Boris Palmer | Bildquelle: dpa

Äußerungen von Tübinger Oberbürgermeister Roth legt Palmer Parteiaustritt nahe

Stand: 01.05.2019 15:22 Uhr

Die frühere Grünen-Chefin Roth hat Tübingens Oberbürgermeister Palmer nahegelegt, die Partei zu verlassen. Der Grünen-Politiker räumte nun Fehler wegen seiner Kritik an der Bahn-Werbekampagne ein.

Die Bundestagsvizepräsidentin und frühere Grünen-Chefin Claudia Roth hat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer nahegelegt, die Grünen zu verlassen. "Ich glaube, er hat sich Lichtjahre von den Grünen und vielen ihrer Grundüberzeugungen entfernt", sagte Roth der "Augsburger Allgemeinen". Der Grünen-Politiker Palmer war in der Vergangenheit wiederholt mit Äußerungen in seiner Partei angeeckt.

Palmer kritisierte Bahn-Werbespot

Zur Zeit sorgt seine Kritik an einem Werbespot der Deutschen Bahn für Empörung, der Menschen unterschiedlicher Hautfarbe zeigt. Die Bahn wirbt auf ihrer Internetseite mit Bildern von Reisenden mit unterschiedlichen Hautfarben, unter anderem mit dem schwarzen TV-Koch Nelson Müller und der türkischstämmigen Moderatorin Nazan Eckes. Palmer hatte dazu am 23. April auf Facebook geschrieben: "Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die 'Deutsche Bahn' die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat. Welche Gesellschaft soll das abbilden?"

Roth: "Eindeutig rassistisch"

Die Grünen-Chefs Robert Habeck und Annalena Baerbock hatten Palmer für diese Äußerungen bereits scharf kritisiert. Roth sagte dazu nun in der "Augsburger Allgemeinen": "So leid es mir tut. Das ist eindeutig rassistisch und Rassismus ist keine Meinung, sondern Rassismus. Niemand wird ihn davon abhalten, sich einen Ort zu suchen, an dem er sich politisch wohler fühlt - auch jenseits der Grünen."

Grünen-Politikerin Claudia Roth | Bildquelle: OMER MESSINGER/EPA-EFE/REX
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Die frühere Grünen-Chefin Claudia Roth glaubt, Palmer habe sich "Lichtjahre von den Grünen und vielen ihrer Grundüberzeugungen entfernt".

Palmer: "Das war fahrlässig"

Der Tübinger Oberbürgermeister räumte nun Fehler ein: "Das Ganze war ein Schnellschuss. Ich habe keine zwei Minuten, nachdem ich die Werbung eher zufällig im Internet entdeckt hatte, drei Sätze dazu auf Facebook gepostet", sagte Palmer der "Zeit". "Das war fahrlässig, ich hätte mein Anliegen besser begründen müssen." Das Ergebnis sei "Bockmist".

Inhaltlich bleibt er bei Kritik

Inhaltlich hält Palmer an seiner Kritik an der Kampagne aber fest. "Die Mehrheitsgesellschaft kommt praktisch nicht vor", sagte Palmer. Das spalte die Gesellschaft. "Bei den Menschen, die ohnehin fürchten, dass sie übergangen werden, löst die Kampagne Abwehrreflexe aus."

Boris Palmer | Bildquelle: dpa
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Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer räumte Fehler ein, inhaltlich hält er aber an seiner Kritik an der Bahn-Werbekampagne fest.

Der Grünen-Politiker wandte sich laut "Zeit" inzwischen an den Vorstand der Bahn. Er habe einen Brief an Bahnvorstand Ronald Pofalla geschrieben. Solche Kampagnen würden in einem Großunternehmen nach seiner Erfahrung intensiv geplant und diskutiert. Er wolle wissen, ob der Vorstand mit der Entscheidung befasst war, und ob man sich ihrer möglichen Konsequenzen bewusst sei.

Palmer hatte nach den Reaktionen auf seine Äußerungen angekündigt, seine Facebook-Aktivitäten bis zur Europawahl am 26. Mai ruhen zu lassen.

Über dieses Thema berichtete "BAYERN 1 am Feiertag" am 01. Mai 2019 um 12:00 Uhr.

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