Eine medizinische Mitarbeiterin bereitet den Wirkstoff Comirnaty von BioNTech/Pfizer für Impfungen gegen das Coronavirus vor.  | dpa

Corona in Deutschland Länderchefs unzufrieden mit Impfkampagne

Stand: 27.05.2021 08:56 Uhr

Vor dem Bund-Länder-Gipfel üben einige Ministerpräsidenten Kritik an der Impfstoffverteilung und den Corona-Maßnahmen. Binnen 24 Stunden wurden dem RKI 6313 Neuinfektionen gemeldet - die Inzidenz sinkt dadurch auf 41.

Vor dem Impfgipfel im Kanzleramt kommt aus den Ländern Kritik an der Impfstoffverteilung. "Brandenburg bekommt prozentual weniger als andere Länder", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke dem RedaktionsNetzwerk Deutschland vor dem heutigen Bund-Länder-Gipfel. "Ich will wissen, woran das liegt", so der SPD-Politiker. Grundsätzlich gelte, dass der Bund die angekündigten Impfmengen liefern müsse.

Laut Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher sind an sein Land gut 40.000 Impfdosen zu wenig geliefert worden. "Die Impfstoffverteilung in Deutschland ist ungerecht", sagte der SPD-Politiker dem "Spiegel". "Jede Woche wird die Benachteiligung größer. Es muss jetzt zügig einen Ausgleich geben."

Bis zum 25. Mai seien knapp 1,1 Millionen Impfdosen in sein Bundesland geliefert worden. Das seien 44.500 weniger als das Bundesland gemäß seinem Anteil an der Bevölkerung erhalten sollte. Sollte es keinen Ausgleich durch das Bundesgesundheitsministerium geben, könnten im Hamburger Impfzentrum im Juni keine Erstimpfungen mehr erfolgen, warnte Tschentscher.

Ramelow kritisiert Corona-Maßnahmen

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hält derweil die Corona-Maßnahmen für zu kompliziert und hat deren grundsätzliche Überarbeitung angekündigt. Die Corona-Verordnungen seien zu großen Teilen nur noch eine Aneinanderreihung von bürokratischen Teilnotwendigkeiten, sagte Ramelow der "Thüringer Allgemeinen". "Regelwerke, die der normale Bürger nicht mehr verstehen kann, führen automatisch zu Ablehnung und Missverständnissen."

Ramelow kündigte an, dass die Regeln nach dem Auslaufen der Bundesnotbremse Ende Juni in Thüringen grundlegend überarbeitet werden sollen. "Im Sommer wird es nur noch die Abstands-, Hygieneregeln und Maskenpflicht geben, dazu den Maßnahmenkatalog, falls die Inzidenzwerte örtlich über die Alarmwerte von 35, 50 oder 100 steigen", so Ramelow.

Bund und Länder beraten heute über das künftige Vorgehen beim Impfen gegen das Coronavirus. Laut Regierungssprecher Steffen Seibert will sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder am Nachmittag "zu verschiedenen Facetten des Themas" austauschen. So soll es unter anderem um Impfungen von Kindern und Jugendlichen gehen sowie um mögliche Auffrischungsimpfungen.

Inzidenz sinkt auf 41

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 6313 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 12.298 Ansteckungen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz sinkt damit bundesweit auf 41 (Vortag: 46,8; Vorwoche: 68). Allerdings verweist das RKI darauf, dass an Feiertagen wie Pfingstmontag weniger Menschen einen Arzt aufsuchen, wodurch auch weniger Proben genommen werden und es weniger Laboruntersuchungen gibt. Daher werden weniger Neuinfektionen gemeldet.

Deutschlandweit wurden zudem 269 neue Todesfälle verzeichnet, 32 mehr als vor einer Woche. Die Zahl der Menschen, die an oder mit einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, wird nun mit 87.995 angegeben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Mai 2021 um 10:00 Uhr.

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Moderation 27.05.2021 • 18:05 Uhr

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