Ein Pfleger zieht beim Verlassen der Intensivstation für Corona-Patienten am Sana Klinikum Offenbach seinen Schutzkittel aus. | dpa

RKI-Wochenbericht Corona-Inzidenz scheint zu stagnieren

Stand: 02.12.2022 12:17 Uhr

Gesundheitsminister Lauterbach sprach bereits von einer beginnenden Winterwelle - so weit geht das RKI bislang nicht. Es sieht eher ein "Plateau" des Infektionsgeschehens. Dafür nehmen aber andere Atemwegserkrankungen deutlich zu.

Während derzeit insgesamt mehr Menschen in Deutschland an Atemwegserkrankungen erkranken, scheint die Corona-Inzidenz zu stagnieren. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz in der vergangenen Woche im Vergleich zur Vorwoche "unverändert geblieben", heißt es im aktuellen Wochenbericht. In der Woche zuvor war die Corona-Inzidenz im gleichen Zeitraum noch um 17 Prozent gesunken.

Anders als Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach spricht das RKI aber bislang nicht von einer beginnenden Winterwelle. Es zeichne sich eher "eine Plateaubildung ab". Allerdings liegt der R-Wert in der letzten Novemberwoche erstmals wieder seit Anfang Oktober über 1. Das heißt, dass jeder Infizierte rechnerisch mehr als eine weitere Person ansteckt. Dies könnte ein Hinweis auf steigende Infektionszahlen in der nächsten Zeit sein.

Infektionsdruck bleibt hoch

Die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen sei hingegen im Vergleich zur Vorwoche gestiegen - und liege mit etwa 8,2 Millionen Fällen "deutlich über dem Bereich der Vorjahre". Dazu zählen mit mehr als einem Drittel hauptsächlich Influenzaviren - danach folgen RSV und zu einem geringeren Anteil auch Coronaviren.

In den kommenden Wochen sei saisonal bedingt weiter mit einem Anstieg der Erkrankungen zu rechnen. "Der Infektionsdruck ist im Herbst in allen Altersgruppen generell hoch, da auch die Verbreitung von akuten Atemwegsinfektionen durch den häufigeren und längeren Aufenthalt in Innenräumen schlechter zu verhindern ist", schreibt das RKI.

Generell mehr Krankenhauseinweisungen

Insgesamt steigt auch die Zahl der Menschen, die mit schweren Atemwegserkrankungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Zahl liege seit einigen Wochen ebenfalls "deutlich über den vorpandemischen Werten". Insbesondere RSV-Infektionen führen auch vermehrt zu Krankenhauseinweisungen von Kindern.

Nachdem die Zahl der Krankenhausbehandlungen von Corona-Infektionen zurückgegangen war, scheint auch hier die Zahl laut dem RKI nun gleich zu bleiben. Am stärksten betroffen von schweren Krankheitsverläufen seien noch immer Menschen mit über 80 Jahren. Die Zahl der Covid-Erkrankten, die auf der Intensivstation behandelt werden, ist nach Angaben des RKI gesunken. Es käme jedoch in medizinischen Behandlungseinrichtungen wieder zu mehr Corona-Ausbrüchen.

Anteil von BQ.1.1 steigt auf etwa 13 Prozent

Die seit Mitte Juni dominierende Omikron-Linie BA.5 habe andere Varianten fast vollständig verdrängt, heißt es. Der Anteil der Omikron-Sublinie BQ.1.1 nahm in der vorvergangenen Woche weiter zu. Ihr Anteil liegt nun bei 13,4 Prozent. Dennoch werde auch weiterhin mit der zunehmenden Verbreitung von BQ.1.1 keine Erhöhung der Krankheitslast beobachtet, schreibt das RKI.

Am Freitagmorgen gab das RKI die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz mit 205,0 an. Am Vortag hatte der Wert der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 201,9 gelegen (Vorwoche: 190,8; Vormonat: 279,1). Die Inzidenzen liefern allerdings nur ein unvollständiges Bild der Infektionslage. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus. Die meisten Ergebnisse des Wochenberichts beziehen sich auf die vergangene Woche.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Dezember 2022 um 06:00 Uhr.