Thorsten Schäfer-Gümbel, Vorsitzender der hessischen SPD. | Bildquelle: dpa

Wechsel zur GIZ Schäfer-Gümbel verlässt die Politik

Stand: 19.03.2019 14:25 Uhr

Es war eine herbe Niederlage für die SPD. In Hessen verlor sie mehr als zehn Prozentpunkte. SPD-Landeschef und Bundesvize Schäfer-Gümbel zieht jetzt Konsequenzen. Er verlässt die Spitzenpolitik.

Von Thomas Kreutzmann, ARD-Hauptstadtstudio

Der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und hessische Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel zieht sich in diesem Jahr schrittweise aus der Politik zurück. Der 49-Jährige soll zum 1. Oktober Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im hessischen Eschborn werden. Dort wäre er für rund 20.000 Beschäftigte weltweit verantwortlich: "Als Lobbyist, zum Beispiel in der Immobilienwirtschaft, tauge ich nicht", sagt er.

Auf dem Landesparteitag der Hessen-SPD am 2. November wird er nicht wieder für den Landesvorsitz kandidieren, ebensowenig als stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender beim Bundesparteitag im Dezember.

Als Spitzenkandidat für Wahl verantwortlich

Es ist kein Geheimnis, dass Schäfer-Gümbel als Nachfolgerin im hessischen Fraktions- und Landesvorsitz seine Stellvertreterin Nancy Faeser, eine Juristin, favorisiert. Außerdem unterstützt er parteiintern eine Neuaufstellung und Verjüngung des Landesvorstands nach der verheerenden Wahlniederlage im vergangenen Jahr. Die SPD hatte bei der Landtagswahl in Hessen 2018 10,9 Prozentpunkte verloren. Sie war mit insgesamt 19,8 Prozent sogar ganz knapp hinter den Grünen auf Platz drei in ihrer früheren Hochburg zurückgefallen.

Seither wurde immer wieder darüber spekuliert, ob Schäfer-Gümbel wie die bayerische SPD-Vorsitzende Natascha Kohnen nach einer hohen Niederlage an Parteiämtern kleben würde. Aber offensichtlich benötigte er Zeit, um eine neue Tätigkeit zu finden. Denn er habe, sagt Schäfer-Gümbel, SPD-Chefin Andrea Nahles bereits am Tag nach der verlorenen Landtagswahl informiert, "dass ich keinen vierten Anlauf anstrebe". Am Ende sei immer der Spitzenkandidat für das Ergebnis verantwortlich.

Fehlende Rückendeckung von Bundes-SPD

Tatsächlich aber musste er sich von seiner Bundespartei verlassen fühlen. Das unglückliche Vorgehen von Nahles im Fall Maaßen war nicht der einzige Gegenwind aus Berlin für den Landtagswahlkampf Schäfer-Gümbels. Ähnliches hatte er 2013 mit Peer Steinbrücks Honoraraffäre erlebt, die der hessischen SPD relativ gute Chancen auf eine Ablösung der CDU in der Wiesbadener Staatskanzlei verdarb.

Nach der dritten verlorenen Landtagswahl galt der in Parteikreisen als loyal und zuverlässig geschätzte Schäfer-Gümbel als möglicher Nachfolger von Kurt Beck im Vorsitz der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Aber Beck scheint bisher die prestigeträchtige Position nicht für einen Jüngeren räumen zu wollen.

Hessens SPD-Wahlkämpfer Schäfer-Gümbel und SPD-Chefin Nahles | Bildquelle: dpa
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Nicht immer einer Meinung: Schäfer-Gümbel und SPD-Chefin Nahles

Ansehen als Brückenbauer

Schäfer-Gümbel war seit 2009 hessischer Oppositionsführer und bei Landtagswahlen dreimal den jeweiligen CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch und Volker Bouffier unterlegen. Er kam als Nachfolger der früheren SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzenden Andrea Ypsilanti in seine Ämter.

Der Mann mit den dicken Brillengläsern - in seiner Jugend war er wegen einer Krankheit fast erblindet - erwarb sich innerhalb und außerhalb der SPD Ansehen, weil es ihm gelang, die tiefen Gräben zwischen linken und traditionellen Sozialdemokraten in der Hessen-SPD nach den Ypsilanti-Jahren zu überbrücken.

2013 wurde er nach einem Achtungserfolg bei der Landtagswahl mit 30,7 Prozent stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender. Im SPD-Bundesvorstand ist er zuständig für Steuern, Finanzen und Wirtschaftspolitik.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. März 2019 um 14:00 Uhr.

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