Frauen im Niqab | Bildquelle: picture-alliance / Godong

Nordrhein-Westfalen Verfassungsschutz warnt vor Salafistinnen

Stand: 27.12.2017 07:07 Uhr

In der Salafistenszene in Deutschland spielen Frauen eine immer wichtigere Rolle. Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen warnt, es gebe Netzwerke von radikalen Frauen, die junge Muslime rekrutieren und teilweise selbst als Gefährder eingestuft werden.

Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen hat ein Netzwerk Dutzender islamistischer Frauen im Visier. Sie füllen Lücken in der salafistischen Szene, weil viele männliche Führungspersonen im Zuge einer konsequenten strafrechtlichen Verfolgung in Haft sitzen, sagte Behördenleiter Burkhard Freier der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Wir haben in Nordrhein-Westfalen ein sogenanntes Schwesternetzwerk mit 40 Frauen im Blick."

"Ideologieproduzentinnen"

Dieses Netzwerk habe ein komplettes salafistisches Programm im Angebot - von der Kindererziehung über das Kochen und die Interpretation von Religionsvorschriften bis zur Hetze gegen "Nichtgläubige". Das Salafistinnen-Netzwerk werbe und missioniere aggressiv im Netz, sagte Freier. "Wir stellen fest, dass Frauen so was wie Ideologieproduzentinnen sind. Das bedeutet: Sie schaffen Lehrinhalte."

Den Verfassungsschützern zufolge indoktrinieren die Frauen zudem ihre Kinder von klein auf. "Dadurch wird der Salafismus zu einer Familienangelegenheit. Es beginnt etwas zu entstehen, was sehr viel schwerer aufzulösen ist: nämlich salafistische Gesellschaftsteile." Zwar sei nicht jeder Salafist ein Terrorist, sagte Freier der Zeitung. "Aber jeder dschihadistische Terrorist, den wir in den vergangenen Jahren in Europa erlebt haben, kam aus der salafistischen Szene." Der Salafismus inzwischen zu einer Art deutschem "Inlands-Extremismus" geworden.

Als Gefährderinnen eingestuft

Die Deutsche Presse-Agentur berichtet unter Berufung auf Geheimdienstkreise zudem, dass die Sicherheitsbehörden in Deutschland mehrere Dutzend Frauen und Jugendliche als islamistische Gefährder einstufen - und ihnen damit potenziell einen Terrorakt zutrauen.

Der Salafismus ist eine rückwärtsgewandte, extrem konservative Strömung des Islams. Seine Anhänger beziehen sich ausschließlich auf den Koran, jede Form von Modernisierung lehnen sie ab. Ziel der Salafisten ist die vollständige Umgestaltung von Staat, Rechtsordnung und Gesellschaft nach ihrem Regelwerk.

Warum der Rechtsstaat fast chancenlos gegen islamistische Gefährder ist
morgenmagazin 06:00 Uhr, Andre Kartschall, RBB

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Dezember 2017 um 05:03 Uhr.

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