Absperrband vor Hütten auf dem Campingplatz Eichwald | Bildquelle: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

Missbrauch auf Campingplatz "Politik muss neue Prioritäten setzen"

Stand: 31.01.2019 10:39 Uhr

Nach dem sexuellen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz fordert der Missbrauchsbeauftragte Rörig in den tagesthemen, dass die Politik dringend handeln müsse. Die Männer hätten Nachbarn, Behörden und Kinder manipuliert.

Nach dem sexuellen Missbrauch von mindestens 23 Kindern auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen spricht der zuständige Beauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, von einem "monströsen Fall". In den tagesthemen fordert er, dass die Politik dringend Prioritäten setzen müsse.

Die Staatsanwaltschaft wirft drei Männern schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vor. Zwei der Verdächtigen aus NRW sollen auf dem Campingplatz nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen die Kinder im Wechsel gefilmt und missbraucht haben. Ein dritter Mann aus Stade in Niedersachsen soll als Auftraggeber aufgetreten sein. Den bisherigen Erkenntnissen zufolge waren mindestens 23 Kinder im Alter von vier bis 13 Jahren zu Opfern geworden - in mehr als 1000 Fällen.

Perfide Täterstrategie

Der Fall sei das Ergebnis einer perfiden Täterstrategie, sagte Rörig. Die Männer hätten Nachbarn, Behörden und die Kinder manipuliert. Es sei für Behörden und Jugendämter sehr schwer, sexuellen Missbrauch festzustellen. Gerade wenn das Umfeld sage, dies sei doch ein besonders kinderfreundlicher Mensch.

Es gäbe Hinweise, sagt der Missbrauchtsbeauftragte, dass die Jugendämter enorm überlastet seien. Hier müsse es Personalbedarfsanalysen geben, das Personal müsse aufgestockt werden. Vor allem die Politik müsse im Kampf gegen sexuelle Gewalt dringend neue Prioritäten setzen. Im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe dürfe nicht mehr gespart werden.

Datenschutz nicht mehr über Kinderschutz

Die Ermittlungsinstrumente der Behörden sollten geschärft werden, forderte er weiter. Datenschutz dürfe nicht mehr über Kinderschutz stehen. Das Problem sei auch, das sexuelle Gewalt überall stattfände. Sie käme in wohlhabenden und gebildeten Haushalten ebenso vor wie in prekären Familiensitatutionen. Es sei falsch zu sagen, wie hier in dem Fall auf dem Campingplatz müsse das Jugendamt besonders aufpassen. Sexuelle Gewalt gehöre zum Grundrisiko einer Kindheit in Deutschland dazu.

Demzufolge müssten die Ermittler mehr Befugnisse erhalten, Ermittlungsinstrumente müssten geschärft werden. Die Entwicklung der sexuellen Gewalt sei durch das Internet, das Darknet noch gefährlicher als noch vor 20 Jahren. Auch darauf müsse die Politik reagieren.

Absperrband vor Hütten auf dem Campingplatz Eichwald | Bildquelle: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX
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Auf diesem Campingplatz wurden laut der Ermittler mindestens 23 Kinder Opfer sexueller Gewalt.

Meldepflicht für Internet-Anbieter

Der Missbrauchtsbeauftrage bekräftigte seine Forderung nach einer Meldepflicht für Internet-Anbieter. Wenn diese auf kinderpornografisches Material stießen, sollten sie es dem Bundeskriminalamt (BKA) melden, sagte Rörig dem "Westfalen-Blatt".

Bisher kämen in Deutschland Meldungen zu Missbrauchsdarstellungen vor allem vom US-Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder (National Center for Missing and Exploited Children, NCMEC), weil in den Vereinigten Staaten eine gesetzliche Meldepflicht gelte, erklärte Rörig. Auch deutsche Anbieter sollten gesetzlich verpflichtet werden, Verdachtsfälle auf Kinder- und Jugendpornografie an eine zentrale Stelle - zum Beispiel beim BKA - zu melden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 30. Januar 2019 um 22:15 Uhr.

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