Lothar Wieler | dpa

Corona-Zahlen steigen "Dritte Welle hat schon begonnen"

Stand: 11.03.2021 06:51 Uhr

14.356 binnen eines Tages gemeldete Neuinfektionen und eine auf 69,1 gestiegene Inzidenz - ein Jahr nach Beginn der Pandemie ist die Lage in Deutschland weiterhin angespannt. RKI-Präsident Wieler sieht die dritte Welle schon in vollem Gange.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 14.356 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet - und damit 2444 mehr als vor genau einer Woche. Auch die Zahl der innerhalb von sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) stieg mit 69,1 im Vergleich zum Vortag (65,4) deutlich an. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 321 weitere Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche waren es 359.

Mit dem aktuellen Wert von 69,1 stieg die Sieben-Tage-Inzidenz auch wieder über den Wert von vor genau vier Wochen: Am 11. Februar hatte die Inzidenz noch bei 64,2 gelegen. Die Zahl der neuen Ansteckungen in Deutschland war im Januar und Februar über Wochen deutlich zurückgegangen. Zuletzt stagnierte sie allerdings, was auch an der Verbreitung ansteckenderer Virus-Varianten liegen könnte.

Impfkampagne ist Wettlauf gegen das mutierende Virus

RKI-Präsident Lothar Wieler warnte angesichts dieser Entwicklung: "Wir haben ganz klare Anzeichen dafür: In Deutschland hat die dritte Welle schon begonnen." Er sei sehr besorgt, sagte er im Gespräch mit der UN-Journalistenvereinigung in Genf. Die strikte Anwendung von Schutzmaßnahmen wie Maske tragen und Abstand halten sei trotz Impfungen weiter dringend nötig.

Die Impfkampagne beschreibt Wieler als Wettlauf gegen das mutierende Virus. Die Ziellinie sei aber in Sicht: Wenn es keine Unterbrechungen wegen Produktionsausfällen oder aus anderen Gründen gebe, könnten bis Herbst 80 Prozent der Bevölkerung immun gegen das Virus sein. "Wenn das der Fall ist, können alle Maßnahmen aufgehoben werden", sagte Wieler. Er geht davon aus, dass nach den ersten Impfrunden Auffrischungen nötig sind - in welchen Abständen, sei bislang unklar.

Ein Jahr Pandemie

Vor genau einem Jahr, am 11. März 2020, hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ausbruch des Coronavirus zur Pandemie - und damit zu einer weltweiten Bedrohung - erklärt. Zu diesem Zeitpunkt waren weltweit 118.000 Infektionen gemeldet und knapp 4300 Menschen nach einer Infektion gestorben. Ein Jahr später sind es nach der WHO-Statistik fast 120 Millionen gemeldete Infektionen weltweit und gut 2,6 Millionen Todesfälle.

In Deutschland zählte das RKI seit Beginn der Pandemie rund 2,5 Millionen nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Gesamtzahl der Menschen, die an einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 72.810.

Der Höchststand von 1244 neu gemeldeten Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert erreicht worden - er enthielt jedoch 3500 Nachmeldungen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. März 2021 um 11:00 Uhr.