismus keinen Platz."

Andreas Scheuer | Bildquelle: dpa
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Scheuer findet seine Kampagne prima.

"Weder witzig noch zeitgemäß"

Runter mit den Plakaten fordert nicht nur die SPD. Für die Grünen erklärt Parteichefin Annalena Baerbock: "Jeder macht die Kampagnen auf seinem Niveau. Mein Niveau ist es nicht." Ihr Co-Vorsitzender Robert Habeck lobt vorweg zumindest das Anliegen des Bundesverkehrsministeriums: "Klar sind Fahrradhelme wichtig im Straßenverkehr. Darauf hinzuweisen ist auch gut, aber nicht mit anrüchigen Plakaten. Das ist weder witzig noch zeitgemäß."

"Alberne Kampagnen"

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club zeigte sich enttäuscht. "Viele Menschen ärgern sich über so eine Kampagne, viele Menschen fühlen sich überhaupt nicht ernst genommen", sagte Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork. Es gebe viele Themen, um die sich Scheuer kümmern müsse, zum Beispiel mehr Verkehrssicherheit und das Vermeiden und Verhindern von Unfällen. "Da hätte Herr Scheuer viel zu tun, aber stattdessen kümmert er sich um alberne Kampagnen", kritisierte Stork.

In den sozialen Medien gibt es kreativen Protest: "Looks like shit" schreiben viele User und posten jede Menge Fahrradwege: schmal, mit Löchen, Wellen und Dellen.

Looks like a shitstorm - Andreas Scheuer, die Fahrradhelm-Kampagne und Reaktionen
Andrea Müller, ARD Berlin
25.03.2019 15:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die Sendung "Brisant" am 25. März 2019 um 17:31 Uhr.

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