Ein Helfer der Johanniter hält im Corona Testzentrum am Flughafen Hannover ein Teststäbchen. | dpa

Corona in Deutschland Inzidenz steigt zum zehnten Mal in Folge

Stand: 17.07.2021 08:22 Uhr

Nach Angaben des RKI ist die Inzidenz in Deutschland zum zehnten Mal in Folge gestiegen. Sie liegt nun bei 9,4. Eine Wissenschaftlergruppe der TU Berlin erwartet auf Basis von Modellrechnungen eine vierte Welle im Herbst.

Zum zehnten Mal in Folge ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland angestiegen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lag sie bei 9,4 - am Vortag betrug der Wert 8,6, beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9.

Insgesamt haben die Gesundheitsämter dem RKI binnen eines Tages 1608 Corona- Neuinfektionen gemeldet. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 952 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 22 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 35 Tote gewesen. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg dadurch auf 91.359.

Wissenschaftlergruppe erwartet vierte Welle

Eine Wissenschaftlergruppe der Technischen Universität Berlin (TU) erwartet anhand von Modellierungen eine vierte Welle, die auch an Krankenhäusern nicht vorbeigeht. "Laut unseren Simulationen wird im Oktober ein exponentieller Anstieg bei den Krankenhauszahlen starten. Falls die derzeitige Entwicklung anhält, wird dies sogar früher beginnen und sich im Oktober dann nochmal verstärken", heißt es im neuen Bericht der Gruppe um den Mobilitätsforscher Kai Nagel an das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Den derzeitigen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenzen wertet das Team wegen hohen relativen Zunahmen als "beunruhigend". Nur wenn die Impfstoffe gegen Delta deutlich besser wirkten als derzeit bekannt oder wenn eine Impfquote von 95 Prozent erreicht werde, bleibe eine vierte Welle in den Simulationen aus. Das Modell ergebe "unter allen derzeit realistisch erscheinenden Bedingungen eine vierte Welle bei den Erwachsenen, welche mit der Verlagerung von Aktivitäten in Innenräume im Herbst verstärkt werden wird."

Schnelltests an Schulen reichen nicht aus

Die Simulationen zu Schulen zeigen laut dem Bericht, dass Lüftungssysteme und flächendeckender Einsatz von Schnell- und/oder PCR-Tests die Infektionsdynamik verringern könnten. Würden solche Maßnahmen konsequent umgesetzt, seien Schulschließungen oder Wechselunterricht nicht notwendig, hieß es. Die zwei Schnelltests pro Woche, die derzeit typisch seien, halten die Wissenschaftler ohne zusätzliche Maßnahmen allerdings bei weitem nicht für ausreichend. Würden die Schulen nach den Sommerferien ohne Schutzmaßnahmen geöffnet, ergäbe sich laut Modell eine Infektionswelle bei den Schülerinnen und Schülern, die zu einer Welle bei Erwachsenen führe.

Weltweit arbeiten Wissenschaftler mit verschiedenen Ansätzen an Covid-19-Simulationen. Diese beruhen auf bestimmten Annahmen und sind mit Unsicherheiten behaftet. Das Team um Professor Nagel nutzt anonymisierte Berliner Mobilfunkdaten, um das Infektionsgeschehen zu modellieren. Die Ergebnisse sind ihm zufolge mindestens auf andere Großstädte übertragbar.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juli 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.