Blick in die leere Münzgasse vor der Frauenkirche in Dresden. | dpa

Coronavirus in Deutschland Lauterer Ruf nach Lockdown-Ende

Stand: 23.01.2021 11:32 Uhr

16.471 Neuinfektionen und 879 Tote binnen 24 Stunden - seit einigen Tagen ist die Tendenz der Zahlen leicht sinkend. Einige Unionspolitiker fordern deshalb ein Ende des Lockdowns Mitte Februar. Das RKI warnt davor.

Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 16.417 Corona-Neuinfektionen und 879 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden gemeldet, wie das RKI bekanntgab.

Vor genau einer Woche hatte das RKI 18.678 Neuinfektionen und 980 neue Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet. Der Höchststand von 1244 neuen Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den innerhalb eines Tages registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert gemeldet worden - darin waren jedoch 3500 Nachmeldungen enthalten.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Samstagmorgen bei 112,6. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden. Die Zahl schwankte danach und sinkt seit einigen Tagen wieder.

Forderungen nach Ende des Lockdowns

Angesichts dieser leicht positiven Entwicklung des Infektionsgeschehens gibt es nun Stimmen aus der Union, die auf ein Ende des Lockdowns Mitte Februar drängen.

So fordert der Vizevorsitzende der Unionsbundestagsfraktion, Georg Nüßlein, den Lockdown nach der derzeitigen Befristung bis 14. Februar definitiv zu beenden. Es sei wegen der massiven Auswirkungen nicht verantwortbar, solange einen flächendeckenden Lockdown zu verordnen, bis die Inzidenz-Zahl unter 50 oder unter 35 sinkt, sagte der CSU-Politiker der "Augsburger Allgemeinen".

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer will nach dem 14. Februar Lockerungen durchsetzen, wenn es verantwortbar ist, wie er der Zeitung "Welt" sagte - zunächst in Schulen und Friseurläden. "Im März können wir dann über den Einzelhandel sprechen. Und nach Ostern auch über die Gastronomie", so der CDU-Politiker.

Erst am Freitag hatte RKI-Präsident Lothar Wieler eindringlich vor zu frühen Lockerungen gewarnt. Nach wie vor seien die Fallzahlen zu hoch, sagte Wieler auf einer Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: "Wir dürfen jetzt nicht nachlassen." Zu einem "halbwegs normalen Alltag" könne das Land nur zurückkehren, wenn die Fallzahlen massiv und auf Dauer kleiner würden.

Dennoch verlangte auch Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, der den Lockdown eigentlich befürwortet, von der Politik Perspektiven für die Bevölkerung. "Es ist nachvollziehbar, dass die Menschen nach zehn Monaten Pandemie ermüdet sind und die Corona-Schutzmaßnahmen als belastend empfinden", sagte er der "Rheinischen Post". Der ARD-DeutschlandTrend für das ARD-Morgenmagazin hatte zuletzt festgestellt, dass fast jeder Zweite (49 Prozent) die Corona-Einschränkungen als sehr starke bzw. starke Belastung wahrnimmt. Laut Reinhardt muss es deshalb unter anderem eine klare Kommunikation zu den Impfkapazitäten geben.

Spahn wirbt um Verständnis

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte am Freitagabend in den tagestehmen um Verständnis für die Verzögerungen bei der Impfkampagne geworben. Er verwies darauf, dass auch Pharmafirmen von Lieferketten und Zulieferern abhängig seien. Weltweit sei die Nachfrage nach Vakzinen in der Pandemie groß.

Die zwei großen Hersteller Pfizer und AstraZeneca hatten zuvor bekannt gegeben, dass sie ihre Zusagen nicht halten könnten und deshalb weniger Impfdosen ausliefern. Dadurch kommt es zu Engpässen. Pfizer und sein deutscher Partner BioNTech hatten die Lieferschwierigkeiten mit dem Umbau eines Produktionswerkes in Belgien begründet.

Spahn zeigte sich zuversichtlich, dass trotz der Lieferschwierigkeiten bei AstraZeneca schon im Februar maßgebliche Mengen dieses Impfstoffs verimpft werden können.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Januar 2021 um 09:00 Uhr.