Intensivpfleger sind in der Corona-Intensivstation des Universitätsklinikums Dresden mit der Versorgung von Patienten beschäftigt. | Bildquelle: dpa

Coronavirus-Pandemie 10.824 Neuinfektionen in Deutschland

Stand: 16.11.2020 07:31 Uhr

Es sind weniger Neuinfektionen als noch vor einer Woche, eine Entspannung ist aber noch nicht in Sicht. Die Bundesregierung wirbt daher für die Einhaltung der Regeln - mit einer umstrittenen Social-Media-Kampagne.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 10.824 Neuinfektionen mit dem Coronavirus innerhalb eines Tages gemeldet. Das sind rund 6100 Fälle weniger als am Sonntag, wie aus Angaben des RKI vom Morgen hervorgeht. An Montagen sind die erfassten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird und nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übertragen. Am vergangenen Montag hatte die Zahl gemeldeter Neuinfektionen bei 13.363 gelegen. Der Höchststand war am vergangenen Freitag mit 23.542 gemeldeten Fällen erreicht worden.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Montag um 62 auf insgesamt 12.547. Insgesamt haben sich dem RKI zufolge seit Beginn der Pandemie bundesweit 801.327 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert (Stand: 16. 11., 00.00 Uhr).

Das sogenannte Sieben-Tage-R lag laut RKI-Lagebericht vom Sonntag bei 1,03 (Vortag: 1,05). Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch gut 100 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flacht das Infektionsgeschehen ab.

Ärztepräsident fordert Hilfen für Kliniken

Angesichts der anhaltend hohen Infektionszahlen forderte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, vor den Beratungen von Bund und Ländern zur Corona-Lage in Deutschland mehr Unterstützung für Krankenhäuser. Viele Kliniken in Regionen mit zahlreichen Infektionen hätten bereits jetzt die Belastungsgrenze erreicht, sagte Reinhardt der Nachrichtenagentur dpa. "Die Maßnahmen des Lockdown-light mögen das exponentielle Wachstum der Pandemie in Deutschland bremsen", so der Ärztepräsident. Für die Sicherstellung der Behandlung der zahlreichen Covid-19-Patienten seien aber mehr personelle Ressourcen auch auf den Intensivstationen nötig. "Deshalb müssen wir jetzt entscheiden, wie wir mit planbaren Eingriffen umgehen", verlangte Reinhardt. In medizinisch vertretbaren Fällen müssten diese notfalls verschoben werden.

Reinhardt machte sich für verstärkte Kooperation zwischen den Kliniken stark, um möglichst wenige Behandlungen verschieben zu müssen. Freie Kapazitäten müssten genutzt werden. Auch andere Patienten müssten möglichst voll versorgt werden. Die Länder sollten entsprechende Maßnahmen ergreifen. Bis zum Ende der Pandemie müssten die Länder diese auch finanzieren, verlangte Reinhardt.

Zudem müssten die Ärzte und Pflegekräfte besser vor Corona-Infektionen geschützt werden. Mindestens 21.000 Beschäftigte in Krankenhäusern, Arztpraxen und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens hätten sich seit Beginn der Pandemie mit Corona infiziert. Aktuell seien es 1700 Mitarbeiter. "Hier muss dringend etwas passieren", so Reinhardt.

Video der Bundesregierung wirbt für Zuhausebleiben

Im Vorfeld des Corona-Gipfels im Kanzleramt am heutigen Montag warb die Bundesregierung in den sozialen Medien mit ironischen Videos dafür, zuhause zu bleiben und Kontakte zu reduzieren. Unter dem Hashtag "besonderehelden" teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Samstag das erste der Videos auf Twitter. Darin werden Menschen, die während der Pandemie zuhause auf der Couch sitzen und nichts tun, zu Helden erklärt.

Im ersten Video, das mit dramatischer Musik untermalt ist, berichtet der fiktive ältere Mann Anton Lehmann aus der Zukunft, wie er die zweite Welle "damals in diesem Corona-Winter 2020" erlebt hat. "Eine unsichtbare Gefahr bedrohte alles, woran wir glaubten", beschreibt Lehmann die Corona-Situation in Deutschland rückblickend. Das Schicksal des Landes habe plötzlich in ihren Händen gelegen. Also hätten sie getan, was von ihnen erwartet worden sei. "Nichts. Absolut gar nichts", so Lehmann. "Tage- und nächtelang blieben wir auf unserem Arsch zu Hause und kämpften gegen die Ausbreitung des Coronavirus." Die Couch sei die Front gewesen, "und unsere Geduld war unsere Waffe". Das sei ihr Schicksal gewesen. "So wurden wir zu Helden. Damals in diesem Corona-Winter 2020", erinnert sich Lehmann. Das Video endet mit dem Appell der Bundesregierung: "Werde auch du zum Helden und bleib zu Hause". In einem zweiten Video äußert sich eine Frau ähnlich.

In den sozialen Medien riefen die Videos geteilte Reaktionen hervor. Während einige Nutzer die Aktion lobten, bemängelten andere hingegen, dass Themen wie Einsamkeit, häusliche Gewalt, Existenzängste oder die Situation Alleinerziehender in den Spots keine Rolle spielen - oder dass die eigentlichen Helden beispielsweise die Beschäftigten im Gesundheitswesen seien. Zudem wurde die Frage gestellt, warum die Menschen ausgeblendet würden, die auch in der Pandemie dazu gezwungen sind, das Haus zu verlassen, um zu arbeiten, also keine homeoffice-kompatiblen Jobs haben.

Die Kampagne wurde auch außerhalb Deutschlands bemerkt. Ein Journalist der Londoner "Financial Times", Henry Mance, kommentierte auf Twitter: "Ich kann damit umgehen, dass die deutsche Antwort auf die Pandemie besser ist als unsere, aber ich glaube, ich kann nicht damit umgehen, dass sie lustiger ist."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. November 2020 um 09:00 Uhr.

Darstellung: