Tobias Hans | dpa
SaarlandTrend

Vorwahlumfrage Hans muss um Wiederwahl bangen

Stand: 17.03.2022 18:02 Uhr

Noch zehn Tage bis zur Landtagswahl im Saarland - und die könnte für CDU-Ministerpräsident Hans zum Desaster werden. Denn die SPD liegt laut ARD-Vorwahlumfrage vorn.

Von Claudia Müller, ARD-Studio Köln

Das Saarland wird seit 22 Jahren von der CDU regiert - davon die vergangenen zehn Jahre in einer Großen Koalition zwischen CDU und SPD. Tobias Hans hat 2018 die bis dahin amtierende Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer abgelöst, die damals als CDU-Generalsekretärin nach Berlin wechselte.

Claudia Müller

Zehn Tage vor der Landtagswahl im Saarland muss Ministerpräsident Hans um seine Wiederwahl bangen. Wenn im Saarland schon am kommenden Sonntag der Landtag neu gewählt würde, käme die CDU auf 31 Prozent. Damit würde sie zwar im Vergleich zum letzten SaarlandTrend vom Februar um 2 Punkte zulegen, bliebe aber deutlich hinter ihrem Wahlergebnis von 2017 (40,7 Prozent) zurück. Die SPD verlöre gegenüber dem Februar zwar einen Punkt, würde mit aktuell 37 Prozent aber stärkste Kraft im Landtag werden und ihr Ergebnis von vor fünf Jahren (29,6) deutlich verbessern.

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Ergebnisse des SaarlandTrends vom 17. März 2022

Vier andere Parteien auf der Kippe

Vier andere Parteien können sich nicht sicher sein, ob sie es schaffen, in den Landtag in Saarbrücken einzuziehen. Die besten Aussichten hat in der aktuellen Stimmungslage die AfD. Mit momentan 6 Prozent (- 2 Prozent zu Februar) läge sie etwa auf dem Niveau der letzten Landtagswahl (6,2 Prozent).

Die Grünen, die 2017 aus dem Landtag herausgefallen sind, könnten mit 5 Prozent (-1 Prozent zu Februar) rechnen, ebenso die FDP (-1 Prozent zu Februar), die seit 2012 nicht mehr im Landtag vertreten ist.

Die Linke, die 2017 noch ein zweistelliges Ergebnis (12,8 Prozent) erzielte, würde dagegen mit 4 Prozent an der Mandatsschwelle scheitern und nach 13 Jahren aus dem Landesparlament herausfallen. Alle anderen Parteien kämen zusammen auf 12 Prozent, darunter die neue politische Formation Bunt.Saar mit 3 Prozent.

Umfrage ist keine Vorhersage des Wahlergebnisses

Bei dieser Umfrage handelt es sich ausdrücklich um keine Prognose, sondern um die politische Stimmung in der laufenden Woche. Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten und ermittelt somit einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Deswegen sind Rückschlüsse auf den Wahlausgang nur bedingt möglich, denn viele Wählerinnen und Wähler legen sich kurzfristig vor einer Wahl fest.

Letzte Wahlkampf-Phase entscheidend

Eine große Bedeutung hat auch die letzte Phase des Wahlkampfs, in der unentschlossene und taktische Wählerinnen und Wähler angesprochen werden. Jeder sechste Wahlberechtigte im Saarland will nicht ausschließen, dass sich die momentane Präferenz für eine Partei bis zum Wahlsonntag nochmal verändert. Für knapp zwei Drittel steht fest, bei welcher Partei sie ihr Kreuz machen.

Bereits kleinere Veränderungen können sich zum Beispiel darauf auswirken, wie viele Parteien im Landtag in Saarbrücken vertreten sein werden. Dies könnte wiederum die rechnerisch möglichen Mehrheiten für die Regierungsbildung verändern.

Aktuelle Wunsch-Koalition: GroKo unter SPD-Führung

Bei einem Wahlausgang entsprechend der aktuellen Sonntagsfrage könnte die jetzige Koalition aus CDU und SPD ihre Arbeit fortsetzen, allerdings unter SPD-Führung. Das wäre auch die Koalition, die sich die Saarländerinnen und Saarländer aktuell am ehesten wünschen würden: Bei 48 Prozent der Befragten im Saarland findet diese Koalition Zuspruch, 37 Prozent bewerten eine Große Koalition unter CDU-Führung als sehr gut oder gut. Eine Ampel, wie sie aktuell im Bund regiert, unterstützt rund ein Viertel der Saarländer (27 Prozent).

Andere Koalitionen wären mit den aktuellen Zahlen nicht möglich, aber nur kleine Verschiebungen würden auch andere Bündnisse möglich machen.

Direktwahl: SPD-Kandidatin vor CDU-Ministerpräsident

Wenn die Menschen im Saarland ihren Ministerpräsidenten bzw. ihre Ministerpräsidentin direkt wählen könnten - und dabei die Wahl hätten zwischen dem amtierenden Ministerpräsidenten Hans und der Herausforderin von der SPD Anke Rehlinger - so würden sich aktuell 49 Prozent für die SPD-Kandidatin entscheiden und 33 Prozent für den Amtsinhaber.

Rehlinger ist seit acht Jahren Vize-Ministerpräsidentin und war bereits 2017 Spitzenkandidatin der SPD. Damals unterlag die SPD der CDU - und auch in der Direktwahl-Frage lag Rehlinger damals deutlich hinter Kramp-Karrenbauer.

Untersuchungsanlage

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte Bevölkerung im Saarland
Erhebungsmethode: Zufallsbasierte Telefon- und Online-Befragung
Erhebungszeitraum: 14. bis 16. März 2022
Fallzahl: 1421 Befragte (927 Telefoninterviews und 494 Online-Interviews)
Fehlertoleranz: 2* bis 3** Prozentpunkte
Durchführendes Institut: Infratest dimap

* bei einem Anteilswert von 10 Prozent ** bei einem Anteilswert von 50 Prozent

Die Ergebnisse sind auf ganze Prozentwerte gerundet, um falsche Erwartungen an die Präzision zu vermeiden. Denn für alle repräsentativen Befragungen müssen Schwankungsbreiten berücksichtigt werden. Diese betragen im Falle einer Erhebung mit 1000 Befragten bei großen Parteien rund drei Prozentpunkte, bei kleineren Parteien etwa einen Punkt. Hinzu kommt, dass der Rundungsfehler für kleine Parteien erheblich ist. Aus diesen Gründen wird keine Partei unter drei Prozent in der Sonntagsfrage ausgewiesen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 17. März 2022 um 23:35 Uhr.