Kommentar

Sanktionen gegen Russland "Schauspiel mit doppelter Moral"

Stand: 11.06.2019 21:36 Uhr

Sanktionen gegen Russland und zugleich Geschäfte mit Moskau, zum Beispiel bei der Gaspipeline Nord Stream 2. Das ist Doppelmoral. Leidtragender sei die ostdeutsche Wirtschaft.

Ein Kommentar von Tim Herden, ARD-Hauptstadtstudio

Der Streit über die Russland-Sanktionen ist ein Schauspiel mit doppelter Moral. Hinzu kommt Arroganz, wenn der Diplomat Wolfgang Ischinger dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer öffentlich Nachhilfeunterricht in Außenpolitik anbietet. Es ist einfach scheinheilig.

Einerseits trennt man durch die Sanktionen ostdeutsche Unternehmen vom überlebenswichtigen Absatzmarkt Russland. Andererseits werden in Mecklenburg und Brandenburg gerade jetzt die Rohre der Pipeline Nord Stream 2 für russisches Gas in die Erde gebracht. Im Auftrag der westdeutschen Konzerne Wintershall und E.ON.

Sanktionen - richtig oder gar nicht

Dabei sollte gelten: Wenn schon, denn schon! Entweder Sanktionen, die für alle deutschen Unternehmen gelten! Oder eben keine Sanktionen. Auch für alle.

Es wäre den Deutschen aber kaum zu vermitteln, dass man für politische Moral und Beistand für die Ukraine mit einem möglichen Boykott russischer Gaslieferungen auch höher Energiepreise zahlen müsste. Also wird Nord Stream 2 weiter gebaut.  

Den Ukraine-Konflikt wird man nicht über Sanktionen lösen, sondern nur über Verhandlungen. Da sollte vom deutschen Außenminister Heiko Maas ein ebenso aktiver Einsatz kommen wie gerade bei der Rettung des Atomabkommens mit dem Iran.

Kein Problem für Putin

Putin übrigens stören die Sanktionen offenbar kaum noch. Er orientiert sich wirtschaftlich neu. Nach China. Er braucht Investitionen, das Reich der Mitte neue Absatzmärkte. Das könnte ein Problem werden - nicht nur für die ostdeutsche, sondern gesamtdeutsche Wirtschaft.

Tim Herden, ARD Berlin, kommentiert den Streit über die Sanktionen gegen Russland
tagesthemen 22:15 Uhr, 11.06.2019

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 11. Juni 2019 um 22:15 Uhr.

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