Bundesgesundheitsminister Jens Spahn | AFP

Corona-Pandemie Spahns Plan für den Sommer

Stand: 23.05.2021 11:10 Uhr

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist gesunken und liegt nun bei 64,5. Für weitreichende Lockerungen müsse der Wert aber weiter fallen, sagte Bundesgesundheitsminister Spahn. Neue Zielmarke: eine Inzidenz von unter 20.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat als Zielmarke eine Inzidenz von unter 20 ausgegeben, damit es im Sommer weitreichende Lockerungen der Corona-Regeln geben kann. Für einen unbeschwerten Sommer müsse die Inzidenz weiter gesenkt werden, sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag". "Im vergangenen Sommer lag sie unter 20. Das sollten wir wieder anstreben. Vorsicht und Umsicht gelten weiterhin", sagte Spahn.

Aus dem vergangenen Jahr gelernt

Man habe aus dem vergangenen Sommer gelernt. Vor allem Familienbesuche in Heimatländern könnten die Zahl der Corona-Infektionen hochtreiben. "Damals haben die Auslandsreisen, häufig Verwandtschaftsbesuche in der Türkei und auf dem Balkan, phasenweise rund 50 Prozent der Neuinfektionen ausgelöst. Das müssen wir in diesem Jahr verhindern", sagte Spahn.

Beispielsweise wolle er frühzeitig Vereinbarungen mit der Türkei über Tests bei der Ein- und Ausreise schließen.

Zuversichtlich zeigte sich Spahn, dass im Sommer Open-Air-Konzerte erlaubt werden: "Keine Rock-Festivals, wo sich Zehntausende in den Armen liegen. Konzerte im nicht voll besetzten Olympiastadion oder im Park mit Tests und Abstand sind aus heutiger Perspektive drin."

Impfangebot für Schüler bis Ende August

Damit die Schulen wieder öffnen könnten, wolle Spahn BioNTech-Impfdosen für Schülerinnen und Schüler reservieren. "Ein Weg zu regulärem Unterricht nach den Sommerferien ist das Impfen der Jugendlichen", sagte Spahn der "Bild am Sonntag". Ziel sei es, dass alle Schülerinnen und Schüler bis Ende August ein Impfangebot bekämen. "Weil für sie wegen der Zulassung nur ein bestimmter Impfstoff infrage kommt, müssen dafür genügend BioNTech-Dosen reserviert werden."

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hatte erklärt, sie wolle noch im Mai über die Zulassung des BioNTech-Impfstoffs für Kinder ab zwölf Jahren entscheiden. Der US-Hersteller Moderna kündigte an, eine europäische Impfstoffzulassung für Kinder ab 12 Jahren anzustreben. Ein Antrag bei der EMA sei Anfang kommenden Monats geplant.

Gesundheitsminister Spahn kündigte an, Fördermaßnahmen für Kinder zu einem Schwerpunkt seiner politischen Arbeit in den nächsten Monaten zu machen. "Das Leid der Kinder in der Pandemie beschäftigt mich sehr", sagte der Minister. Er wolle noch vor den Sommerferien mit Kinderärzten, Psychologen und Erziehungswissenschaftlern sprechen, "wie wir diese Versäumnisse auffangen können". Besonders Kinder aus sozial benachteiligten Familien wolle er unterstützen.

Inzidenz sinkt weiter

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 6714 Corona-Neuinfektionen. Dies sind 1786 Fälle weniger als vor einer Woche, wie aus den RKI-Zahlen hervorgeht. Vor einer Woche hatte der Wert bei 8500 Ansteckungen gelegen. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz liegt nun bei 64,5. Am Vortag lag der Wert bei 66,8; vor einer Woche bei 83,1.

Deutschlandweit wurden den Angaben des RKI nach binnen 24 Stunden 82 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus verzeichnet. Vor einer Woche waren es 71 Tote gewesen. An Wochenenden sind die vom RKI gemeldeten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil weniger getestet wird.

R-Wert sinkt auf 0,87

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie insgesamt 3.648.958 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte aber deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 3.397.100 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, wird stieg auf 87.380.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht zuletzt bei 0,87 (Vortag: 0,85). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 87 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor acht bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter eins, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 23. Mai 2021 um 06:30 Uhr und 07:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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weingasi1 23.05.2021 • 13:18 Uhr

Am 23. Mai 2021 um 09:55 von saschamaus75

@09:20 von AufgeklärteWelt >> bei der Impfrate hinkt Deutschland >> deutlich hinterher ... Wie oft noch? Die EU ist auf Platz 3 der Weltrangliste und Dtl. ist auf Platz 1 der EU. -.- ___ Nein ! Andersherum wird ein Schuh daraus. Sie, "saschamaus" vergleichen immer nur die effektiven Zahlen. Demzufolge könnte ein kleines Land mit weniger Bürgern, die aber ALLE bereits geimpft sind, nie besser dastehen, als ein grösseres Land (wie DE ) was zögerlicher vorgeht. Wenn Sie einen objektiven Vergleich anstreben, müssen Sie die %ualen Verhältnisse zwischen Einwohnern und Geimpften darstellen. Das wurde aber jetzt schon mehrfach festgestellt. Es freut mich ja, dass Sie hier die Arbeit der BR, die ich unterstütze, loben, deshalb ist Ihre Reihenfolge dennoch nicht richtig.