Ein Arzt untersucht in einer Kinderklinik ein Kind. (Archivbild)

Atemwegserkrankung RS-Virus - viele Kinderkliniken sind voll

Stand: 31.10.2021 10:41 Uhr

Husten und Atemnot: Vor allem Kleinkinder und Säuglinge sind von dem RS-Virus betroffen - eine Atemwegserkrankung, die schwer verlaufen kann. In einigen Bundesländern sind die Kliniken voll.

Das RS-Virus breitet sich in diesem Jahr schon früher aus als sonst - und in einigen Bundesländern stecken sich offenbar auch mehr Kinder an als üblich. So wie in Bayern, dort tritt die Erkrankung bei den Kindern zur Zeit extrem oft auf - so sehr, dass die Kinderkrankenhäuser bereits kaum noch freie Betten haben. "Alle Kliniken sind am Anschlag", berichtete der Landesvorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Dominik Ewald, der Nachrichtenagentur dpa. Zugleich beruhigte er: "Es hat noch keiner den absoluten Notstand ausgerufen. Die Versorgung ist nicht gefährdet, weil wir das doch immer noch irgendwie hinkriegen."

Auch Folge von Corona und dem Lockdown

Für die Kinderärzte kommt die aktuelle Situation nicht überraschend. "Wir hatten erwartet, dass diese RS-Virus-Welle kommt. Es ist relativ klar, dass jetzt, wo die Kinder wieder miteinander zu tun haben dürfen und wir drei Jahrgänge haben, die in den Kindergärten aufeinandertreffen und durch den Lockdown keinen Austausch der Infektionen hatten, dreimal so viele Kinder wie sonst krank werden", erklärte Ewald. "Die machen jetzt alle auf einmal das durch, was normalerweise nur ein Jahrgang durchmachen würde."

Gefahr für Frühgeborene, Säuglinge und Kleinkinder

Das RS-Virus - kurz für das Respiratorische Synzytial-Virus - ist eine Atemwegserkrankung, die auch Erwachsenen schwer zu schaffen machen kann. Sie ist aber besonders für Frühgeborene, Säuglinge und Kleinkinder gefährlich. Diese können ausgesprochen schwere Lungenentzündungen bekommen. Unter in Krankenhäuser eingelieferten Kindern sterben laut Robert Koch-Institut 0,2 Prozent derjenigen ohne bekanntes erhöhtes Risiko, gut ein Prozent der erkrankten Frühgeborenen und mehr als fünf Prozent der Kinder mit angeborenem Herzfehler.

Dazu kommen Erkältungsviren

Schon seit Pfingsten grassieren unter den Kindern Infektionen, das RS-Virus schlägt aber besonders seit dem Ende der Sommerferien zu. "Jetzt kommen auch noch die verschiedenen Erkältungsviren, dazu gehören neben RSV zum Beispiel Influenza- oder Rhinoviren, schilderte Ewald. An sich sei dies kein Grund zur Sorge, betonte der Pädiater. "Gesunde Kinder können so einen Infekt durchaus durchstehen." Problematisch sei derzeit nur, dass sich viele Kinder einen Infekt nach dem anderen einfingen und dann zu geschwächt seien, um dem RS-Virus noch viel entgegensetzen zu können.

Nur Symptome behandelbar

Da gegen Viren kein Antibiotikum hilft, können die Ärzte nur die Symptome behandeln. Weniger schwer verlaufende Infektionen werden meist gar nicht als solche erkannt, weswegen das seit Langem kursierende Virus vielen Laien nicht mit Namen bekannt ist. Dabei kann der vermeintlich harmlose Husten durchaus Folgen haben: "Fatal ist, dass die Infektion bestimmte Veränderungen in der Lunge bewirken kann, die auch langfristig zu Folgeproblemen führen kann", erläuterte Ewald. Die Erkrankten litten später häufiger unter Asthma oder einer Überempfindlichkeit der Bronchien.

Kliniken in Sachsen-Anhalt "extremst gefüllt"

Auch in Sachsen-Anhalt grassiert das Virus: "Die Kinderabteilungen sind extremst gefüllt mit diesem RS-Virus", sagte Wolfgang Schütte, Präsident des Krankenhausverbands Sachsen-Anhalt, der Nachrichtenagentur dpa. Teilweise hätten Kinderstationen keinen Platz mehr. In Dessau ist die Kinderstation des Städtischen Klinikums gut ausgelastet. Seit es Mitte September mit RSV so richtig losgegangen sei, waren im Schnitt 25 Prozent der Betten mit Kindern mit dem Virus belegt, sagte Stefan Fest, der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es den Angaben zufolge deutlich mehr Fälle.

Mecklenburg-Vorpommern: Ungewöhnliche Häufung der Fälle

Alle größeren Kliniken im Nordosten Deutschlands hatten vergangene Woche eigenen Angaben zufolge Kinder bis vier Jahre mit einer RSV-Infektion in Behandlung. In Mecklenburg-Vorpommern bestätigten die Kliniken in Schwerin, Rostock und Neubrandenburg ebenfalls eine im Vergleich zu anderen Jahren ungewöhnliche Häufung der Fälle, jedoch wurde nirgends eine drohende Überlastung hierdurch gemeldet.

Aktuell gebe es tatsächlich viel mehr relativ schwer verlaufende Infektionen bei Ein- und Zweijährigen, bestätigte Claudius Werner, Kinder- und Jugendmediziner am Helios-Klinikum Schwerin.

Auch Kliniken in NRW behandeln viele Kinder

In Nordrhein-Westfalen sieht es nicht anders aus. Die Kliniken dort beobachten derzeit eine hohe Zahl an Kindern, die mit Atemwegserkrankungen in den Krankenhäusern behandelt werden. "Im ganzen Ruhrgebiet sind wir hier am Anschlag", berichtete Dominik Schneider, der Direktor der Dortmunder Kinderklinik. Auch Kliniken in Münster, Düsseldorf, Duisburg und Köln beobachten eine frühe und starke Krankheitswelle.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version dieses Artikels war die Formulierung bezüglich der Sterberate falsch. Richtig ist, dass sich die Zahlen ausschließlich auf hospitalisierte Kinder beziehen, nicht auf alle mit einer RS-Infektion. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen und haben ihn korrigiert.

Über dieses Thema berichtete das "Hamburg Journal" am 28. Oktober 2021 um 19:30 Uhr.