Der kommissarische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

Schäfer-Gümbels Grünen-Kritik Nicht so gemeint, nicht so gesagt

Stand: 14.06.2019 20:39 Uhr

In einem Interview hatte der kommissarische SPD-Chef Schäfer-Gümbel die Grünen scharf angeprangert und steht dafür nun selbst in der Kritik. Nun versucht er, die Empörung schnell wieder abzumildern.

Populismus und Politik, wie auch die AfD sie betreibt - der kommissarische Chef der SPD, Torsten Schäfer-Gümbel, hatte im "Tagesspiegel" heftig gegen die Grünen ausgeteilt. Nun versucht er, die eigenen Aussagen zwar nicht zurückzunehmen, aber doch abzumildern und den Vergleich zwischen Grünen und AfD zu revidieren.

Politik nicht nur auf Klimafrage verkürzen

Ein kurzer Blick auf den Grund des Vor und Zurücks des derzeitigen SPD-Vorsitzenden: Im Zeitungsinterview wurde Schäfer-Gümbel etwa mit folgender Aussage zitiert:

"Die Grünen versuchen im Moment, alles Elend dieser Welt zu reduzieren auf die Frage des Klimawandels."

Das verkürze die Politik auf "groteske Weise", sagte Schäfer-Gümbel weiter, die soziale Frage sei den Grünen "schnurzegal". Das sei genauso falsch wie die Politik der AfD, die die Migrationsfrage zum Übel der Welt erklärt habe. Den Grünen gelinge es, "im Moment gar keine Position mehr zu vertreten und sich so zum Objekt politischer Heilserwartungen zu stilisieren".

"Plump" und "unterirdisch"

Nach diesen Aussagen musste Schäfer-Gümbel nicht lange warten, bis ihn die Antwort von grüner Seite erreichte - und zwar ganz direkt per Tweet vom Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner. Ein "plumper Angriff" sei das gewesen und der Vergleich mit der AfD "unterirdisch". Im gleichen Atemzug lud Kellner zum gemeinsamen Gespräch, um über Themen zu diskutieren.

Die erste Antwort von Schäfer-Gümbel fiel noch etwas ruppiger aus. Natürlich werde er sich zum Gespräch treffen - "herzlich gerne und jederzeit". In der ebenfalls per Twitter übermittelten Entgegnung hieß es aber auch, Kellner solle das Interview "vorher lesen und sich anschließend aufregen".

Eine "Stütze unserer Demokratie"

Doch nur ein paar Stunden später folgten dann vonseiten des kommissarischen SPD-Chefs versöhnlichere Töne. Bei dem Interview mit dem "Tagesspiegel" werde "Verkürzung von Komplexität" deutlich. Er sei selbst "erschrocken über die Überschrift und die Kritik daran", und einen Vergleich zwischen Grünen und AfD habe er nicht gezogen.

Und dann folgte sogar noch Lob für die Grünen, die eine "Stütze unserer Demokratie" seien und den Staat durch "gute Vorschläge bereichern" würden. Die AfD sei das "absolute Gegenteil". Er habe nur ausdrücken wollen, dass man "nicht nur über den Klimawandel diskutieren" könne, "genauso wenig, wie es klug war, in den vergangenen Jahren nur über Migration zu diskutieren".

SPD arbeitet an Profilierung

Die SPD regiert derzeit in sechs Bundesländern in Koalitionen gemeinsam mit den Grünen. Bei der Europawahl im Mai fielen die Sozialdemokraten erstmals bei einer bundesweiten Wahl hinter die Grünen auf den dritten Platz zurück. Im aktuellen DeutschlandTrend überholten die Grünen sogar erstmals die Union als stärkste Kraft, während die SPD hinter die AfD auf den vierten Platz zurückfiel.

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ARD-DeutschlandTrend vom 06. Juni 2019

Sonntagsfrage zur Bundestagswahl

Sonntagsfrage zur Bundestagswahl

Infolge der jüngsten Wahlergebnisse und des Rücktritts von Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles sucht die SPD derzeit nicht nur nach einer neuen Spitze, sondern versucht auch verstärkt, mit eigenen Themen innerhalb der Koalition zu punkten und sich in Abgrenzung zu anderen Parteien zu positionieren. Dazu gehören - ebenso wie bei CDU und CSU - auch verstärkte Attacken in Richtung der Grünen.

SPD und CDU attackieren die Grünen
Kilian Pfeffer, ARD Berlin
14.06.2019 09:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info in den Nachrichten am 14. Juni 2019 um 14:15 Uhr.

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