Eine Mitarbeiterin des Testzentrums am Platz der Weltausstellung hält einen Teststab für einen Schnelltest auf das Coronavirus in ihren Händen (gestellte Szene, Archivbild)). | dpa

Corona-Pandemie Die Infektionskurve zeigt nach oben

Stand: 03.01.2022 10:41 Uhr

Den fünften Tag in Folge meldet das Robert Koch-Institut einen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz, die nun bei 232,4 liegt. Gesundheitsminister Lauterbach kündigte eine rasche Entscheidung über verkürzte Quarantänefristen an.

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist den fünften Tag in Folge gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert mit 232,4 an. Am Vortag und in der Vorwoche lag die Inzidenz jeweils bei 222,7. Der Wert beziffert die Zahl der neuen Ansteckungen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen.

Die Gesundheitsämter übermittelten dem RKI innerhalb von 24 Stunden 18.518 Neuinfektionen - ein Anstieg um rund 4600 im Vergleich zur Vorwoche. Registriert wurden zudem 68 weitere Todesfälle. Insgesamt starben somit 112.223 Menschen seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Höchster Wert in Bremen, niedrigster in Rheinland-Pfalz

Unter den Bundesländern verzeichnet Bremen mit 468,6 den höchsten Wert, Thüringen mit 404, 2 den zweithöchsten, und Hamburg liegt bei 397,2. Die niedrigste Inzidenz weist Rheinland-Pfalz mit 161,3 auf. Unter den Landkreisen hat der thüringische Ilm-Kreis eine Inzidenz von 820 und damit mit Abstand den höchsten Wert.

Das RKI weist nach wie vor darauf hin, dass die Infektionszahlen derzeit höchstwahrscheinlich nicht vollständig sind. Aufgrund der Feiertage ließen sich weniger Menschen testen und nicht alle Gesundheitsämter leiteten Daten weiter. Die tatsächlichen Zahlen könnten daher höher liegen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte kürzlich gesagt, dass die realistische Inzidenz wohl zwei- bis dreimal höher liegt als derzeit vom RKI erfasst.

Lauterbach kündigt neue Beschlüsse an

Mit Blick auf die Ausbreitung der Omikron-Variante rechnet Lauterbach zudem mit einer schnellen Entscheidung über eine Verkürzung der Quarantänefristen. "Wir denken in der Tat über verkürzte Quarantäne- und Isolationszeiten nach", sagte Lauterbach dem ZDF. Angesichts der zu erwartenden hohen Fallzahlen brauche es andere Quarantäne-Dauern, so der SPD-Politiker weiter.

Ob Lauterbach nur eine Verkürzung der Quarantänefristen für Kontaktpersonen oder sogar kürzere Isolationszeiten für Infizierte erwägt, blieb offen. Geklärt werden müsse unter anderem, inwieweit die Fristen für Menschen mit Auffrischungsimpfung geändert werden könnten, sagte er. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek hatte kürzlich eine Befreiung von der Quarantäne für geboosterte Kontaktpersonen ins Gespräch gebracht.

Bund und Länder wollen sich am 7. Januar zu einer neuen Schaltkonferenz treffen, um die weitere Strategie zu beraten. Lauterbach machte deutlich, dass angesichts der Ausbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante in Deutschland Eile geboten sei: "Die Fallzahlen werden sehr stark steigen, und das wird dann auch viele Ungeimpfte treffen, und die sind nicht geschützt. Daher mache ich mir da große Sorgen."

Virologin für verkürzte Quarantäne

Auch nach Meinung der Virologin Ulrike Protzer stelle Omikron vor allem für Ungeimpfte eine größere Gefahr dar. Zwar deuteten Daten aus anderen Ländern darauf hin, dass die Omikron-Variante nun weniger aggressiv sei, das treffe aber vor allem auf Menschen mit einer bestehenden Immunität zu - also Geimpfte und Genesene, sagte sie im ARD-Morgenmagazin. In den USA sehe man etwa, dass Omikron im Zusammenhang mit einer hohen Zahl der Ungeimpften durchaus Auswirkungen auf einen Anstieg der Hospitalisierungen haben könne. Protzer geht davon aus, dass auch in Deutschland die Infektionszahlen bald in die Höhe schnellen werden.

Die Virologin an der TU München begrüßte Überlegungen zu einer Verkürzung der Quarantänefristen. "Ich glaube, dass es sinnvoll und notwendig ist. Denn wenn sich viele Menschen gleichzeitig anstecken und alle in Quarantäne kommen, fallen alle diese Menschen als Arbeitskräfte aus." Man müsse hierbei aber auch das mögliche Infektionsrisiko bedenken, das von den Infizierten und Kontaktpersonen in Quarantäne ausgeht. "Deswegen muss man hier gut abwägen und deswegen brauchen wir eine gute Quarantäneregelung", sagte Protzer.

Kürzere Quarantäne: Grünen-Politiker skeptisch

Kritisch äußerte sich Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen zu einer generellen Verkürzung der Quarantäne für Geboosterte. "Die Krankenschwester, die dann infiziert den Schlaganfall- oder Herzinfarktpatienten noch anstecken könnte, durch eine verkürzte Quarantäne zu einem Risiko für die Ausbreitung dieser Omikron-Welle zu machen, das halte ich im Moment noch nicht für einen richtigen Weg", sagt er den Sendern RTL und ntv.

Überall, wo es viele Kontakte gebe und die Menschen Dritte anstecken könnten, müsse man "sehr vorsichtig" sein, sagte Dahmen. Das gelte auch für Geboosterte. Es könne jedoch über verkürzte Quarantänezeiten für geimpfte und geboosterte Menschen nachgedacht werden, die in der kritischen Infrastruktur arbeiteten.