Ein Passagier geht am Flughafen München an einem Covid-19 Testzentrum vorbei. | dpa

Corona-Pandemie Inzidenz liegt jetzt bei 139,2

Stand: 29.10.2021 11:41 Uhr

Das RKI hat 24.668 neue Corona-Fälle gemeldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg von 130,2 auf 139,2. Die Folgen sind auf den Intensivstationen spürbar. Das RKI warnt daher vor dem erhöhten Risiko einer Infektion.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen ist erneut deutlich gestiegen. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter mitteilte, erhöhte sich der Wert auf 139,2. Am Vortag hatte er bei 130,2 gelegen, vor einer Woche bei 95,1. Der Wert gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen an.

Laut den jüngsten Angaben des RKI wurden binnen 24 Stunden 24.668 Coronavirus-Neuinfektionen sowie 121 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus verzeichnet. Die Gesamtzahl der registrierten Infektionsfälle in Deutschland seit Beginn der Pandemie wuchs damit auf 4.559.120, die Gesamtzahl der verzeichneten Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion auf 95.606. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit zwei Wochen kontinuierlich an. Am vergangenen Freitag hatte der Wert erstmals seit Mai wieder die Marke von 100 überschritten.

RKI warnt vor wachsender Gefahr ansteckender Kontakte

Angesichts der Entwicklungen warnte das Robert Koch-Institut in seinem Wochenbericht vor einem wachsenden Risiko von Ansteckungen. "Bei den gegenwärtigen Sieben-Tage-Inzidenzen besteht eine zunehmende Wahrscheinlichkeit infektiöser Kontakte." Es werde "dringend empfohlen", sich gegen Covid-19 impfen zu lassen und auf den vollständigen Impfschutz zu achten.

Gemeint ist, dass man sich auch die zweite Spritze geben lassen sollte, die bei fast allen Corona-Impfstoffen vorgesehen ist. Die Möglichkeit der Auffrischimpfung solle von den Gruppen genutzt werden, denen die Ständige Impfkommission dies empfiehlt, hieß es. Wer leichte Symptome habe, solle zu Hause bleiben und sich testen lassen, möglichst mit PCR, twitterte das RKI. Das gelte auch für Geimpfte.

"Ausgeprägter Effekt" von Impfungen

Nicht notwendige Kontakte sollten reduziert und die Verhaltensregeln zum Schutz vor Infektionen konsequent eingehalten werden. Der Anteil Geimpfter sei in den vergangenen Wochen kaum noch gestiegen, hält das RKI fest. Unter Berufung auf eigene Berechnungen hieß es, ein "ausgeprägter Effekt" der Corona-Impfung zum Verhindern von Covid-19-Erkrankungen und Krankenhausaufnahmen in Deutschland sei belegt.

Das RKI verglich die jeweiligen Inzidenzen in der ungeimpften und der vollständig geimpften Bevölkerung. Ergebnis: In der geimpften Bevölkerung habe sowohl die wöchentliche Inzidenz der Fälle mit Symptomen als auch die Inzidenz der Krankenhausaufnahmen deutlich unter den jeweiligen Werten der ungeimpften Bevölkerung gelegen, hieß es. Dies gelte für die beiden analysierten Altersgruppen (18 bis 59 und ab 60 Jahre) und im gesamten Untersuchungszeitraum von Mitte Juli bis Mitte Oktober.

Mehr als 100.000 wahrscheinliche Impfdurchbrüche seit Februar

Von Anfang Februar bis Ende voriger Woche registrierte das RKI 117.763 wahrscheinliche Impfdurchbrüche - also Sars-CoV-2-Infektionen mit Covid-19-Symptomen. In diesem Zeitraum wurden 55 Millionen Menschen vollständig geimpft, teilte das Institut mit. Demnach starben insgesamt 1076 Menschen mit Impfdurchbrüchen, 782 von ihnen waren mindestens 80 Jahre alt. "Das spiegelt das generell höhere Sterberisiko - unabhängig von der Wirksamkeit der Impfstoffe - für diese Altersgruppe wider."

Der Anteil der Impfdurchbrüche an allen Coronafällen zeige, "dass nur ein geringer Anteil der hospitalisierten, auf Intensivstation betreuten beziehungsweise verstorbenen Covid-19-Fälle als Impfdurchbruch zu bewerten ist". Das RKI nennt die Zunahme von Durchbruchinfektionen im Laufe der Zeit "erwartbar": Immer mehr Menschen seien geimpft, das Virus breite sich wieder vermehrt aus. "Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, als vollständig geimpfte Person mit dem Virus in Kontakt zu kommen."

Steigende Inzidenzen in allen Altersgruppen

Zur allgemeinen Corona-Lage heißt es im Bericht, dass der steigende Trend der Sieben-Tage-Inzidenzen vorige Woche in allen Altersgruppen sichtbar geworden sei. Sprunghafte Anstiege beträfen auch Ältere - bei den Menschen über 90 etwa stieg die Sieben-Tage-Inzidenz im Wochenvergleich von 63 auf 108. Es habe erneut einen deutlichen Anstieg von Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen und medizinischen Einrichtungen gegeben, hieß es. "Die diesjährigen Fallzahlen sind deutlich höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres." Das RKI betont seit dem Sommer, dass es für Herbst und Winter mit steigenden Zahlen rechnet.

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund warnte erneut vor drastischen Engpässen in den Krankenhäusern wie in zurückliegenden Hochphasen der Pandemie. "Ich möchte nicht wieder erleben, dass wegen Covid-19 Operationen abgesagt werden müssen, weil sonst die Versorgung personell nicht bewältigt werden kann“, sagte die Vorsitzende Susanne Johna den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Der Präsident der Intensivmediziner-Vereinigung, Gernot Marx, geht davon aus, dass zwar alle Patientinnen und Patienten vollumfänglich versorgt werden könnten. "Aber es werden hierzu wieder Operationen abgesagt wie auch Pflegepersonal aus anderen Bereichen abgezogen werden müssen", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Virologe erwartet mehr Impfdurchbrüche

Der Virologe Martin Stürmer sprach angesichts der steigenden Zahl von Impfdurchbrüchen von einem "kommunikativen Problem". "Wir sind nicht davon ausgegangen, dass wir hundertprozentig eine sterile Immunität erreichen werden", erklärte er im ARD-Morgenmagazin. Man habe mit Impfdurchbrüchen gerechnet. Bei den hohen Fallzahlen werde man diese in Zukunft noch häufiger sehen.

Es sei allerdings falsch zu argumentieren, es lohne sich nicht, sich impfen zu lassen, wenn man später dennoch infiziert werden könne, sagte Stürmer. Bei Geimpften sei die Situation nämlich völlig anders. "Erstens ist die Wahrscheinlichkeit deutlich reduziert, sich noch einmal anzustecken. Dann ist die Wahrscheinlichkeit signifikant reduziert, einen schweren Verlauf zu haben oder gar zu sterben und auch das Virus an andere weiterzugeben. Insofern hat man schon einen sehr, sehr großen Vorteil für sich selber und für andere, wenn man sich impfen lässt." Bei den Risikogruppen müsse mit einer dritten Impfung gegengesteuert werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Oktober 2021 u.a. um 09:00 Uhr.