Ein Mitarbeiter bereitet die Probenröhrchen zur Virus-Diagnostik vor. | dpa

Analyse des RKI Zahl anderer Infektionskrankheiten rückläufig

Stand: 12.02.2021 16:50 Uhr

Mehr Hygiene, weniger Kontakte: Die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie haben laut Robert-Koch-Institut dazu beigetragen, dass auch andere Infektionskrankheiten seltener auftreten. Besonders stark sank die Zahl der Masernfälle.

Während der Corona-Pandemie ist die Zahl der gemeldeten Fälle anderer Infektionskrankheiten in Deutschland zum Teil drastisch zurückgegangen. Das berichtet das Robert-Koch-Institut unter Verweis auf eine eigene Auswertung. Die Zahl der Fälle anderer meldepflichtiger Infektionskrankheiten sank im untersuchten Zeitraum von März bis August vergangenen Jahres demnach insgesamt um 35 Prozent.

Stärkster Einbruch bei Masern

Den stärksten Einbruch gab es bei den Erregern, die sich über Atemwege verbreiten. So lag das Minus bei Masern bei 85,5 Prozent. Bei Keuchhusten waren es 63,7 Prozent. Teilweise ähnlich stark gingen zudem die Meldezahlen bei Erregern zurück, die den Magen-Darm-Trakt befallen. Bei Erkrankungen durch Rotaviren sanken sie um 83,3 Prozent.

Das Minus bei den Meldungen über Norovirus-Gastroenteritis lag im Studienzeitraum bei 78,7 Prozent. Insgesamt am stärksten war der Rückgang der gemeldeten Fälle für alle Krankheiten in der Altersgruppe der Kinder unter vier Jahren mit 57 Prozent, bei Kindern von fünf bis 14 Jahren mit 45 Prozent sowie bei Menschen über 80 Jahren mit 44 Prozent.

Weniger Arztbesuche während Pandemie

Nach Angaben des RKI dürften die Gründe für die starken Rückgänge komplex und "erregerspezifisch" sein. Sie ließen sich allein aus den Meldedaten nicht klären. Es sei unter anderem auch denkbar, dass während der Pandemie insgesamt weniger Arztbesuche stattfanden und deshalb weniger Fälle entdeckt wurden.

Die Experten des Instituts gehen aber davon aus, dass sich auch die Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln gerade auf die Verbreitung von Magen-Darm-Infektionen auswirkten. Gleiches dürfte für Kita- und Schulschließungen gelten, hieß es.

RKI-Chef Lothar Wieler sagte, die Corona-Maßnahmen wie Händewaschen und Abstandhalten führten dazu, dass derzeit "in der gesamten Bevölkerung viel weniger Infektionskrankheiten als sonst" grassierten. Diese Entwicklung sei in der Pandemielage "ein echter Pluspunkt", sagte Wieler. Arztpraxen und Krankenhäuser würden so entlastet.

Grippe-Saison endete abrupt

Den Rückgang der Masernfälle führte das Bundesinstitut zumindest teilweise auch auf coronabedingte Beschränkungen im Reiseverkehr zurück. Masern seien in Deutschland heute nicht mehr endemisch verbreitet, so die Experten. Ausbrüche im Inland nähmen ihren Ausbruch in der Regeln durch "Import" und breiteten sich dann vor allem bei Lücken im Impfschutz der Bürger weiter aus.

Im Blick auf die saisonale Grippe lieferte die Auswertung des RKI aufgrund des Untersuchungszeitraum wenig Erkenntnisse. Die Saison sei zu dessen Startpunkt bereits weitgehend beendet gewesen und insgesamt auch nur als eher moderat eingestuft worden. Jedoch wurde rund zwei Wochen eher als üblich ein "abrupter" Rückgang der Influenza-Meldezahlen beobachtet. Dies könne durchaus auch auf die Maßnahmen zur Corona-Eindämmung zurückzuführen sein.

Auch weniger Infektionen mit Krankenhauskeimen

Rückgänge gab es der Auswertung zufolge unter anderem auch bei den Meldungen zu Infektionen mit sogenannten Krankenhauskeimen. Dabei vermutete das RKI einen Zusammenhang mit den aufgrund der Pandemie insgesamt gesunkenen Patientenzahlen. Medizinisch nicht erforderliche Eingriffe wurden verschoben. Auch könnten stärkere Hygienemaßnahmen während der Krise zum Rückgang beigetragen haben.

Ebenfalls deutlich zurück gingen die Meldungen über Infektionen mit sexuell oder durch Blut übertragbaren Krankheiten. Bei HIV lag das Minus bei 22,1 Prozent. Hier vermutete das RKI aber insbesondere auch einen Zusammenhang mit Einschränkungen bei der Arbeit von Gesundheitsämtern und Beratungsstellen in dem Bereich.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. Februar 2021 um 12:41 Uhr.