Eine Mitarbeiterin eines Corona-Testzentrums bei München schaut aus einer offenen Tür heraus | AFP

Corona-Pandemie Inzidenz steigt auf mehr als 600

Stand: 20.01.2022 07:14 Uhr

Und wieder werden in der Pandemie Höchstwerte verzeichnet: Das RKI registrierte mehr als 133.000 Neuinfektionen, die Inzidenz kletterte auf 638,8. In der Impfpflicht-Debatte weisen Amtsärzte darauf hin, dass diese keinen Zwang bedeuten würde.

Die Zahl der registrierten Neuinfektionen in Deutschland innerhalb von 24 Stunden ist laut dem Robert Koch-Institut auf 133.536 gestiegen - nach 112.323 am Vortag und 81.417 in der Vorwoche. Das RKI gab die Sieben-Tage-Inzidenz mit 638,8 an. Am Mittwoch lag der Wert noch bei 584,4, vor einer Woche bei 427,7.

Somit verzeichnete das RKI sowohl bei den Infektionszahlen als auch bei der Inzidenz neue Rekorde. Dabei rechnen Experten mit immer mehr Fällen, die nicht erfasst werden können, unter anderem, weil Labore und Gesundheitsämter zunehmend an Kapazitätsgrenzen geraten.

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 234 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 316 Todesfälle. Die Hospitalisierungsinzidenz, also die Zahl der ins Krankenhaus eingelieferten Patienten pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, lag am Mittwoch bundesweit bei 3,34. Seit Beginn der Pandemie haben sich nach RKI-Rechnung insgesamt 8.320.386 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Coronavirus infiziert.

Amtsärzte: Impfpflicht ist kein Impfzwang

Unterdessen geht die Debatte über eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland weiter. So drängen Kliniken dabei auf mehr Tempo. "Wir haben die große Sorge, dass die Politik den richtigen Zeitpunkt für eine Impfpflicht verpasst und wir bei der nächsten Variante wieder vor den gleichen Problemen in den Krankenhäusern stehen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft (DKG) Gerald Gaß der "Augsburger Allgemeinen".

Auch Bundesjustizminister Marco Buschmann spricht sich für eine "zügige Entscheidung" aus. Die Frage müsse aber vorher im Parlament sorgfältig diskutiert werden. "Der Bundestag hat allerdings wiederholt gezeigt, dass er in der Lage ist, Tempo und Sorgfalt miteinander zu verbinden", sagte der FDP-Politiker der "Passauer Neuen Presse".

Die deutschen Amtsärzte weisen darauf hin, dass eine Impfpflicht keinen Impfzwang bedeuten würde. "Niemand wird und darf Menschen gegen ihren erklärten Willen impfen", sagt die Vize-Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD), Elke Bruns-Philipps, der Funke Mediengruppen einem Vorabbericht zufolge. "Das gibt das Gesetz wie es jetzt diskutiert wird nicht her, so ist es auch nicht intendiert." Die Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat erklärt, man werde eine Impfpflicht nicht in den Arztpraxen umsetzen lassen.

SPD will Impfpflicht zügig einführen

Für eine rasche Entscheidung beim Thema Impfpflicht will sich auch die SPD bei ihrer heutigen Klausurtagung einsetzen. Die Überwindung der Corona-Pandemie habe absoluten Vorrang, heißt es in dem Entwurf der Fraktionsführung für ein Arbeitsprogramm, das bei der Tagung beschlossen werden soll. "Die parlamentarischen Beratungen zur Impfpflicht werden wir zügig und mit der gebotenen Sorgfalt voranbringen." Ein Zeitplan wird in dem Papier allerdings nicht genannt.

Geplant ist aber, dass nach einer "Orientierungsdebatte" in der kommenden Woche aus den Reihen der Fraktion Eckpunkte für einen Gesetzentwurf vorgelegt werden. Auf dieser Grundlage soll dann mit Parlamentariern anderer Fraktionen über einen gemeinsamen Gruppenantrag beraten werden, über den möglichst bis Ende März abgestimmt werden soll. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich für ein Inkrafttreten im April oder Mai ausgesprochen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Januar 2022 um 04:45 Uhr.