Ditzingen: Eine Krankenschwester des Gesundheitszentrum des Laserspezialisten Trumpf führt in dem Gesundheitszentrum einen Corona-Schnelltest durch. | dpa

Corona-Infektionsgeschehen Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 124,9

Stand: 27.03.2021 07:06 Uhr

Das RKI hat 20.472 neue Corona-Infektionen registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 124,9. Angesichts der Zahlen fordern Intensivmediziner einen harten Lockdown - und keine weiteren Öffnungen.

Die Infektionslage in Deutschland verschärft sich weiter: Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) auf 124,9. Damit ist der Wert so hoch wie seit dem 19. Januar (131,5) nicht mehr. Am Freitag hatte das RKI die Inzidenz noch mit 119,1 angegeben, vor zwei Wochen lag sie bei 76,1.

Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche an und ist eine wichtige Kennzahl zum Pandemieverlauf. Nachdem im Lockdown die Zahl der Neuinfektionen bis etwa Mitte Februar deutlich gefallen war, stieg die Zahl der Ansteckungen zuletzt wieder kräftig - was Experten auch auf die weite Verbreitung ansteckenderer Varianten zurückführen.

Mehr als 20.400 Neuansteckungen

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen 24 Stunden 20.472 neue Corona-Infektionen. Zudem wurden 157 neue Todesfälle verzeichnet. Das sind 1101 weniger als am Vortag, aber mehr als 4000 mehr als vor einer Woche. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 16.033 Neuinfektionen und 207 neue Todesfälle verzeichnet. Der Höchststand von 1244 neu gemeldeten Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.755.225 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 2.477.500 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 75 780.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Freitagabend bei 1,14 (Vortag 1,08). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 114 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor acht bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Intensivmediziner fordern harten Lockdown

Der Präsident der Intensivmediziner-Gesellschaft DGIIN, Christian Karagiannidis, fordert angesichts der stark steigenden Infektionszahlen einen harten Lockdown und sofortigen Stopp aller geplanten Öffnungsschritte. "Die Beschlüsse für Modellprojekte nach Ostern sind völlig unpassend und müssen von Bund und Ländern sofort zurückgenommen werden", sagte Karagiannidis, der auch wissenschaftlicher Leiter des Divi-Intensivregisters ist, der "Rheinischen Post". "Es braucht eine Mischung aus hartem Lockdown, vielen Impfungen und Tests. Nur so lässt sich ein Überlaufen der Intensivstationen noch verhindern", sagte er. Ein solcher Lockdown müsse bundesweit gelten und zwei Wochen dauern. "Ich bitte die Politik, das Krankenhauspersonal nicht im Stich zu lassen."

Auch andere Mediziner und Virologen hatten den Öffnungskurs mancher Länder kritisiert. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: "Es ist ganz klar, dass wir im exponentiellen Wachstum sind und innerhalb von kurzer Zeit Tageszahlen von 30.000, 40.000, 50.000 Infizierten erreichen können." Einige andere Länder ziehen deshalb auch die "Notbremse" und verschärfen Maßnahmen wieder.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. März 2021 um 07:00 Uhr.