Annette Schavan

Plagiatsvorwürfe gegen Schavan verdichten sich "Leitende Täuschungsabsicht"

Stand: 14.10.2012 17:27 Uhr

Die gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan erhobenen Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit verdichten sich. Ein Gutachter der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität erkennt an etlichen Stellen der Dissertation "das charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise", wie die "Süddeutsche Zeitung" und der "Spiegel" übereinstimmend berichten.

In dem vertraulichem 75-seitigen Papier stellt der Gutachter demnach bei Schavan "eine leitende Täuschungsabsicht" fest und beanstandet Textstellen auf 60 der 351 Seiten der Dissertation. Insbesondere im zweiten Teil der Dissertation gebe es eine "besondere Dichte von Befundstellen".

Anfang Mai waren auf der Internetseite schavanplag.wordpress anonym Vorwürfe gegen die Doktorarbeit Schavans erhoben worden. Die Philosophische Fakultät der Universität Düsseldorf hatte daraufhin eine Prüfung veranlasst. Dies geschah auch auf Bitte der Ministerin. Schavan hatte 1980 mit der Arbeit unter dem Titel "Person und Gewissen - Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" den Doktortitel erlangt.

Uni berät am Mittwoch

Verfasser des Gutachtens ist den Berichten zufolge der Professor für Jüdische Studien, Stefan Rohrbacher, der zugleich dem mit dem Prüfungsverfahren befassten Promotionsausschuss vorsteht. Sein Papier ist die Grundlage für Beratungen des Promotionsausschusses voraussichtlich am Mittwoch. Neben Rohrbacher sitzen dort drei weitere Professoren, zwei wissenschaftliche Mitarbeiter und ein Studentenvertreter. Sie geben eine Empfehlung an den Fakultätsrat ab, der dann über eine Aberkennung des Doktortitels zu entscheiden hat.

Schavan wehrte sich gegen die neuen Vorwürfe. "Die Unterstellung einer Täuschungsabsicht weise ich entschieden zurück", sagte sie. Zunächst hatte Schavan über einen Sprecher erklären lassen, die Vorwürfe"treffen mich tief und schmerzen mich sehr; soweit die Fakultät mir Gelegenheit dazu gibt, werde ich nach sorgfältiger Prüfung dazu Stellung nehmen."

Der VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder hatte Schavan bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Mai zum Rücktritt aufgefordert. "Wer nicht weiß, wie man richtig zitiert, kann nicht Bundesforschungsministerin und Professorin sein", hatte der bekannteste deutsche Plagiatsjäger damals gesagt. Heidlingsfelder wirkte bei der Aufdeckung von Plagiatsvorwürfen gegen mehrere Spitzenpolitiker wie den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin mit.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Oktober 2012 um 16:15 Uhr.

Darstellung: